Eingeschränkter Zugang zu Boden, schwieriger Zugang zu Kapital… – Die Liste der Hürden für junge Menschen, die einen landwirtschaftlichen Hof übernehmen oder einen neuen Betrieb gründen wollen, wird nicht kürzer. Der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) fordert die künftige Bundesregierung auf, die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen zeitnah und gezielt zu verbessern. Nur mit verlässlichen Perspektiven für Junglandwirt:innen und Jungwinzer:innen könne die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume gesichert werden.
Aktuell sieht die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union vor, dass die Mitgliedsstaaten mindestens drei Prozent ihrer Direktzahlungen für die Junglandwirteförderung bereitstellen. In Deutschland erhalten Junglandwirte 134 Euro pro Hektar für maximal 120 Hektar. Für die BDL-Bundesvorsitzende Theresa Schmidt und die Junglandwirt:innen und -winzer:innen im BDL reicht diese Unterstützung angesichts der hohen ökonomischen Hürden bei weitem nicht aus.
Steigender Kapitaleinsatz für Betriebsübernahmen
„Um als junger Mensch in der Landwirtschaft unternehmerisch Fuß zu fassen, braucht es solide Unterstützung“, sagt die BDL-Bundesvorsitzende. Bei der Einkommenssicherung und auch der Umsetzung relevanter Umweltschutz- und Tierschutzleistungen ist die GAP eine wichtige Stütze. Denn die gesellschaftlichen Forderungen nach mehr Umwelt-, Tier- und Klimaschutz erfordern entsprechende finanzielle Mittel, damit die passenden Maßnahmen (auch betriebswirtschaftlich) nachhaltig umgesetzt werden können.
„Die GAP mit ihren zwei Säulen ist für uns Junglandwirt:innen und Jungwinzer:innen aktuell unabdingbar“, so Schmidt. Daher fordert der BDL die zukünftige Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene für den Erhalt des Finanzvolumens der GAP stark zu machen, sich auf die Unterstützung der aktiven Landwirtschaft zu konzentrieren und die Junglandwirteförderung auf sechs Prozent der Direktzahlungen zu verdoppeln.
Diese Ausweitung würde die Unterstützung für Junglandwirt:innen attraktiver gestalten. Angesichts des bekannten Nachfolgeproblems in der Landwirtschaft ist dieser Schritt aus Sicht des BDL zwingend erforderlich. Gleichzeitig verdeutlicht der gestiegene Kapitaleinsatz die Notwendigkeit zusätzlicher Unterstützung. Zwischen 2021 und 2023 hat sich der durchschnittliche Kapitaleinsatz pro Arbeitskraft von 683.000 Euro auf 816.000 Euro erhöht – ein Zuwachs von knapp 20 Prozent. Allein für ihren eigenen Arbeitsplatz müssen junge Menschen, die in die Landwirtschaft einsteigen wollen, mehr Geld als Eigenkapital einbringen als je zuvor. „Das Geld fehlt ihnen für die Hofübernahme und notwendige Investitionen, etwa für mehr Tierwohl“, betont die Bundesvorsitzende.
Zugang zu Existenzgründungsprämie erleichtern
Nicht nur EU-weit, sondern auch national müssen Anpassungen vorgenommen werden, damit der Einstieg in die Landwirtschaft attraktiver wird. Konkret für die Junglandwirteförderung fordert der BDL, die Zugangsvoraussetzungen für die Existenzgründungsprämie zu senken und diese bundesweit zu vereinheitlichen. Um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein und dem agrarischen Nachwuchs Perspektiven in der Landwirtschaft zu bieten, muss eher heute als morgen über eine Neugestaltung der Förderlandschaft diskutiert werden. Schließlich soll der Mehrjährige Finanzrahmen der EU bereits in vier Monaten beschlossen werden.
Der BDL hat vor der Bundestagswahl 2025 seine Forderungen fürs Land zusammengetragen, um Lösungsansätze zu diskutieren, die die Zukunftsaussichten junger Menschen im ländlichen Raum sichern.
