27.06.2024

Kommentar: Aufbruch statt Resignation

Fassungslosigkeit, Ohnmacht, Verachtung, Schadenfreude, Verzweiflung, Genugtuung, Resignation – das Vokabular, welches die Stimmungslage nach den Kommunalwahlen und der Europawahl 2024 beschreibt, bleibt unvollständig. Wahlanalysten und wissenschaftliche Expert:innen überschlagen sich in diesen Tagen dabei, die Ursachen für das Wählerverhalten der Deutschen und Europäer:innen zu erklären. Doch was stand im Fokus des Wahlkampfes und was beschäftigt viele Menschen in diesen Tagen? Warum wenden sich Menschen ab, statt in jetzigen Krisenzeiten politische Verantwortung zu übernehmen oder zumindest ihre Stimme in die Waagschale zu werfen? Wann ist das Ver

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01.06.2024

Den Mutigen gehört die Welt

Auch wenn die Politik gerade eher rückwärts als nach vorne weist, wird auch weiter mutig geackert. Jochen Hartmann sitzt rittlings auf einem Beetdamm auf seinem Acker und zieht seine Hand durch die Dammflanke. Obwohl Wind geht und die Sonne scheint, ist im Innern des Damms noch Feuchtigkeit. Oben spitzen zwei Reihen Sommergerste aus der Krone. Mit Begeisterung berichtet der Bauer aus dem niedersächsischen Rettmer vor den Toren Lüneburgs von den Vorteilen der Dämme: Sie erwärmten sich im kalten Frühjahr schneller, trockneten zwar gut ab, hielten im Innern aber das Wasser durch Kamineffekte, sorgten mit einer guten Krümelstruktur und mehr Durchlüftung

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01.06.2024

BVVG verpachtet gemeinwohlorientiert

Nach langen und zähen Verhandlungen gibt es endlich einen Erfolg für Bauern und Bäuerinnen. Nach ihrer Gründung 1992 verwaltete die 1996 in Bodenverwertungs- und -verwaltungs-GmbH (BVVG) umbenannte Treuhandgesellschaft etwa 1,1 Millionen Hektar Agrarland. Sie hatte den Auftrag, die ehemaligen volkseigenen landwirtschaftlichen Flächen der DDR zu privatisieren. In der Folge verkaufte sie viele Flächen bis 2010 vor allem vergünstigt an Bestandspächter:innen; Mehr als 371.000 Hektar waren das etwa über das Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz (EALG). Danach machte die BVVG insbesondere Schlagzeilen, weil sie das Land oft zum Höchstpreis an die

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29.05.2024

Kommentar: Die GAP nicht verspielen

Die Stimmung bei den meisten politischen Parteien ist sehr angespannt. Die Angst vor einem Rechtsdruck bei den anstehenden EU-Wahlen ist groß und gerechtfertigt. Viele Wähler sind unzufrieden mit der aktuellen Politik. Ob das immer angebracht ist, lasse ich mal dahingestellt. Der Protest der Bauern, der sich letztendlich am geplanten Aus der Dieselrückvergütung und der Befreiung von der Kfz-Steuer entlud, machte die Politik dann zusätzlich nervös. Auch auf EU-Ebene machten die Bäuerinnen und Bauern ihrem Unmut dann Luft und forderten u. a. eine Entschärfung der EU-Vorgaben aus der letzten Agrarreform. Tatsächlich sind die Dieselrückvergütung, die Kfz-

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02.05.2024

„Wunschkonzert statt durchdachte Agrarpolitik“

Hannes Lorenzen, Vorsitzender der europäischen Verbändeplattform ARC 2020, über Zustand und Aussichten der EU-Agrarpolitik - Unabhängige Bauernstimme: In vielen europäischen Ländern gab es in den letzten Monaten massive Proteste von Bäuerinnen und Bauern. Je nach Land spielten dabei unterschiedliche agrarpolitische Themen eine Rolle, selbst innerhalb der Länder gab es ein vielfältiges Bild von Forderungen und viel Unzufriedenheit und Wut. Was war da los? Hannes Lorenzen: Ich glaube, bei genauerem Hinsehen war die Vielfalt an Frustrationen und Forderungen während der Proteste selbst für Interessierte nicht so leicht erkennbar – und genau darin lieg

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01.05.2024

STV und Pflanzenzüchter auf Konfrontationskurs

BGH-Urteil wird als Druckmittel gegen Landhandel und Bauern sehr weitreichend ausgelegt. Während alle Welt in Sachen Landwirtschaft von Bürokratieabbau spricht und geradezu hektisch versucht wird, Bauern und Bäuerinnen zum Teil auch nur zum Schein zu entlasten, ziehen der Bundesverband der deutschen Pflanzenzüchter (BDP) und sein Inkassounternehmen, die Saatgut-Treuhandverwaltungs-GmbH (STV), gerade ein Bürokratiemonster hoch. Betroffen sind nicht nur Bauern und Bäuerinnen, sondern auch der Landhandel. Grund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), mit dem der BDP sich erhofft, über eine Hintertür alle umfassenden Anbaudaten landwirtschaftlicher Be

