12.06.2020

Chancen ergreifen!

Was sich die Europäische Kommission (KOM) in ihrer am 20. Mai veröffentlichten Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ (Farm to Fork) vorgenommen hat, kann getrost als Novum bezeichnet werden. So sollen die Nährstoffverluste der EU bei gleichbleibender Bodenfruchtbarkeit bis 2030 um mindestens 50 % reduziert werden. Gleiches gilt für den Einsatz von Pestiziden. Der Anteil des Ökolandbaus soll hingegen auf 25 % ansteigen. Auf Seite eins ihrer Strategie bezeichnet die KOM diese als „Kernstück“ ihres europäischen „Green Deal“. Dieser im Dezember 2019 von der Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) veröffentlichte Vorschlag gibt das Ziel aus, die Wirtsc

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12.06.2020

Natur und Vielfalt, Felder und Teller

Mit der Vorstellung der Biodiversitätsstrategie und der Farm-to-Fork-Strategie setzt die EU-Kommission einen neuen Rahmen für die zukünftige Landwirtschafts-, Natur- und Umweltpolitik. Eigentlich war die Veröffentlichung schon für Ende März geplant. Dass sie sich bis Ende Mai hinauszögerte, lag auch an der Corona-Pandemie. Ein neuer Rahmen Auch wenn es den Anschein hat, beide Papiere stünden nebeneinander, so fällt doch auf, dass die Verfasser der Biodiversitätsstrategie mit sehr grundlegenden Feststellungen zum Verhältnis Mensch – Umwelt beginnen: „Von den großen Regenwäldern der Welt bis hin zu kleinen Parks und Gärten, vom Blauwal bis hin zu mikro

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12.06.2020

Relevante Systemkritik

Das Timing stimmte. Als die Republik vorsichtige Lockerungsübungen versuchte und die Corona-News-Ticker nicht mehr im Minutentakt neue Nachrichten zu vermelden hatten, erreichte die Coronakrise der Fleischindustrie ihren Höhepunkt. Nachdem zuvor bereits Mitarbeiter in Schlachtbetrieben von Müller in Baden-Württemberg und von Vion in Schleswig-Holstein erkrankt waren, ereilte es Westfleisch. Eine Woche, nachdem die ersten Mitarbeiter im Schlachthof im nordrhein-westfälischen Coesfeld positiv auf Covid-19 getestet waren, schloss nicht etwa der zuständige Landrat, sondern der Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) den Betrieb. Aufgrund der ger

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12.06.2020

Roboter rockt Rübe

Opportunity – Gelegenheit – hieß der Mars-Rover, der jahrelang auf unserem unwirtlichen Nachbarplaneten herumfuhr, Fotos und Daten sendete, bevor ihn 2018 ein Sandsturm endgültig lahmlegte. Der Farmdroid sieht ein bisschen aus wie Opportunities großer Bruder mit seinem Solarpanel waagerecht über Aggregaten und Rädern. Er steht noch ganz am Anfang seiner Mission, die auch nicht auf dem Mars, sondern auf Äckern auf der Erde stattfindet. Die Idee stammt von zwei Brüdern aus Dänemark, die schon seit Jahren an selbstfahrenden Robotern für den Einsatz in der Landwirtschaft tüfteln. Im vergangenen Jahr schaffte es dann die erste Kleinserie mit dem Namen Farmd

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05.05.2020

Unter der Lupe

Es sind seltsame Zeiten, die wir gerade erleben, obwohl sich das Leben auf dem Hof im Grunde nicht geändert hat. Die täglichen Abläufe und Tätigkeiten sind dieselben geblieben, die Arbeiten, die der Frühling jedes Jahr mit sich bringt, sind nach und nach dazugekommen. Die Wiesen sind inzwischen trotz der schon wieder trockenen Böden grün geworden und die Kühe sind auf der Weide. Wenn man aber die „Insel“ Hof mal verlässt, merkt man, wie stark sich die Welt verändert hat. Die Mischung lässt in mir den Eindruck eines schwankenden Bodens entstehen. Das Herunterfahren der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten hat nicht nur den angenehmen Ef

