Am 13.11.2024 hat der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Anhörung zur Zukunft der Schweinhaltung und -schlachtung in Sachsen-Anhalt durchgeführt. Der Vorstandssprecher des NEULAND-Vereins Jochen Dettmer hat als Experte Stellung genommen und die Landesregierung aufgefordert, den Qualitätsmarkt besonders zu unterstützen. Die bisherige Politik auf EU-, Bundes-und Landesebene sieht Dettmer eher „zähflüssig“ unterwegs.
„Leider wurden bisher weder die Vorschläge des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik vom März 2015 in seinem Gutachten ‚Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“, noch die Empfehlungen der Borchert-Kommission vom Februar 2020 zum Umbau der Tierhaltung und auch nicht die Vorschläge der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) umgesetzt“, bemängelt Dettmer. Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz und das Bundesgramm Umbau der Tierhaltung sind für ihn “allerdings erste Schritte der Bundespolitik zum Umbau der Tierhaltung“. Und er verweist auf die im Strategischen Dialog auf EU-Ebene erarbeiteten Vorschläge für die zukünftige Kommissionsarbeit, die 14 Punkte umfassen und in einem Punkt insbesondere eine nachhaltige Tierhaltung in der EU, incl. Kennzeichnung, vorschlagen.
„Trotz der Zähflüssigkeit der Politik hat der Markt entsprechende Signale gesetzt und es ist mit einer Nachfragesteigerung von bis zu 20 % in den nächsten Jahren für die höheren Haltungsstufen zu rechnen. Damit ergeben sich Marktchancen auch für die Schweinehaltung in Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern“, erklärt Dettmer.
Langfristig sollten seiner Ansicht nach die Empfehlungen der Borchert-Kommission umgesetzt werden. Da aber insbesondere mit einer durch die Borchert-Kommission langfristig vorgesehenen Finanzierung durch die Anhebung der Mehrwertsteuer nicht zu rechnen sei, könnten kurzfristig nur die begonnenen Maßnahmen ausgebaut werden. Handlungsbedarf für die Landes- und Bundespolitik sieht der Neuland-Vorstandssprecher dementsprchend in folgenden Bereichen:
- Weiterentwicklung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, bezüglich Downgrading, Einschluss des Lebenszyklus bei Schweinen, Integration ausländischer Ware, Plausibilitätsprüfung bei der Registrierung, weitere Tierarten, Gastro- und Gemeinschaftsverpflegung;
- Dauerhafte Finanzierung des Bundesprogrammes Umbau der Tierhaltung, Bereich Schweine, und Weiterentwicklung bezüglich Bestandserweiterung kleinerer Betriebe;
- Privilegierung der höheren Haltungsstufen im Baurecht;
- Stärkung der Nachfrage nach höheren Haltungsformen durch eine konsequente Ernährungsstrategie, Anreize und gezielte Kommunikation Richtung nachhaltigen Konsums;
- Beratungsoffensive für die Umstellung auf höhere Haltungsstufen;
- Wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschulen, in Sachsen-Anhalt wären das Halle und Bernburg;
- Unterstützung durch die Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt als landeseigene Gesellschaft.
Das Fazit von Dettmer lautet: „Die Rahmenbedingen für die Nutztierhaltung in Sachsen-Anhalt sind sehr differenziert zu bewerten. Sie hängen von vielen Faktoren ab. Für die Schweinehaltung haben sich die Rahmenbedingungen verschlechtert, insbesondere weil die Nachfrage zurückgegangen ist und die Kosten und Preise volatil sind. Durch neue Verbrauchertrends und das Engagement des Lebensmitteleinzelhandels ergibt sich eine Marktperspektive insbesondere für Schweine der Haltungsstufe 3, bzw. Frischluftstall (Offenfront) in der staatlichen Kennzeichnung und der Haltungsstufen 4 und 5. Hier liegt auch eine Perspektive für Betriebe aus Sachsen-Anhalt, während industrialisierte Großbetriebe weiter unter Druck stehen werden. Daher sollte die Landesregierung den Qualitätsmarkt besonders unterstützen, insbesondere durch Unterstützung der Nachfrage, z.B. bei Kantinen, Lebensmitteleinzelhandel und Direktvermarktern.“
Zum Hintergrund: Der NEULAND-Verein, heute landwirtschaftlicher Fachverband, ist seit 1988 Pionier in der Entwicklung besonders tiergerechter Haltungsverfahren, deren Kennzeichnung und Vermarktung. (siehe www.neuland-fleisch.de).
Jochen Dettmer bewirtschaftet mit seiner Ehefrau einen NEULAND-Biobetrieb in Belsdorf, Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt, mit Duroc-Schweinen, Enten, Gänsen und Zweinutzungshühnern und mit Hofladen.
