Sauenhalter Alexander Nienhaus setzt auf Neuland, hält sich flexibel Wege offen und sieht enormen Druck bei der Vermarktung.
Er erlebt reges Interesse: „Ich sollte langsam Eintritt nehmen“, scherzt der Raesfelder Neuland-Sauenhalter Alexander Nienhaus, der in diesem Jahr einen ganz besonderen Sauenstall gebaut und Ende August mit seinen Tieren bezogen hat. Im Abferkelbereich hält er jetzt die Sauen mit ihren Ferkeln in Gruppen. Stroheinstreu, viel Platz mit Auslauf sowie Ringelschwänze gehören auch im Deckzentrum, im Wartebereich und in der Ferkelaufzucht zum Konzept.
Nach Abschluss der Höheren Landbauschule hat der junge Landwirt 2018 den konventionellen Betrieb mit 120 Sauen von seinem Vater übernommen. Seine Eltern führten den Betrieb im Nebenerwerb, der Vater hat ein Planungsbüro für Elektrotechnik, dem er sich mittlerweile vollständig widmet. Der Junior trat mit dem Ziel an, in den Vollerwerb zu gehen – und das in Krisenzeiten für die unter Veränderungs- und Kostendruck stehende Sauenhaltung.
Mit artgerechter Sauenhaltung nach Neuland-Richtlinien vom Neben- in den Vollerwerb
Er setzte auf den Weg einer artgerechteren Schweinehaltung, wurde vor vier Jahren Partnerbetrieb bei Neuland West und beliefert seitdem Neuland-Mäster mit Ferkeln. Dafür hatte er zunächst seinen konventionellen Aufzuchtbereich für rund 700 Ferkel tiergerecht entsprechend der Neuland-Richtlinien umgebaut.
„Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Neuland gemacht“, so Alexander Nienhaus, „das Vertrauen war da.“ Um den Neuland-Ansprüchen vollständig zu genügen, machte er also Ende 2024 den nächsten Schritt und baute für seine Sauen einen komplett neuen Stall. „Alles andere wäre in den Altställen nur Krampf und Kompromiss gewesen“, erklärt der Jungbauer. Er vergrößerte gleichzeitig seinen Tierbestand auf 220 Sauen; alle drei Wochen werden 350 bis 400 Ferkel geboren. „Das passte zu den Tierplätzen im Aufzuchtstall“, begründet Nienhaus, „und es ist eine Größenordnung, die ich zusammen mit meiner Mutter, einer Angestellten und einem Auszubildenden gut bewältigen kann.“
Flexibel bleiben
Er entschied sich für die Gruppenabferkelung, zum einen, um die Bauhülle kompakt zu halten, aber auch, um flexibler zu sein für Anpassungen. „Einzelbuchten, von denen jede Zugang zum Auslauf braucht, ziehen den Stall enorm in die Länge“, überlegte sich Nienhaus. „Jetzt habe ich eine Halle, die für alles Mögliche zu gebrauchen wäre.“ Da es die Gruppenhaltung beim Abferkeln mittlerweile hier und da konventionell auf Spalten gibt, dachte er sich: „Wenn das geht, dann bekomme ich das auf Stroh auch hin.“ Er plante möglichst weitblickend und großzügig, um eventuelle neue, momentan diskutierte Haltungsvorgaben für die höchste konventionelle Haltungsstufe vier, sei es beim Label des Handels oder bei der in den Sternen stehenden staatlichen Kennzeichnung, einzubeziehen und sich auch die Option zur Umstellung auf Bio offen zu halten.
"Wenn das Gruppenabferkeln konventionell auf Spalten geht, dann bekomme ich das auf Stroh auch hin."
Jeweils acht Tiere einer zusammengehörigen 30er-Gruppe teilen sich ein Abteil. Für jede Sau gibt es eine eingestreute Bucht mit beheizbarem Ferkelnest, die rund um die Geburt geschlossen werden kann. Von der gemeinsamen Bewegungsfläche führt ein Durchschlupf in einen überdachten Auslauf. Im hinteren Stallteil befindet sich abgeteilt der Wartebereich für die Sauen und das Deckzentrum. Die abgesetzten Ferkel machten sich nach fünfwöchiger Säugezeit in der Aufzucht sehr gut.
