Ohne finanzielle Unterstützung keine Existenzgründung in der Landwirtschaft

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. sowie die Jugendorganisation junge AbL (jAbL) haben mit der Veröffentlichung einer Stellungnahme ihre Forderung nach „Einführung und Ausgestaltung einer Existenzgründungsprämie in Niedersachsen“ unterstrichen. In dem Papier plädieren die Organisationen für eine Förderprämie von 100.000 € pro Betrieb, die nach einem Punktesystem vergeben werden soll. Den Anlass der Veröffentlichung bildet eine Veranstaltung der Landtagsfraktion der Grünen mit dem Titel „Nachfolge und Existenzgründungen in der Landwirtschaft – alles (k)ein Problem?“, auf der auch Vertreter:innen der zwei Organisationen referieren.

Karen Stubbemann, Vorstandsmitglied der AbL Niedersachsen/Bremen, erklärt: "Junge Landwirt:innen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen und innovative Konzepte in der Landwirtschaft umzusetzen, sind unabdinglich für die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft in Niedersachsen. Doch die Hürden für eine Existenzgründung in der Landwirtschaft sind extrem hoch. Insbesondere der hohe Kapitalbedarf und der schwierige Zugang zu Land hindern junge Menschen beim Aufbau einer Selbstständigkeit in diesem Bereich.“

Daher unterstützen AbL und junge AbL die im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung enthaltene Vereinbarung zur Einführung eines Existenzgründungsprogramms in der Landwirtschaft mit Beratung und finanzieller Förderung. Mit Ihrer Stellungnahme legt die AbL einen konkreten Ausgestaltungsvorschlag für die Umsetzung einer Existenzgründungsprämie in Niedersachsen vor. Grundvoraussetzung und Fördergegenstand für diese soll demnach die Vorlage eines über mehrere Jahre tragfähigen Betriebskonzeptes sein. Der Viehbesatz darf 2GV/ha nicht überschreiten. Auch ein selbstbestimmtes betriebliches Projekt zum Umwelt-, Klima-, oder Tierschutz oder zu sozialer Gerechtigkeit müsse Teil der Fördervoraussetzungen sein. Nur so könne die Innovationskraft und gesellschaftliche Akzeptanz der Förderung sichergestellt werden, so die AbL. Für die Bewertung der Anträge empfiehlt die AbL das Einsetzen eines Gutachterausschusses, in dem auch die landwirtschaftlichen Jugendverbände eingebunden werden müssen.

Charlotte Niekamp, jAbL, hat vor zweieinhalb Jahren eine Gärtnerei bei Verden (Aller) gegründet und ergänzt: „Wenn man nicht selber vom Hof kommt und weder Land noch Maschinen geerbt hat, muss man aktuell sehr kämpfen und sehr viele Abstriche machen, um sich in der Landwirtschaft selbstständig zu machen. Wir haben es in Niedersachsen mit sehr hohen Preisen für landwirtschaftliche Fläche zu tun, und die Schaffung eines Arbeitsplatzes in der Landwirtschaft wird mit 700.000 bis 800.000 Euro veranschlagt. Wer hat das schon? Auf der anderen Seite haben die meisten Betriebe keine gesicherte Nachfolge. Um bäuerliche Landwirtschaft zu sichern, brauchen wir finanzielle Unterstützung, sonst ist eine Gründung in der Landwirtschaft quasi unmöglich.“

Neben einer Existenzgründungsprämie muss das Land aus Sicht der AbL in innovative Projekte sowie Beratungsstrukturen investieren, die Junglandwirt:innen bei der Hofgründung und -übernahme unterstützen. Zusätzlich zur Existenzgründungsprämie muss dringend auch ein wirksames Agrarstrukturgesetz den Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen für Landwirt:innen absichern.

AbL und jAbL fordern eine Existenzgründungsprämie.