Schweinemarkt unter Druck: Preise schlecht, Zukunft ungewiss, trügerische Export-Hoffnung

Marktbeobachtungen von Hugo Gödde +++ Schweinehalter kennen das Auf und Ab des Marktes seit Generationen. Früher hieß es Schweinezyklus und wird seit 100 Jahren als Volkswirtschaftsbegriff an den Universitäten gelehrt. Auch wenn manche Ökonomen in Zeiten der Globalisierung das Phänomen begraben wollen, wirkt es auf den Höfen fort. Deshalb sind die Landwirte auch nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Irgendwann wird es wohl wieder besser werden, hofft man. Aber wie immer erst, wenn etliche Berufskollegen aufgehört haben. In den letzten 10 Jahren hat etwa die Hälfte die Schweineställe geschlossen – und Berater, Ökonomen prophezeien diesen „Strukturwandel“ besonders für Ferkelerzeuger auch bis 2035. 

Preise unten, Absatz mau, Hoffnung mal wieder auf Export

Aktuell bewegt sich der Markt mal wieder auf Talfahrt. Obwohl kaum mehr Schweine als im Vorjahr auf dem Markt sind, bewegt sich der Schweinepreis jetzt mit 1,50 €/kg (2025: 2,10 €/kg) weit unter Kostendeckung und musste sogar erneut gegen den Druck der Schlachthöfe beugen, die weiter senken wollen. Der Ferkelpreis ist auf 48 €/Ferkel (Vorjahr: 74 €) gefallen. Dabei ist der Frühsommer eigentlich eine gute Zeit für Schweineverkäufe. Aber der Absatz ist schwach, auch das Wetter und die Grillzeit spielen nicht mit. Ein wesentlicher Belastungsfaktor, schreibt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), bleibt der Konkurrenzdruck innerhalb der EU als auch auf dem Weltmarkt. Aus Not bleibt dennoch die Hoffnung auf den Export und die Offensive des Ministers, der für ein Regionalisierungsabkommen nach China fährt und schon mal vorab branchenweit gefeiert wird – wenn es denn wirklich zündet. Tatsächlich sind die Ausfuhren im ersten Quartal leicht gestiegen, noch ohne ministerielle Unterstützung. Weiterhin dominiert mit 82% der Export in EU-Länder, steht im heftigen Preiskampf mit Spanien, Dänemark und ist eher rückläufig. Der Drittlandabsatz wächst leicht, besonders Richtung England. Nur zur Größenordnung: nach Italien geht ebenso viel deutsches Schweinefleisch wie in alle Außer-EU-Länder zusammen.

Chinas rapider Einbruch auf dem Schweinemarkt

Dann bleibt noch das Sehnsuchtsland China – wenn schon schweinepestbedingt nicht für Deutschland, dann doch für andere EU-Länder (Spanien, Dänemark), die damit den EU-Markt entlasten könnten. Tatsächlich liegt der Schweinemarkt im Reich der Mitte danieder, der Preis ist historisch verfallen, so dass sogar große Unternehmen, die in den letzten Jahren hochsubventioniert wurden, vor der Pleite stehen. Nach dem Produktionszusammenbruch 2019/20 auf Grund massiver Schweinepestverluste hatte Peking riesige Neubauten gefördert. Heute „empfiehlt“ man eine Senkung der Sauenzahl. Dabei gilt Schweinefleisch als wichtiger Indikator für die Inflation und die wirtschaftliche (Krisen-)Lage und wird staatlich gestützt. Immerhin erzeugt China die Hälfte der Schweine weltweit und kämpft mit einem Überangebot (4,2% Wachstum im ersten Quartal) und einem starken Nachfragerückgang. Der Import ist im ersten Quartal um 21% eingebrochen. Das merken auch die EU-Exportländer, voran Spanien. Trotz eines Spezialabkommens verlor man 39%, Dänemark und die Niederlande gar 50% des Umfangs. Deshalb ist der China-Absatz – wenn überhaupt - nur mit kräftigem Preisdumping erfolgreich zu erzielen. Davon den „Game Changer“ zu erhoffen, verweist eher auf die Not der Branche.

