04.10.2019

Zeit zu handeln

So ein bisschen erinnert mich der Beginn der „Fridays for future“-Bewegung an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Eigentlich wissen wir alle seit Jahren, dass wir den Klimaschutz nicht ernst nehmen, aber doch muss eine 15-jährige Schwedin jeden Freitag vors Parlament ziehen und mit einem Pappschild für Klimaschutz streiken, damit wir aufwachen. Ich bin im Wendland Widerstand gegen die Atompolitik gewohnt, aber dennoch bin ich zutiefst beeindruckt, was die Schülerinnen und Schüler innerhalb eines Jahres weltweit auf die Beine gestellt haben. Niemand kann das Thema glaubhafter rüberbringen als eine Generation, die die Klimafolgen massiv zu spüren

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04.10.2019

"Ein bäuerliches Zeichen setzen"

In Brake am Hafen kommt alles zusammen. Als die Bauern und Bäuerinnen nach eineinhalb Stunden ihre Treckerblockade des größten deutschen Futtermittelhafens beenden, rollen an die 100 LKW in beide Richtungen durch das einzige Zufahrtstor. Wie eine Stampede wütender Elefantenherden in der Savanne donnern die Transporter vorbei. Plötzlich wird deutlich, dass es hier nicht nur um Soja aus abgebranntem Regenwald in Brasilien geht, um ein Handelsabkommen, das bäuerliche Existenzen dies- und jenseits des Atlantiks gefährdet, sondern auch um Transporte auf der Straße, um Energie und um Arbeitsbedingungen. Wie unter einem Brennglas konzentriert sich alles in de

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04.10.2019

Trockenheit führt zu Fichtensterben

Es geht um Produktionsflächen für Holz oder natürliche CO2-Speicher. Es geht um Klimawandel, Borkenkäfer und sterbende Wälder. In erster Linie geht es aber um einen Waldumbau – weg von einseitig auf Ertrag ausgerichteten Monokulturen, vor allem von Fichten. Ökologisch sind diese meist dunklen, extrem artenarmen Bestände noch nie besonders schützenswert gewesen. Aber das heranwachsende Fichtenholz ist, wenn die Bäume ihre Erntereife erreichen, ein begehrter Rohstoff in der Bauindustrie. Bauen mit Holz, das bedeutet, sieht man von der Möbelproduktion ab, in den meisten Fällen Bauen mit Fichte. Dass der Wald neben dem Erholungs- vor allem auch ein Wirtsch

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04.10.2019

Entsolidarisierung auf dem Dorf

In Gesprächen mit Bauern in Ostdeutschland landet man immer bei der LPG. Sie ist für viele Landbewohner der ehemaligen DDR nach wie vor Hassobjekt oder Sehnsuchtsort oder auch beides gleichzeitig, für Ökonomen Grundstein eines agrarstrukturellen Erfolgsmodells, für Soziologen der Anfang vom Ende des Niedergangs bäuerlicher Kultur. Die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der ehemaligen DDR entstanden dadurch, dass landwirtschaftliche Betriebe mit ihren Menschen und Orten in übergeordnete ökonomische Strukturen gezwungen wurden. Den freien Bauern, der seinen Beruf liebte, weil er individuell Entscheidungen selbst treffen, seine Verantwortung

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09.09.2019

30 Jahre Mauerfall

Erinnere ich mich an den Tag des Mauerfalls, verspüre ich trotz der unterschiedlichsten Erlebnisse und Erfahrungen, die die letzten 30 Jahre mit sich gebracht haben, ein unbändiges Gefühl der Befreiung und der Erleichterung. Als junger Mensch erlebte ich das System des „real existierenden Sozialismus“ als stark eingrenzend und freiheitsberaubend. Zugleich prägt mich bis heute die Erfahrung einer starken solidarischen Gemeinschaft Andersdenkender in der DDR, die sich im täglichen Leben unterstützten, sich gegenseitig Mut zusprachen, Alternativen entwickelten und sich zivilgesellschaftlich engagierten. Die Entwicklung nach der Wende, speziell im länd

