Die Milchpreise befinden sich im freien Fall. Die nationale Liefermenge ist angezogen und auch weltweit steigt die Milchmenge. Auf Molkereiversammlungen wird schon prognostiziert, dass der Milchpreis auf unter 40 Cent/kg abrutschen soll. Die durchschnittlichen Produktionskosten liegen bei rund 53 Cent, wie das MEG Milch Board jüngst hat veröffentlichen lassen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt, dass aufgrund dieser dramatischen Marktentwicklung Andreas Steidele, der Vorstandsvorsitzende der Allgäu Käse Milch e.G., in einem offenen Brief im Allgäuer Bauernblatt Bundeslandwirtschaftsminister Rainer auffordert, politische Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Stellung von Erzeuger:innen in der Wertschöpfungskette jetzt anzuwenden, und nennt dabei den Art. 148 sowie die Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie) .
In dem offenen Brief der Allgäu Käse Milch e.G. heißt es: „Derzeit sehen wir uns mit einer Marktsituation konfrontiert, die viele unserer Betriebe ernsthaft beunruhigt. Die Verhandlungsmacht des Lebensmitteleinzelhandels ist in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, dass sie die Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette maßgeblich bestimmt. In den aktuellen Gesprächen mit den Handelsketten erleben wir massiven Druck auf die Einkaufspreise. Der Einzelhandel nutzt die aktuell hohe Milchmenge gezielt aus, um Konditionen zu diktieren, die den Landwirten keine faire Entlohnung ermöglichen….Große Handelsketten setzen ihre Marktmacht ein, um Preise massiv zu drücken und gleichzeitig immer kurzfristiger über Mengen und Konditionen zu entscheiden. Verträge werden einseitig angepasst, Lieferbedingungen kurzfristig geändert und immer häufiger werden Marketing- und Aktionskosten an die Lieferanten weitergereicht.“
Waizenegger: Rainer muss Blockadehaltung aufgeben
Elisabeth Waizenegger, AbL-Vorstandsmitglied und Lieferantin der Allgäu Käse Milch e.G., begrüßt den offenen Brief: „Bisher waren vor allem Stimmen aus großen und exportorientierten genossenschaftlichen Molkereien zu hören, die marktpolitische Rahmenbedingungen für uns Bäuerinnen und Bauern ablehnen. Umso wichtiger, dass nun der Vorstandsvorsitzende der genossenschaftlichen Molkerei Allgäu Käse Milch fordert, die bestehenden marktpolitischen Möglichkeiten auf nationaler Ebene jetzt zu nutzen. Wie weit der Preis abstürzen wird, hängt entscheidend von der Liefermenge ab. Auch Arla Foods benennt diesen Sachverhalt in ihren Mitgliedermitteilungen, nur lassen sie ihre Lieferant:innen mit der Verantwortung allein.“ Gäbe es Verträge mit Laufzeiten, Preisen, Qualität und Mengen, dann könnten Mengen festgelegt und preissenkende Überschüsse jetzt besser vermieden werden. Erzeugerorganisationen berichteten, dass sie auf 1 % genau Menge liefern können und Über- und Untermengen auf den Höfen innerhalb ihrer Organisation saldieren. „Hätten wir ein Kaufverbot unter Produktionskosten wie in Spanien, dann könnten wir der Wertevernichtung auf unseren Höfen etwas entgegensetzen. Auf EU-Ebene verhandelt die Politik die Einführung einer EU-weiten Vertragspflicht“, erklärt Waizenegger und fordert Bundesminister Rainer auf, seine Blockadehaltung aufzugeben und sich für die Vertragspflicht einsetzen. Und mit Blick auf die UTP-Richtlinie erklärt sie: „Im nächsten Jahr soll die Richtlinie für Unlautere Handelspraktiken überarbeitet werden. Damit diese für uns Bäuerinnen und Bauern nicht weiter ins Leere läuft, braucht es ein wirksames Kaufverbot unter Produktionskosten. Nur so können wir verhindern, weiter viele Milchviehbetriebe zu verlieren. Eine wirtschaftlich stabile Situation auf unseren Höfen ist auch die Voraussetzung, um Klimaschutz und Tierwohl in der Landwirtschaft weiterzuentwickeln.“
