Vorzeichen stehen auf Alarm - 2026 wird ein (vor-)entscheidendes Jahr für Ferkelerzeuger

Marktbeobachtungen von Hugo Gödde +++ Auf die Schweinehalter wartet ein schwieriges Jahr. Die Schweine- und Ferkelpreise sind abgestürzt auf 1,45 €/kg Schweinefleisch bzw. 35 € pro Ferkel. Damit fehlen dem Erzeuger etwa 50 Euro am Schwein, wovon die Sauenhalter die Hälfte der Zeche zahlen. Während manche Marktbeteiligte nur von einer Durststrecke bis zur Grillzeit, vielleicht gar nur bis Ostern träumen, - bis dahin soll der EU-Schweineberg abgebaut sein - werden auf die ferkelerzeugenden Betriebe sicherlich äußerst schwierige Monate zukommen. Denn neben dem Preistal müssen noch ehrgeizige Auflagen der Nutztierhaltungsverordnung erfüllt werden. Bis zum 9. Februar muss ein Bauantrag zum Umbau des Deckzentrums der Sauen eingereicht werden, wenn eine Baugenehmigung vonnöten ist. Und in drei Jahren muss man die Auflagen komplett umgesetzt haben oder ausscheiden.

Vor Struktureinbruch durch Auflagen im Deckzentrum

In einer nicht repräsentativen, personalisierten, d.h. nicht anonymen Abfrage bei Sauenhaltern hat nun die ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands) versucht, den Stand der Erfüllung der Auflagen zu ermitteln. Das Ergebnis ist erschreckend. Etwa 41% haben oder werden in Kürze die Baugenehmigung erhalten. Weitere 44% wollen innerbetrieblich ohne Umbau die Umstrukturierungen erfüllen. 15% stehen wohl vor dem Ausstieg in den nächsten drei Jahren. Besonders im kleinstrukturierteren Bayern und überhaupt bei kleineren Betrieben droht die Aufgabe. Die Auflagen im Deckzentrum betreffen vor allem erhöhte Platzvorgaben und eine Gruppenhaltung statt einer Kastenhaltung.

Ende der Kastenstände droht zum Strukturbruch zu werden

Auch wenn die Auflagen für die Abferkelbuchten erst Mitte der 2030er Jahre greifen, wurde der Umsetzungsstand bereits abgefragt. Die Abferkelbuchten müssen dann auf 6,5 qm (statt bisher 4,5 qm) erweitert werden und als Bewegungsbucht bzw. freie Abferkelung ausgelegt sein. Damit endet der Kastenstand, der bisher in über 90% der Buchten Standard ist. Da der Um- oder Neubau von Deckzentrum bzw. Abferkelbuchten oft miteinander konzipiert und geplant werden muss, hängt die weitere Betriebsperspektive vielfach zusammen, wenn auch zunächst in zwei Schritten.

Nach den Ergebnissen der Befragung kann davon ausgegangen werden, dass ca. 20% sicher, weitere 30% wahrscheinlich die Auflagen erfüllen werden. „Aber bei fast der Hälfte der Betriebe muss von einem Ausstieg aus der Sauenhaltung ausgegangen werden, wenn der Umbau des Abferkelstalles ansteht“, analysiert die ISN. Etwa ein Drittel hat keinerlei Planungen durchgeführt und 15% den Ausstieg schon eingeleitet. Da auf vielen Höfen die Hofnachfolge erst in einigen Jahren ansteht, werden viele Investitionen heute noch nicht getroffen. Daher wird sich das Bild verändern können. Das hängt nicht zuletzt von den künftigen Ferkelpreisen und der staatlichen Investitionsförderung ab. 

Hoffnung auf Bundesförderung

Für einen Großteil der Sauenhalter ist das Ende des Bundesprogramms Umbau der Tierhaltung (BUT), das Minister Rainer zum 31.8.26 verkündet hat, ein Schock. Nur 7% haben einen Antrag gestellt bzw. eine Zusage erhalten. Etwa ein Viertel versucht noch auf die Schnelle einen Antrag (mit Baugenehmigung) zu präsentieren. Ein weiteres Viertel würde es gern machen, schafft es aber in der vorgegebenen Zeit nicht. 30% glauben auch ohne Förderung klar zu kommen. Für den Rest ist die Betriebszweigaufgabe bereits beschlossene Sache.