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09.09.2019

Ost-Agrarstruktur ist kein Zufall

Schlechte Stimmung, der Aufstieg rechter Parteien, ungleiche Lebensverhältnisse mit besonders abgehängten ländlichen Räumen, entvölkerte Dörfer, wenige Bauern, höchstens bei fernen Investoren angestellte landwirtschaftliche Arbeiter, ausgeräumte Landschaften, in denen noch mehr Arten verloren gehen als in kleinteiliger Agrarstruktur – viel wird derzeit über den Osten Deutschlands geschrieben. Weder gibt es „den“ Osten, noch ist alles nur negativ. Und doch gibt es gerade in der Agrarpolitik Zusammenhänge, die bestimmte Entwicklungen begünstigt haben. Wo gilt es anzufangen? Vor 30 Jahren, als die friedliche Revolution vielleicht gerade auch auf dem Lan

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09.09.2019

Bäume, Forst und Wald – Klimawandel im Brennglas

Die sommerliche Radtour von Norddeich Richtung Münster führte uns durch das als Hochburg der Tierhaltung bekannte Emsland – überall trockene Eichen oder Birken. Auch eine Auto- oder Bahnfahrt aus dem Sauerland Richtung Kassel, Bergisches Land oder Richtung Frankfurt ist nicht nur frustrierend aufgrund des immer stärker werdenden Verkehrs, sondern als Waldbesitzer auch wegen des überall sichtbaren Baum- und Waldsterbens: Trockene Kronen, braune Nadelholzbestände, wohin das Auge blickt. Das Sterben der Bäume Deutschland- und europaweit das gleiche Bild, überall rattern die Motorsägen und Waldbesitzer*innen kämpfen um ihre Existenz. Dutzende Millionen

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09.09.2019

Mercosur: Klima und Käse

Diesen Sommer unterzeichneten die EU-Kommission und die Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay die politischen Eckpunkte des Mercosur-Freihandelsabkommens. Die konkreten Verträge werden im Detail noch ausgearbeitet, bevor das Abkommen in die europäische Abstimmung geht. Der EU-Rat, das EU-Parlament und alle EU-Mitgliedsstaaten müssen diesen Freihandelsvertrag ratifizieren. Auf siebzehn Seiten hat die EU-Kommission Knackpunkte festgehalten. Demnach muss Europa 99.000 Tonnen Rindfleisch jährlich importieren zu einem reduzierten Zollsatz von 7,5 Prozent. Diese Importquote entspricht 1,2 Prozent der gesamten EU-Rindfleischproduktion. Das kli

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05.08.2019

Gemeinsam für die Vielfalt

Bei Fahrten über Land fällt mir dieses Jahr auf, dass noch an vielen Stellen Heu steht. Streifen an Rainen, Böschungen und Straßenrändern, aber auch kleine Inseln in vielen Hausgärten. Ebenso die vielen Ecken, Winkel oder Bachränder, die noch nicht gemäht worden sind. Das hat sicherlich damit zu tun, dass die Themen Artenschutz und Artenvielfalt momentan sehr präsent sind. Das Schöne daran ist, dass die Menschen dies alles tun, ohne dass es bis jetzt irgendeine Regelung dazu gibt. Natürlich wird man auch im Naturschutzbereich um Vorschriften nicht herumkommen. Ein Beispiel sind die Gewässerabstandsflächen, die nur so flächendeckend durchzusetzen sein w

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05.08.2019

Volksbegehren in der Republik

Erst war es nur in Bayern, dann kamen sie auch in Baden-Württemberg und Berlin-Brandenburg: Volksbegehren zum Schutz der Artenvielfalt. „Rettet die Bienen“ war der eingängige Slogan in Bayern, mit dem es den Initiatoren gelang, 18,4 Prozent der Wahlberechtigten zur Unterschrift zu animieren. Die Details der inzwischen in Gesetzen festgeschriebenen Regelungen und vor allem ihre Auswirkungen auf die Landwirte traten während des Prozesses hinter dem Slogan zurück. Wer wollte auch kein Bienenretter sein? Ohne die konkreten Umsetzungen nochmals zu beleuchten (siehe BS 3/19), zeigt der Ablauf die große, auch emotionale, Anteilnahme an dem Volksbegehren in B

