Blick auf die Märkte im Sommer 2026

Marktbeobachtungen von Hugo Gödde +++ Im Sommer liegt die Konzentration auf der Ernte, den (heißen) Wetterfolgen, der funktionierenden Technik und den Arbeitszeiten. Der Markt tritt vorübergehend in den Hintergrund. Deshalb hält sich der Protest über die schlechten Preise und Einkommensbedingungen zurzeit in Grenzen – wie auch der Bauerntag in Freiburg gezeigt hat. Aber der Herbst wird kommen und anderes auf die Tagesordnung setzen. Nach allen Wettervorhersagen wird der Sommer heiß. Ob auch der Herbst heiß wird, hängt von der Organisationsbereitschaft und -fähigkeit der Bäuerinnen und Bauern ab. Und von politischen Herbststürmen und dem Vertrauen auf die Regierung.

Milchpreis weit unter Produktionskosten – wenig Hoffnung auf Besserung

Der Milchpreis ist weiterhin unterirdisch. Bei mindestens 0,50 €/kg Produktionskosten erzielt der Erzeuger nicht einmal 0,40 €/kg seit Jahresanfang. Der Durchschnittspreis Mai lag bei 38,5 ct/kg. Auch der Rohstoffwert aus Butter und Milchpulver als Indikator zeigt bis Jahresende keine Veränderung. Auf den Spotmärkten liegt der Preis aktuell sogar bei 27 ct/kg. Hintergrund ist nach wie vor die erhöhte Milchanlieferung um ca. 6% seit letztem Herbst. Die erhoffte Besserung durch den Weltmarkt bleibt bisher aus. Auch in anderen Ländern wird zu viel erzeugt. Und Chinas Importe, die in den letzten Jahren oft den Weltabsatz ankurbelten, fallen weitgehend aus. Von der Politik in Berlin und Brüssel ist keine Unterstützung zu erwarten, z.B. durch freiwilligen, geförderten Lieferverzicht. Es bleibt dabei, die Milchbäuerinnen und -bauern müssen sich selbst helfen. Das deutet eher auf einen verschärften Strukturwandel hin. Guter Rat ist teuer.

Biomilch bleibt auf Rekordniveau   

Ganz anders sieht es bei der Biomilch aus. Mit 64 ct/kg wird stabil ein erfreulicher Preis ausgezahlt, der sich vom Preissturz des konventionellen Marktes abgekoppelt hat. Der Abstand beträgt inzwischen historisch hohe 25 ct/kg. Zwar erhöhte sich auch hier die Anlieferung bis April um ca. 7%, aber bisher konnte der Markt die Menge aufnehmen. Trotzdem melden verschiedene Medien zum Erstaunen auch der Bioverbände, dass Erzeuger im Süden in größerer Zahl aufgeben. Zu beachten ist der Druck durch den hohen Importanteil von Biomilch (24% in 2025), weil der Absatz bei EU-Nachbarn stagniert. Für einige Bauern könnte die Umstellung dennoch Chancen bieten, wenn sie von Molkereien aufgenommen werden. Viele Molkereien haben schon „closed shop“. Deren Strategie lautet: Feste Preise für Vertragsbetriebe gehen vor Aufnahme neuer Biomelker.

Schweinehalter zahlen drauf

Die Schweinehalter haben ein Halbjahr mit roten Zahlen hinter sich und nach Expertenmeinung bleibt das bis Jahresende. Besonders die Ferkelerzeuger zahlen mit 40 €/ Ferkel die Zeche – aktuell ist der Preis fast die Hälfte unter Vorjahr. Das wird den Strukturwandel weiter anheizen. Schon in den letzten 10 Jahren gab es einen Aderlass von 40% Betriebsaufgaben. Zurzeit stagniert die Schweinezahl, aber bei den Sauenhaltern deutet sich der nächste Absturz an. Nach Umfragen aus den beiden „Schweineländern“ Niedersachsen und NRW wollen ca. 20% die notwendigen Umbauschritte zur Erfüllung der Auflagen für das Deckzentrum nicht umsetzen. Das würde das Aus 2029 bedeuten.

Auffallend ist, dass die Verbraucherpreise für Schweinefleisch auf einem hohen Niveau liegen, während die Erzeugerpreise nachgeben. In der Folge vergrößert sich die Differenz zwischen beiden Preisstufen. „Manche in der Lieferkette“ verdienen am Schweinefleisch weiterhin gut – die Schweinehalter sind es nicht.

Am Markt dreht sich alles um die Einfuhren billigen Schweinefleisches aus der EU, die als Ursache des Preisverfalls gelten. Wahrscheinlich wird sich aber in den drei großen Exportländern demnächst einiges bewegen. Spanien reduziert angesichts der Probleme um die Schweinepest und die Exporteinbrüche nach China (minus 20% im ersten Quartal) erstmals seit Jahren seine Ferkelimporte um 28%. Niederlande hat bereits die Schweinezahl um 6% verringert. Nur Dänemark erweitert die Produktion – auf Kosten der Landwirte, will aber laut der neuen Regierung seine hohe Überproduktion an Ferkeln drastisch zurückfahren.