Dänemarks neue Regierung „droht“ mit Tierschutz

Auch Danish Crown, dänischer Quasimonopolist mit gewaltigem Exportbedarf, spricht von einem Wettbewerb auf dem globalen Lebensmittelmarkt „so hart wie nie zuvor“, weshalb man den Erzeugerpreis deutlich abgesenkt hat. Zwar konnte man die Wettbewerbsfähigkeit zuletzt erhalten, aber nur auf Kosten der Landwirte und eines umfangreichen Personalabbaus. Im letzten Jahr war man mit Preisanhebungen den Schweinehaltern entgegengekommen, um die kostenträchtige Kapazitätsauslastung der Schlachthöfe zu gewährleisten. Nun bewegt sich der Erzeugerpreis wieder 20 ct/kg unter der deutschen Notierung. 

Zudem will die neue Mitte-Links Regierung in Kopenhagen nach dem „Schweinewahlkampf“ den Tierschutz bei Sauen drastisch verschärfen und den Ferkelexport reduzieren. Davon wären auch die deutschen Mäster stark betroffen. Immerhin kommen ca. 20% der Ferkel aus dem Nachbarland. Die dortigen Branchenverbände haben schon Proteste angekündigt. Als staatliche Maßnahmen stehen u.a. das Verbot des Schwänzekupierens bis 2030, die Erhöhung der Mindestsäugezeit, das Verbot der Fixierung von Sauen und die deutliche Verringerung des Antibiotikaeinsatzes auf der Agenda. Ob das politisch durchsetzbar ist oder eher ein Wunschkatalog bleibt? (Näheres in der nächsten Ausgabe des Bauernstimme Nachrichtenbriefs)

Schlachthofstruktur zwischen Hochkonzentration und regionalem Rückzug

In Deutschland werden neben dem Preisverfall, der Planungsungewissheit für die Erzeuger und der politischen Abstinenz des Ministeriums bei Förderung und Kennzeichnung zuletzt die Umstrukturierungen der Schlachthöfe heftig diskutiert. Besonders in Süddeutschland steht die gesamte Struktur durch den Rückzug des regionalführenden (holländischen) Schlachtkonzerns Vion im Umbruch. Nach Ablehnung der Tönnies-Übernahme durch das Kartellamt sind nun für die wichtigen drei Schlachthöfe Craisheim, Waldkraiburg und Buchloe Übernehmer gefunden, vorbehaltlich der Genehmigung durch das Kartellamt. Ein deutsches Unternehmen (Boeser erhält Craisheim), ein amerikanisches (OSI kauft den Rinderschlachthof Waldkraiburg) und ein irisches (ABP für Buchloe) teilen sich den Markt auf. Dazu kommen noch die Schlachtbetriebe in Landshut und Vilshofen, die mehrheitlich an das österreichische Unternehmen Marcher gehen. Die bisherige Betreiberin EG Südbayern, die die Betriebe vor knapp zwei Jahren von der Vion übernommen hatte, mussten nach verlustreicher Zeit wieder die Schlachthofführung weitergeben. Branchenweit lösten die Verkäufe Erleichterung aus, da man nun die Standorte gesichert sieht. Kritiker sind skeptisch, da Schlachthöfe unter erheblichen Kostendruck stehen. Besonders auch in Ostdeutschland beschleunigt sich das Schlachthofsterben. Regional finden die Erzeuger kaum noch Vermarktungsalternativen.

Zugleich konzentriert sich die Branche weiter. Laut Ranking der ISN dominieren mit Tönnies (30%) und Westfleisch (17%) zwei westfälische Konzerne den Markt. Die top 10 Betriebe vereinen 77% der Schlachtungen auf sich – mit steigender Tendenz.

Der Marktbeobachter sieht eine wachsende Unruhe und Unsicherheit auf den Schweinebetrieben. Der für die Jahreszeit erstaunlich schlechte Preis, der verstärkte Wettbewerbsdruck aus dem EU-Ausland und die politische Ignoranz bzw. Hilf- und Perspektivlosigkeit der Regierung vermischen sich zu einer unheilvollen Gemengelage, aus der dringend ein Ausweg gefunden werden muss. Das gilt insbesondere für die Sauenhalter, die durch gesetzliche Vorgaben (NutztierVerordnung) vor weitreichenden und teuren Entscheidungen stehen. Dass an einem Umbau der Tierhaltung – so mühsam er auch ist - kein Weg vorbeigeht, ist noch nicht in allen berufsverbandlichen Kreisen angekommen. Dort hoffen manche „Experten“ immer noch auf ein kurzfristiges „weiter so“ mit Kostenführerschaft und Exportsiegen. Die Zukunft liegt in der Qualitätsführerschaft - und die Zukunft gewinnt immer.