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05.08.2019

Schön gerechnet und allein gelassen

Existenzbedrohend, so der Deutsche Bauernverband, sei die in den Nachbesserungen zur neuen Düngeverordnung (DüV) 2017 getroffene Regelung zu einem 20-prozentigen Abschlag in den roten Gebieten. Hintergrund waren die Nachforderungen der EU-Kommission, die in der DüV 2017 keine ausreichende Umsetzung sah, um vor allem in den roten Gebieten eine Verbesserung der Grundwasserqualität zu erreichen. Man „verlasse aber das Grundprinzip der Bedarfsdeckung landwirtschaftlicher Kulturen mit Nährstoffen“, so der Präsident des DBV, Joachim Rukwied, und drückte damit vorsichtig aus, was manch anderer als das bewusste Verhungernlassen von Pflanzen bezeichnete. Wie fa

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05.08.2019

Gedanken zum Milchmarkt

Bei der Mitgliederversammlung des European Milk Board (EMB) im Frühjahr 2017, die Milchkrise der Vorjahre war noch frisch in Erinnerung, beschrieb der damalige EMB-Vorsitzende Romuald Schaber die mögliche Zukunft der Milcherzeugung in Europa. Schaber warnte damals vor einer Situation, die er als Dauerkrise bezeichnete: zwar kein Absturz mehr auf Milchpreise unter 25 Cent, aber eine dauerhafte Kostenunterdeckung über Monate und Jahre, mit der Folge, dass die allermeisten Betriebe von der Substanz zehren. Heute, zwei Jahre später, ist diese Situation, man könnte sie auch als „schleichende Milchkrise“ bezeichnen, bittere Realität. Niemand bestreitet mehr

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04.06.2019

Vielfalt auf dem Acker und im Kopf

Für die, die es ausprobieren, ist es oft ein schöner Motivationsschub. Jahre-, Jahrzehntelang wuchsen auf dem Acker nur Getreide und Hackfrüchte, jetzt sind es Erbsen oder Ackerbohnen, Leguminosen also, und sie stehen üppig und gleichmäßig. Häufig machen Bauern und Bäuerinnen, die – zur Auflockerung ihrer konventionellen Fruchtfolge oder in der Umstellung auf Ökolandbau – zum ersten Mal Erbsen oder Bohnen anbauen, diese positive Erfahrung. Dass das nicht so bleibt, wenn man Leguminosen häufiger oder gar zu häufig bringt, dass es nach wie vor zumindest konventionell schwierig mit der Wirtschaftlichkeit ist, dass es nach dem kurzen Boom durch die Einführ

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04.06.2019

Neue Hühner braucht das Land

Henne, Hahn oder Ei – die Frage wer zuerst da war, stellt sich für Carsten Bauck nicht. „Hahn und Henne gehören zusammen.“ Was klingt wie ein lapidarer Allgemeinplatz, ist in den vergangenen Jahren zu einem gesellschaftlich immer brisanteren Ethikthema avanciert. Eigentlich sollte schon Ende Mai das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, was juristisch als höherwertig anzusiedeln ist: wirtschaftliche Interessen oder der im Grundgesetz verankerte Tierschutz. Es hatte dann kurz vor dem anberaumten Termin noch weiteren Beratungsbedarf, so dass das Urteil nun auf den 13. Juni terminiert ist. Auch daran wird deutlich, wie viel Zündstoff darin liegt, dass jäh

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04.06.2019

"Die wesentlichen Treiber des Artensterbens sind menschengemacht“

Die Artenvielfalt nimmt weltweit dramatisch ab. Etwa eine Million der derzeit bekannten rund acht Millionen Tier- und Pflanzenarten ist im Laufe der nächsten Jahrzehnte vom Aussterben bedroht, wenn der Mensch seine Lebensweise nicht gravierend ändert, so das Fazit des „Global Assessment“ des Weltbiodiversitätsrates IPBES, das Anfang Mai zum weltweiten Zustand von Natur und Umwelt vorgestellt wurde. Die Erkenntnisse, die in drei Jahren von 145 führenden Fachleuten aus mehr als 50 Ländern, unterstützt von 330 sogenannten Contributing Authors, zusammengestellt wurden, zeichnen ein dramatisches Bild. Ganz bewusst stellen die Wissenschaftler bei ihren Betr