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05.05.2020

Wen der Spargel sticht

Dass jetzt gerade der Spargel dran ist, macht die Sache nicht einfacher – ausgerechnet die eher als Luxusgemüse denn als Grundnahrungsmittel empfundenen und außerdem nicht ganz einfach und unter erheblichem körperlichem Einsatz zu erntenden empfindlichen Stangen, die bei entsprechendem Wetter explosionsartig sprießen und punktgenau gestochen werden müssen. Schon vor Jahren winkten Spargelerzeuger ab, als ihnen mit Langzeitarbeitslosen geholfen werden sollte: zu unmotiviert, unfit und unzuverlässig. Stattdessen stechen Osteuropäer, inzwischen oft Rumänen, zäh und klaglos, schnell und geschickt, oft gering entlohnt und spartanisch in Massenunterkünften u

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05.05.2020

Zukunft der Landwirtschaft

Der Corona-Shutdown mit Versammlungsverbot und Ladenschließungen hat das öffentliche Leben zum Erliegen gebracht. Betroffen davon sind auch tausende Bauern, die im vergangenen Herbst begannen, auf der Straße für mehr Anerkennung des Berufsstandes zu protestieren. Betroffen sind auch die vielen Initiativen, die sich rund um das Bündnis Meine Landwirtschaft für eine langfristige Transformation der Landwirtschaft in Deutschland und Europa einsetzten. Auch politisch scheint das Thema Landwirtschaft, abgesehen von der Diskussion um Bedarf und Arbeitsbedingungen bei Erntehelfern, derzeit wenig Beachtung zu finden. Dabei stehen ganz aktuell mit den Ergebniss

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05.05.2020

Stolpe und Corona

In der letzten Bauernstimme berichtete ich davon, wie Mitte März das Coronavirus in unser Dorf kam und wie auch ich infiziert wurde. Vielen Dank für die vielen Mut machenden Mails und Nachrichten, die mich anschließend erreichten. Sie haben gewirkt: Ich bin wieder gesund. Zur Erinnerung: Auf einer Ausschusssitzung des Gemeinderates am 11. März saß ich mit vierzehn anderen Kommunalpolitikern im Stolper Dorfgemeinschaftshaus zusammen. Wie sich später herausstellte, war einer von uns – Axel, unser zweiter stellvertretender Bürgermeister – zu diesem Zeitpunkt coronapositiv. Zumindest fünf von uns sind mutmaßlich an diesem Abend infiziert worden. Nachdem A

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03.04.2020

Lesestoff in angespanten Zeiten

In der aktuellen Situation, in der Corona immer mehr Menschen unmittelbar betrifft. Entweder weil sie Freunde oder Bekannte haben, die betroffen sind, oder aber dass sie selbst unter Quarantäne stehen. Falls sie aktuell nach mehr Lesestoff suchen dann finden sie hier die aktuelle Ausgabe der Unabhängigen Bauernstimme als pdf.

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02.04.2020

Solidarität

Als vor einigen Jahren tausende von Menschen durch das Ebola-Virus dahingerafft wurden, haben wir das bedauernd zur Kenntnis genommen, wir leben ja nicht in Liberia oder im Kongo. Wenn im brutalen Syrienkrieg seit 2011 mehr als 380.000 Menschen getötet und mehr als 11 Millionen vertrieben werden, dann macht das manche von uns fassungslos, aber bei uns sind ja keine Bomben gefallen. Dass geflüchtete Menschen in total überfüllten Lagern auf einer wunderschönen Urlaubsinsel zusammengepfercht werden und menschenunwürdig leben, ist für eine zivilisierte europäische Gesellschaft ein Armutszeugnis, aber was tun? Dass unsere Konsum- und Verschwendungsgesellsch

