EMB an Hansen: Freiwilligen Lieferverzicht jetzt aktivieren!

In einem Offenen Brief (nachfolgend) an EU-Agrarkommissar Christophe Hansen fordert das European Milk Board (EMB), dem aus Deutschland die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) angehören, jetzt das freiwillige Mengenkürzungsprogramm auf EU-Ebene zu aktivieren.

Sehr geehrter Herr Hansen,
Europa steht am Rande einer weiteren potenziell verheerenden Krise im Milchsektor. In vielen Mitgliedstaaten erleben Milchproduzenten derzeit einen starken und sich beschleunigenden Preisverfall. Zahlreiche Betriebe – insbesondere familiengeführte – sehen sich nun unmittelbar existenziellen Bedrohungen ausgesetzt.
Diese Situation ist nicht unerwartet. Die EU-Institutionen sind seit langem darüber informiert, dass der Milchmarkt hochgradig volatil ist und europäische Milchbetriebe bereits am Rande der wirtschaftlichen Tragfähigkeit arbeiten. Ein weiterer Preiszusammenbruch würde eine bereits stark belastete Produzentenbasis gefährden.
Das freiwillige Mengenkürzungsprogramm wurde genau für eine solche Situation geschaffen.
Es ist ein markstabilisierendes Kriseninstrument, das entwickelt wurde, um den Marktdruck frühzeitig zu verringern und Preisabstürze zu stoppen, bevor sie unkontrollierbar werden. Dieses Instrument existiert, weil die EU erkannte, dass ein Mechanismus zur Verhinderung schwerer Marktkrisen notwendig ist. Jetzt ist der Zeitpunkt, es endlich zu aktivieren.
Unser Aufruf an die EU: Aktivieren Sie das freiwillige Mengenkürzungsprogramm auf EU-Ebene jetzt.

Die Aktivierung dieser Maßnahme ist:
✔ notwendig, da die Preise bereits fallen und ohne Intervention weiterhin stark sinken werden.
✔ wirtschaftlich sinnvoll, weil die Kosten eines umfassenden Marktkollapses die Kosten einer frühzeitigen Stabilisierung weit übersteigen.
✔ politisch verantwortlich, da der Erhalt einer weit verbreiteten Milchproduktion ein strategisches Interesse der EU ist.
✔ entscheidend für die Stabilität ländlicher Räume, ohne stabile Milchbetriebe bricht die ländliche Infrastruktur zusammen, Höfe schließen und junge Menschen verlieren jegliche Perspektive.

Europa kann sich keinen weiteren Zusammenbruch seiner Milchbauernbasis leisten. Die EU hat wiederholt anerkannt, wie kritisch die Situation in der Landwirtschaft bereits ist. Wenn Entscheidungsträger jetzt nicht handeln, tragen sie die Verantwortung für eine unmittelbar drohende Krise und deren weitreichende Folgen:
- Verlust von Tausenden von Betrieben,
- Verhinderung des Produktionseinstiegs für junge Menschen,
- Unumkehrbare Schäden in ländlichen Regionen,
- Soziale und wirtschaftliche Instabilität in ganz Europa.

Wir fordern Sie dringend auf:
- Stoppen Sie den laufenden Milchpreisverfall.
- Aktivieren Sie ohne Verzögerung die Krisenmaßnahme „freiwilliges Mengenkürzungsprogramm“.
- Übernehmen Sie Verantwortung für die Zukunft der europäischen Milchproduktion.
- Schützen Sie die ländlichen Regionen, bevor es zu spät ist.
Der freiwillige Lieferverzicht ist ein bestehendes, bewährtes und wirksames Instrument. Es jetzt nicht zu nutzen, wäre ein schwerer politischer Fehler.