Nach Berechnungen der ISN kostet der Umbau des Deckzentrums im Schnitt zwischen 200.000 und 300.000 € - je nach Bestandsgröße und Investitionsstand. Dabei reicht die Spannweite von ein paar Tausend bis zu 1 Mio. € Kosten. Der Umbau des Abferkelbereichs wird nach einschlägigen Schätzungen in der Regel mit weit über 1 Mio.€ viel teurer werden. Da aber die Abnehmer (Mäster, Schlachthöfe Einzelhandel) diese zusätzlichen – gesetzlichen(!) – Kosten über einen höheren Ferkelpreis nicht ausgleichen, bleiben die Erzeuger auf den Kosten sitzen. Damit wird noch einmal deutlich, wie wichtig eine angemessene Förderung (ob über Bund oder Länder) für die Sicherung der heimischen Ferkelerzeugung ist. Ohne sie würde zudem eine noch weitgehendere Abhängigkeit von Importen entstehen. Schon heute kommen etwa 25% der Ferkel (ca. 10 Mio.) aus Dänemark und Holland. Dass diese Absicherung einer Perspektive durch die Bundesregierung leichtfertig ausgesetzt und verschoben wird, gleichzeitig die Auflagen aber näherkommen, führt bei den Betriebsinhabern zu Wut, Ärger und Politikverdrossenheit, der seitens der Regierung schnellstens entgegengewirkt werden muss.    

Förderprogramm besser als erwartet genutzt

Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die investive Förderung ein absolutes Muss für die Betriebe darstellt. Im Rahmen des Bundesprogramm sind der BLE zufolge mit aktuell 345 Anträgen deutlich mehr eingereicht worden als erwartet worden war. Von rund 250 Mio. Euro beantragten Fördermitteln wurden mittlerweile gut 147 Mio. Euro bewilligt. Sollten die Betriebe tatsächlich beschleunigt noch Anträge bis zum August stellen, wird sich zeigen, ob das Geld in diesem Jahr ausreicht. Der Mittelabfluss der Förderung der laufenden Kosten ist für 2025 erst angelaufen und nicht abschließend zu bewerten. Die ISN hat ausgerechnet, dass allein der Umbau der Sauenhaltung in den nächsten zehn Jahren etwa vier Milliarden Euro Investitionen erforderlich machen (bei aktuell ca. 5.000 Sauenhaltern!) und fragt: wer soll das bezahlen?

Der Marktbeobachter sieht ein herausforderndes Jahr auf die Schweinehalter, besonders die Ferkelerzeuger zukommen. Der Januar hat mit einem Preissturz das Jahr eingeläutet. Im ersten Halbjahr sehen nur Optimisten eine Normalisierung, da auch das europäische Ausland die Bestände leicht erhöht hat. Die rigide Zollpolitik Chinas und die ASP-Probleme in Europas größtem Schweineland Spanien wirken sich auf Marktunsicherheiten und allgemeinen Preisdruck für die heimische Erzeugung aus. Dazu kommen die Verschiebungen und Konzentrationstendenzen in der Schlacht-, Fleisch- und Wurstwarenindustrie, die regionale und überregionale Verwerfungen hervorrufen. Beim wichtigen Tierhaltungskennzeichengesetz geht nichts voran, es wird nur mal wieder ohne Lösung der Probleme auf 1.1.2027 verschoben. Durch die Marktlage und die Tatenlosigkeit der Regierung im Bereich der Tierhaltung und des Tierwohls mischt sich eine Gemengelage, die den betroffenen Schweinehaltern die Luft und die Lust zur Entwicklung nimmt. Gerade werden erste Vorschätzungen für die Gewinne des laufenden Wirtschaftsjahres bekannt. Demnach sollen die „Veredelungsbetriebe“ (Schweinehaltung) einen „unterirdischen“ Gewinn von gerade einmal 30.000 € im Betriebsschnitt erwirtschaften. Das wird den Ausstieg und das „Wachsen oder Weichen“ mal wieder beschleunigen – jenseits aller Beteuerungen der Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft und der Versorgungssicherheit. Offensichtlich ist auch diese Regierung unfähig zu einer nationalen Gesamtstrategie. Dabei lag mit den Empfehlungen der Borchert- Kommission eigentlich schon eine Perspektive auf dem Tisch. Aber ich glaube, ich wiederhole mich.