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02.04.2020

Ein Blick zurück für den Ackerbau der Zukunft

Wir werden die Frage des Biodiversitätsverlustes nicht über Gewässerrandstreifen lösen, es muss eine Veränderung in der Fläche passieren. Noch zu oft wird im Hinblick auf politische Aktivitäten zwischen Schutz- und Schmutzgebieten unterschieden. Dabei gibt es eigentlich schon lange bessere Ideen. Schon Ende der 60er Jahre veröffentlichte Hans Braun, Professor für Pflanzenkrankheiten der Universität Bonn, einen Aufsatz zu „Pflanzenhygiene und integriertem Pflanzenschutz“, in dem die Bedeutung eines größer gefassten Blicks auf den sich zur damaligen Zeit vornehmlich auf chemische Maßnahmen beschränkenden Pflanzenschutz deutlich wird. In der Zusammenfassu

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02.04.2020

„In meinen Augen ist dann Schluss“

Es handelt sich um ein Filetstück, ein Grundstück mit Bebauungsplan und noch 14 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche drum herum. Hamburgs Innenstadt ist gerade einmal dreißig Minuten mit der S-Bahn plus eine kurze Autofahrt entfernt. Ganz klar ein Objekt für Investoren. Aber Hauke Jaacks (57) war sich sicher, als aktiver Landwirt nach dem Grundstücksverkehrsgesetz Vorrang beim Kauf zu haben, als die Eigentümer diese Flächen anboten. Das war 2017, ein Jahr, bevor seine Pachtverträge für genau diese Flächen ausliefen. Die Autofahrt endet vor einem Waldstück, rechter Hand befindet sich die Hofstelle von Hauke und Svantje Jaacks. Es ist kaum noch zu

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02.04.2020

Corona in Stolpe

Heute Morgen habe ich den Text für diese Seite schon einmal geschrieben. Jetzt fange ich noch einmal von vorne an, weil sich wieder einmal alles geändert hat. Stolpe, mein Heimatdorf, ist fest im Griff des Corona-Virus. Was ist geschehen? Am Mittwoch, 11.März, gab es im Gemeinderat eine Ausschusssitzung, bei der auch ich anwesend war. Einige Tage später wurde eines der Ausschussmitglieder positiv auf Corona getestet. Wie wir heute Morgen erfuhren, ist er – durch eine Krebserkrankung gesundheitlich angeschlagen – heute Nacht verstorben. Nach Bekanntwerden dieser Infektion wurde alle Personen, die bei dem Ausschuss waren, sowie ihre im Haus lebenden F

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03.03.2020

Ein jegliches hat seine Zeit

Jahrzehntelang waren die Niederlande Sehnsuchtsort der deutschen Schweinebauern und Berater. Reisen dorthin waren Exkursionen in die Zukunft der Tierhaltung. Auch ich habe in den 60ern an einer solchen Reise teilgenommen. Es war eine Begegnung der zweiten Art, zur dritten fehlten uns die Aliens. Ställe auf Gülle mit langen Reihen angebundener Sauen waren ein völlig ungewohntes Bild. Zu Hause wurde dann der Zollstock das wichtigste Betriebsmittel, um in den eigenen Ställen auszumessen und zu prüfen, wie sie umgebaut werden könnten. Es dauerte Jahre, bis ich in meinen Ställen mit fester Fläche und Stroheinstreu Güllekanäle ausgebuddelt hatte und auch mei

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03.03.2020

Ja zum Umbau der Tierhaltung mit Finanzierung der Mehrkosten

In der Agrarpolitik sind Versuche, große Problemlagen durch ein Gesamtkonzept lösen zu wollen, mindestens selten. An Konflikten und Zündstoff gibt’s kein Mangel, aber an konstruktiven Lösungen umso mehr, ganz besonders, wenn sie im Konsens widerstreitender Interessen entstehen. Umso mehr Beachtung verdienen die Empfehlungen zum grundlegenden Umbau der deutschen Nutztierhaltung, die jetzt das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert (CDU) vorlegt und an Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) übergeben hat. In der „Borchert-Kommission“ haben seit April 2019 Verbände aus Land- und

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03.03.2020

Reinen Wein zu reinem Wasser

Die Gelsenwasser AG ist eine der Großen, wenn es um die Versorgung mit Trinkwasser in Deutschland geht. Der Ursprung und die Firmenzentrale des Unternehmens mit inzwischen über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt immer noch in Gelsenkirchen im östlichen Ruhrgebiet. Längst gibt es aber Beteiligungen im gesamten Bundesgebiet und in den Nachbarländern. Entsprechend gut ist auch Ulrich Peterwitz vernetzt, der in dem Unternehmen unter anderem für Wasserkooperationen mit der Landwirtschaft zuständig ist. Netze sind es schließlich auch, um die sich gerade viele Debatten in der Landwirtschaft im Zusammenhang mit der Düngeverordnung drehen. „Die Disku