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16.05.2019

Die DÜV und Panikmache

Gar kein Verständnis habe ich für die zwangsweise Unterernährung der Pflanzen, die ja in ‚roten Gebieten’ unter Bedarf der Kultur stattfinden soll. “ (WLV-Präsident Johann Rörig in „Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben“ 9/2019, S. 20).Zwei Anmerkungen.Die Wortwahl „Bedarf der Kultur“ drückt eine Verwechselung aus. Der natürliche Bedarf einer Pflanze besteht darin, dass die Pflanze wachsen kann, dass sie zur Samenreife gelangt und dass die Samenkörner die Erhaltung und Ausbreitung der Art ermöglichen. Der „Bedarf“ der Pflanzen im Sinne der DÜV drückt dagegen aus, welche Stickstoffmengen zu düngen sind, um den vom Landwirt erhofften Ertrag zu er

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07.05.2019

Starke Stufen - nicht nur für den Handel!

Der bunte Strauß des Lebensmitteleinzelhandels an unterschiedlichen Haltungskompassen, Tierwohlkennzeichnungen etc. hat sich seit dem 1. April diesen Jahres vereinheitlicht in der sogenannten Haltungsform. Hier finden nun für verpackte Ware die Verbraucher*innen Stufen in aufsteigender Wertigkeit für mehr Tierwohl zwischen 1 bis 4, wobei die Stufe 1 dem gesetzlichen Standard und die Stufe 4 Standards wie Bio, die Premiumstufe des deutschen Tierschutzbundes und Neuland beinhaltet. Das staatliche Tierwohl-Siegel soll 2020 für den Bereich Schwein folgen. Die teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler an der Haltungsform haben schon angekündigt ihr System seh

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07.05.2019

„Für mich ist das krasses Politikversagen”

Unabhängige Bauernstimme: Herr Hofstetter, Sie sind Agraringenieur und nach vielen Jahren in der Wissenschaft zu Greenpeace gewechselt und dort vor allem im Landwirtschaftsbereich tätig. Sie haben die Gentechnik- und die Pestizidarbeit begleitet und sind jetzt als Political Advisor neben Landwirtschaft auch in die Greenpeace-Arbeit zu Wald eingebunden. Im Bereich Landwirtschaft macht Greenpeace seit längerem auf die Zustände in der industriellen Tierhaltung aufmerksam. Ist der Tierschutz nach dem Umweltschutz ein neues Betätigungsfeld der Organisation? Martin Hofstetter: Natürlich ist uns am Wohl der Tiere gelegen. Das ist ja eigentlich eine moralisch

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07.05.2019

Ein Haltungs-Sortiersystem für den Anfang

Vorbehalte gibt es genug, gegen alles und jeden: die Politik, die nur redet und nicht handelt, der Handel, der zwar handelt, aber nur alibimäßig und falsch, die Verbraucher, die auch nur reden, immer wollen und doch nicht so handeln, die Bauern, die immer jammern, wie viel sie schon tun, aber eben doch nie genug, und am liebsten hätten, dass alles so bleibt, wie es ist. Es ist nicht so einfach, einen Weg für die Nutztierhaltung der Zukunft auszumachen oder zu entwickeln. Nun versucht sich von offizieller politischer Seite gerade der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert als Adjutant seiner ministerialen Nachfahrin Julia Klöckner (CDU)

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03.04.2019

Nutztierstrategie auch fürs Wasser

Berlin dreht wieder am Düngerecht. Schon bei der letzten Reform 2017 war allen bewusst, dass sie nicht reichen würde. Die Problematik von örtlich stark gewachsenen Tierbeständen auf wenig Fläche wurde nicht angegangen. Aus dem Missverhältnis „Viele Tiere – wenig Fläche“ ergibt sich zwangsläufig ein Zuviel. Die überschüssige Gülle ist in den Intensivregionen zum teuren Entsorgungsfall geworden. Die bis weit über 1.000 Euro pro ha angestiegenen Pachtpreise verdeutlichen, wie hoch der Druck ist. Die jetzt von Berlin nach Brüssel gemeldeten Veränderungen an der Düngeverordnung werden die Flächensituation zusätzlich massiv verschärfen. Dabei sind die Pachtp

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Marcus Nürnberger

Redakteur der Unabhängigen Bauernstimme

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59065 Hamm

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Telefon: 02381-49-22-20
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Claudia Schievelbein

Redakteurin der Unabhängigen Bauernstimme
Bahnhofstraße 31
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