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25.04.2024

Kommentar: Europa und die Zukunft unserer Höfe

Was ist eigentlich in Brüssel los? Wer zurzeit die Agrarmedien verfolgt, hört immer neue Vorschläge zur Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Es ist längst überfällig, dass der Abbau belastender Bürokratie nun auf allen politischen Ebenen ernster genommen wird. Das dramatische daran ist nur, dass dabei ökologische und soziale Ziele hinten runterfallen. Die EU-Kommission hat händeringend nach Antworten auf die sich in ganz Europa ausweitenden Bauernproteste gesucht und dabei alle Regeln einer guten demokratischen Praxis über Bord geworfen. Unter Zugzwang, um noch vor der nahenden Europawahl handeln zu können, hat sie ohne Folgenabschätzung

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03.04.2024

"Bürokratieabbau statt Abbau von Umweltauflagen!"

Josef Settele, Professor in Halle, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung und im Weltbiodiversitätsrat IPBES, im Interview: Unabhängige Bauernstimme: Unter dem Thema Bürokratieabbau werden gerade auf EU-Ebene Umwelt- und Klimaschutzstandards geschliffen. Was sagen Sie dazu? Josef Settele: Ich bin durchaus einer gewissen Verzweiflung nahe. Nach Jahren der Zuarbeit in den Green Deal auf wissenschaftlicher Ebene zum Beispiel durch die Konvention für biologische Vielfalt in Montreal (CBD) 2022 soll jetzt alles für die Katz gewesen sein? Es steht in keinem Verhältnis, wenn jetzt an allen Ecken und Enden mit viel Mühe über einen lang

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02.04.2024

Wann kommen die dringend notwendigen Agrarstrukturgesetze?

Die Regulierung des Bodenmarkts ist ein schwieriges Geschäft, die Lobby dagegen ist stark. Investoren kaufen weiterhin Landwirtschaftsbetriebe und Agrarflächen auf, die Bodenpreise steigen unaufhörlich. Um diesen Entwicklungen Einhalt zu gebieten, bräuchte es Agrarstrukturgesetze. Die Regierungen Brandenburgs, Thüringens und Sachsens haben daher auch Gesetzesentwürfe erarbeitet, das Zeitfenster für eine Verabschiedung umfasst aber in den drei Bundesländern nur noch drei Monate. Dann enden die jeweiligen Legislaturperioden. Wie ist also der Stand? Wird es Agrarstrukturgesetze geben? Bodenmarktregulierung benötigt Agrarstrukturgesetze werden so dring

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02.04.2024

„Mit Milchvermarktung beschäftigen wie mit der Ausstattung des neuen Treckers“

Interview mit Friedhelm Markert, dem Geschäftsführer der Nord-MEG, zu den Möglichkeiten der gemeinsamen Milchvermarktung

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27.03.2024

Kommentar: Veränderungs- und Bündelungswille gefragt!

Der bäuerliche Blick auf den aktuellen Milchmarkt und dessen Entwicklung ist ein zwiespältiger. Zum einen zeigt jede Milchabrechnung, die einige Tage nach dem jeweiligen Monatsletzten ins Haus flattert und sich nochmal später auf dem Kontoauszug wiederfindet, dass es Luft nach oben gäbe, wenn es darum geht, was den generell steigenden Produktionskosten mehr gerecht werden könnte, um einen wirtschaftlich gerechteren Erlös erzielen zu können. Zum anderen tönen von vielen Seiten (Politik, Interessenverbände, Marktbeobachter) unterschiedliche Ansätze, Einkommen der Milchbäuerinnen und -bauern zu stabilisieren und den Wert der Arbeit ins passendere Verhältn

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04.03.2024

Kommentar: Nach vorne statt Rückschritte

Als DBV-Präsident Rukwied Mitte Dezember über die Kürzungen beim Agrardiesel sagte, „wir kämpfen, bis zum Ende“, stellte sich die Frage, ob solch eine Kriegsrhetorik angesichts einer Steuerrückerstattung nicht etwas überzogen ist. Ja, die Streichungen waren ein politischer Fehler, die Proteste waren gerechtfertigt, liefen meistens gut und der gesellschaftliche Rückhalt war groß. Agrarpolitik und die Sorgen der Bäuerinnen und Bauern über mangelnde Planungssicherheit, nicht kostendeckende Preise bei zunehmenden Anforderungen und steigender Bürokratie wurden medial so viel diskutiert wie schon lange nicht mehr. Das ist gut. Gleichzeitig sind die bisher er

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02.02.2024

Der Biomarkt 2023 – ein Rückblick

Zwischen bescheidenem Wachstum am Markt und betulicher Bio-Strategie der Politik

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01.02.2024

„Mit Wut lässt sich kein politisches Programm gestalten“

Interview: Protestforscher Professor Felix Anderl aus Marburg zu den Bauerndemos

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31.01.2024

Kommentar: Agrarpolitik ist plötzlich wieder ein Thema

Damit hat die Politik vermutlich nicht gerechnet. Die über Nacht beschlossenen Sparmaßnahmen im Agrarbereich sollten durch den Wegfall der Dieselbeihilfe und die Streichung des Kraftfahrtsteuerprivilegs knapp eine Milliarde Euro im Haushalt des Bundes einsparen. Beide Maßnahmen zusammen hätten die allermeisten Betriebe hart getroffen, ohne dass sie etwas hätten kompensieren können. Das war dann doch zu viel für die Betriebe, und ein nie da gewesener Bauernprotest war die Folge. Aber wenn wir ehrlich sind, geht es den Bäuerinnen und Bauern nicht nur um den Wegfall der Agrardieselvergünstigung – die Aufhebung der Kfz-Steuerbefreiung war zwischendurch