Auch Preise für Bioschweine sinken

Jahrelang gab es für Bioschweine nur eine Preisrichtung – nach oben. Seit März brach der Preis überraschend um fast 10% ein. Auslöser waren Abschläge von Einzelhändlern (Edeka u.a.), aber auch der fehlende Absatz für hochpreisige Teilstücke (Schnitzel, Filets). Ein Ergebnis ist, dass Verbandsware auf das Niveau von EU-Bio sinkt. Supermärkte sehen das als Folge des Einstiegs der Bioverbände bei den Discountern. Wenn Rewe und Edeka nicht mehr mit (besserer) Verbandsware punkten können, warum sollen sie einen Verbandsbonus zahlen, heißt es in Chefetagen. Ob es sich um eine vorübergehende Delle oder eine Dauerflaute handelt, darüber gehen die Meinungen auseinander. AMI spricht von „irgendwie“ weiterhin guter Nachfrage. Einige Marktkenner erwarten schon zum Jahresende eine Entlastung, andere vermuten eher einen zusätzlichen Produktionsschub durch die staatliche Bauförderung, der aber erst einmal einen Abnehmer finden muss. Vertraglich abgesicherte Mengen sind noch stabil, Zusatzmengen floaten gerade den Markt und drücken auf die Preise. So viel Bewegung war lange nicht.

Rinderpreise rückläufig   

Nach einem Jahr mit rekordhohen Rinderpreisen hat sich der Markt seit Ostern saisonüblich „abgekühlt“. Nach wie vor ist das Angebot an Schlachttieren leicht (auch EU-weit!) unter Vorjahr, der Erzeugerpreis mit über 6 €/kg bei Bullen und Färsen recht passabel – das gilt auch für Kühe. Selbst Mutterkuhhalter haben erstmals seit Jahren Geld verdient. Die Verbraucherpreise sind noch kaum reduziert und haben noch Luft nach unten. Alles in allem war das Jahr 2025/2026 für Rinderhalter außergewöhnlich erfolgreich, auch für Einzelhändler, weniger für die Vermarkter (Schlachthöfe usw.), die als „sandwich“ zwischen den Stühlen (LEH- Druck und hohe Erzeugerpreise) saßen.

Bio- Rindfleisch im Schlepptau des konventionellen Niveaus

Selten war der Bio-Rinderpreis so abhängig vom konventionellen Markt wie im letzten Jahr. Über Monate wurde er nach oben getrieben. Der Abstand zwischen bio und konventionell reduzierte sich erheblich. Nicht wenige Bio-Tiere wurden in „normale“ Kanäle gedrückt, weil es sich rechnete. Zuletzt nahm die Differenz wieder zu. Die Zeit der Spitzenwerte ist vorbei, aber noch liegt man über Vorjahr. Die Aussichten sind angesichts der begrenzten Mengen nicht schlecht. 

Getreidepreise irgendwie eine nicht auskömmliche Wundertüte

Über die Getreidepreise wird zu Beginn der Ernte immer viel spekuliert. Das ist in diesem Jahr nicht anders. Entschieden werden die heimischen Preise durch die globalen Märkte – wer wann wieviel wohin exportiert bzw. importiert. Wieviel hier erzeugt wird, beeinflusst die Preise kaum noch. Da die weltweite Produktion nur wenig variiert, ist wohl mit stabil niedrigen Preisen unter 200 €/ Tonne zu rechnen – für den Ackerbauern deutlich zu wenig. Die Menge muss es machen. Heftig diskutiert wird aktuell die Frage, ob die letzte Hitzewelle z.B. der Weizenmenge bzw. -qualität geschadet hat.  

Der Marktbeobachter registriert, dass in wichtigen pflanzlichen und tierischen Hauptbereichen für das landwirtschaftliche Einkommen die Erzeugerpreise nicht auskömmlich sind und zudem keine Perspektiven zu erkennen sind. Milch, Schweinefleisch und Getreide werden bei weitem keine kostendeckende Preise erzielen. Besser sieht es bei Rindfleisch und Geflügel aus. Der Eiermarkt hat sich beeinflusst von der Vogelgrippe nach den Winterrekorden wieder abgekühlt, nur Bioeier sind weiterhin stabil. Das Seuchengeschehen nimmt bei allen Tierarten an Bedeutung zu. Inwieweit Hackfrüchte (Kartoffeln, Zuckerrüben) einkommensstärkend oder -senkend sind wie in den letzten Jahren, wird sich erst in der Ernte zeigen. Es zeichnet sich ab, dass 2026 nicht als erfolgreiches Jahr in die Geschichte der Bäuerinnen und Bauern eingehen wird. Und der Strukturwandel wieder Fahrt aufnimmt.