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03.03.2020

Ein Bild von Landwirtschaft der Zukunft entwerfen

„Wir haben einen ganz konventionellen Ackerbaubetrieb“, sagt Tilo von Donner und stellt die Biomilch der Hamfelder Bauernmolkerei zum Kaffee auf den Tisch. Sie kauften die, weil man so was doch unterstützen müsse. Von Donner lässt sich nicht in eine Schublade stecken, mehr noch, er will mit dem Schubladendenken aufräumen. Der Holsteiner lebt mit seiner Frau und drei kleinen Kindern in den sanften Hügeln zwischen glitzernden Seen in der Nähe von Plön am Ende einer Betonspurbahn in einem klassisch großzügigen Backsteinensemble. Typisch gerade für die Osthälfte Schleswig-Holsteins sind die Knicks, Gehölzsäume um die Acker- und Grünlandflächen, ursprünglic

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04.02.2020

Dran bleiben!

Wie mutig und vorausschauend war es, als einige Bäuerinnen und Bauern, konventionell und biologisch wirtschaftend, vor 40 Jahren die AbL e.V. als bäuerliche Interessenvertretung gründeten. Vier Jahrzehnte mit unzähligen Diskussionen, Analysen, Veranstaltungen, Aktionen, Demonstrationen, Hoch- und Tiefpunkten. Das kommt uns heute zugute. In der aktuellen Protestbewegung von „Land schafft Verbindung“ (LsV) gibt es Rufe, alles agrarpolitisch wieder auf null zu setzen und die Reset-Taste zu drücken, wie ein Sprecher auf der Kundgebung in Hamburg unter Beifall sagte. Realistisch ist dies nicht. Das bewusste Ignorieren von jahrzehntelangen agrarpolitischen V

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04.02.2020

„Der Berufsstand ist im Aufbruch“

Zum zehnten Mal mit dem Trecker nach Berlin. Zum zehnten Mal demonstrieren Bäuerinnen und Bauern, Verbraucherinnen, Natur- und Umweltschützer gemeinsam mit Tierschützern und Eine-Welt-Organisationen anlässlich der Grünen Woche für eine andere, ökologischere, sozialere Agrarpolitik. Immer wieder dasselbe, könnte man denken, denn längst ist bei vielen Teilnehmern die Wir-haben-es satt-Demo im Januar zu einem festen Termin im Jahresverlauf geworden. Ein Datum, an dem man nach Berlin fährt, runterkommt vom eigenen Hof, rausgeht aus der eigenen Wohnung, auf die Straße, ins Regierungsviertel nach Berlin. Und doch ist in diesem Jahr vieles anders. Denn obwoh

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04.02.2020

Die Rache langjährig falscher Entscheidungen

Es ist eine Gemengelage – nicht nur das, was auf Mistplatten und in Güllepötten zusammenkommt, sondern auch, was jetzt im Zusammenhang mit der Düngeverordnung bei den Bauernprotesten, in Diskussionsrunden und auf den Höfen diskutiert wird: Kläranlagen, Verschwörungstheorien, die Funktionsfähigkeit von Messstellen, der Sinn oder Unsinn von bestimmten Messstellenstandorten, das Prozedere der Meldung an Brüssel. Das alles soll hier nicht Thema sein. Schließlich wird nicht erst seit gestern gemessen und nicht nur von offiziellen Stellen, sondern auch von den Wasserversorgern. Dabei entstand letztlich über Jahrzehnte ein genaues Bild, das Handlungen zur R

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Marcus Nürnberger

Redakteur der Unabhängigen Bauernstimme

Bahnhofstraße 31
59065 Hamm

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Telefax: 02381-49-22-21

Claudia Schievelbein

Redakteurin der Unabhängigen Bauernstimme
Bahnhofstraße 31
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