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11.01.2024

Wer Neue Gentechniken sät, wird Patente ernten

Ursprünglich führten Konzerne wie Bayer und Monsanto die Patentierung ein, um ihr mit Gentechnik erzeugtes Saatgut zu einem lukrativen Geschäftsmodell zu machen. Inzwischen werden auch die Pflanzen aus neuer Gentechnik (NGT) regelmäßig zum Patent angemeldet. Große internationale Konzerne wie Corteva (ehemals DowDuPont) und Bayer sind hier führend. Mittelständische europäische Züchter, die mit neuer Gentechnik arbeiten wollen, müssen oft Verträge mit den großen Konzernen unterschreiben und geraten so in neue Abhängigkeiten. Corteva und Bayer (zusammen mit Monsanto) haben die höchste Anzahl an Patenten, die für Firmen in diesem Zusammenhang erteilt wurde

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10.01.2024

Breites Bündnis junger Menschen auf dem Land

Im März sind es zwei Jahre, seitdem ein bundesweites Bündnis landwirtschaftlicher Jugendorganisationen in einer gemeinsamen Stellungnahme forderte, bundesweit eine sogenannte Niederlassungsprämie für Junglandwirt:innen einzuführen. Bisher können Gründende in der Landwirtschaft vor allem über die erste Säule der GAP für maximal fünf Jahre 134 Euro pro Hektar (bis 120 ha) erhalten. Dies setzt jedoch voraus, dass die jungen Landwirt:innen schon Fläche zur Verfügung haben. Das ist vor allem bei außerfamiliärer Hofnachfolge oft ein Problem. Immerhin sind es inzwischen sechs Bundesländer, in denen Junglandwirt:innen eine konzeptbasierte, flächenungebundene P

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20.12.2023

Kommentar: Junglandwirt:innen flächendeckend und gerecht fördern!

Es ist schon fast eine paradoxe Situation: Einerseits fehlen vielen Höfen (noch) die Nachfolger:innen und andererseits sind die Ausbildungszahlen in den grünen Berufen sehr hoch. Man sollte also meinen, genug Höfe zum Übernehmen gibt es und auch genug junge Leute, die übernehmen wollen – trotzdem beschleunigt sich das Höfesterben. Wie kann das sein? Ich bekomme es in meinem Umfeld mit: Es gibt viele, die – ob einzeln, als Paar oder als Gruppe – einen Hof übernehmen wollen, aber vor sehr große Herausforderungen gestellt sind. Neben solchen, die zu jeder Hofübergabe dazugehören, kommen zusätzlich große finanzielle Hürden. Zum einen ist viel Geld nötig,

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20.12.2023

„Maßstäbe unverhältnismäßig und nicht zielführend“

AbL-Bundesvorsitzende Elisabeth Fresen über die Niederungen des bürokratischen Alltags.   Unabhängige Bauernstimme: Du hast immer wieder davon berichtet, dass du mit so viel Bürokratie konfrontiert bist. Ist denn dein Betrieb so kompliziert? Elisabeth Fresen: Wir halten etwa 100 Mutterkühe in ganzjähriger Außenhaltung, bewirtschaften 140 ha Grünland und 15 ha Acker und haben eine Direktvermarktung mit Selbstbedienungshofladen und Vertrieb an Gastronomie. Der Betrieb ist Bioland-zertifiziert und viele unserer Flächen stehen unter Naturschutz oder wir nehmen an Agrarumweltmaßnahmen teil. Ich würde nicht sagen, dass unser Hof kompliziert ist

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20.12.2023

Die Milch macht's nicht alleine

Es wird immer komplexer auf dem Milchmarkt und das, so die Einschätzung von Elisabeth Waizenegger, Milchbäuerin aus dem Allgäu, mache es für viele Kollegen und Kolleginnen immer schwieriger noch durchzusteigen. „Es gibt eine große Verunsicherung auf vielen Betrieben.“ Zwar ist zumindest die Preissituation in Süddeutschland – wie fast immer, nur in der letztjährigen Hochpreisphase stand der Norden mal besser da – mit im Durchschnitt sieben Cent höheren Auszahlungspreisen gegenüber den norddeutschen Molkereien einigermaßen stabil. Sinkende Betriebskosten tragen dazu auch bei, zu dem sagt Waizenegger, die Signale aus ihrer Molkerei seien momentan verhalte

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Claudia Schievelbein

Redakteurin der Unabhängigen Bauernstimme

Bahnhofstraße 31
59065 Hamm

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Christine Etienne

Redakteurin der Unabhängigen Bauernstimme

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