Tierverhalten lenken lernen
Die Bauphase am Stall ist beendet, aber „die Lernkurve ist aktuell noch steil“, so Nienhaus mit der nötigen Portion Gelassenheit. Die neu zugekauften Jungsauen machen sich im neuen System gut; die Altsauen, die nur Kastenstände gewohnt waren, sind nach dem Umzug unvorsichtiger, sorgen für mehr Probleme durch Erdrücken beim freien Abferkeln. Insgesamt seien die Ferkelverluste vergleichbar hoch wie im Biobereich, „aber da muss sich noch was ändern“. Vielversprechend für zuverlässigen Nestbau an geschützter Stelle, saubere Buchten und weniger totgelegene Ferkel war ein Versuch, die Buchten zum Geburtszeitpunkt und die ersten Tage danach nur mit einem bodennahen Brett für die Ferkel, nicht aber für die Sau, zu verschließen.
"Die Lernkurve ist aktuell noch steil."
Das Sauberhalten der Liegebereiche läuft größtenteils gut. „Es ist mehr Handarbeit“, das war Nienhaus auch im Vorhinein klar. Hin und wieder muss verdreckte Einstreu aus den Boxen gekratzt werden. Die Bewegungsfläche wird regelmäßig mit dem elektrischen Kleintraktor abgeschoben, ebenso wie der Auslauf, der längs komplett durchgeschoben werden kann. „Der Anspruch ist erfüllt: ich wollte mir für den Stall keine neue Schubkarre kaufen müssen“, erklärt der Jungbauer schmunzelnd. Wo, wie oft und wie viel eingestreut und wann entmistet wird, kann jedoch das Abkotverhalten der Tiere lenken.
Anschubhilfe als Chance – verpasst?
Zwei Millionen Euro hat der junge Bauherr in seinen neuen Sauenstall gesteckt, knapp eine Million davon hat er über das Bundesprogramm Umbau Tierhaltung (BUT) gefördert bekommen. „Sonst hätte ich es nicht gemacht“, bekennt Nienhaus, der auch die selbst zu stemmende Summe nicht einfach so wegsteckt. Irgendwoher muss das Geld wieder reinkommen – mit der Idee, über das BUT auch die Mehrkosten zu fördern, sollte politisch ausgeglichen werden, dass über den Markt zur Zeit nicht ohne weiteres ausreichend Geld für diese aufwändigere Form der Tierhaltung erwirtschaftet werden kann. Doch das Bundeslandwirtschaftsministerium hat das BUT gerade überraschend verkürzt und lässt es auslaufen. „Die Mehrkostenförderung ist bei uns ein sechsstelliger Betrag. Ich bin froh über das Geld, was es die nächsten zwei Jahre noch gibt“, betont Nienhaus. Gleichzeitig ist es für ihn unfassbar, in welcher Art und Weise das Programm einfach abgeräumt wird, das langfristige Planungssicherheit für Betriebe bieten sollte, die sich auf Neues einlassen. „Das sowas zu Politikverdrossenheit führt, wundert mich nicht.“ Jetzt steht die Vermarktung unter Druck, das weiß der junge Sauenhalter am Anfang der Kette, die Neuland als eines der wenigen Programme konsequent mitdenkt. „Für Neuland sind 100 Sauen mehr aber auch ein gewaltiger Schritt, da muss der Absatz insgesamt da sein.“
Irgendwoher muss das Geld wieder reinkommen.
Das Argument, die Mittel würden zu wenig nachgefragt, es gebe zu wenig Interessenten, lässt Nienhaus nicht gelten: „Das spiegelt sich hier mit unseren ganzen Besuchern nicht wieder. Auch Berater sagen, dass sich da viele erst noch informieren, andere befassen sich schon konkret mit den Ideen und viele stecken in der Planungsphase. Die geraten jetzt in Zeitstress, um ihr Vorhaben noch einzureichen.“ Für ihn ist es eine verpasste Chance, denn „es braucht einen Anschub durch Pilotprojektförderung. Dauerhaft können nicht alle Ställe in so einem Umfang bezuschusst werden, das ist klar. Aber sowas hat eine Ausstrahlung mit Impulsen für Veränderung. Wie beim EEG, das war ein Glücksgriff für die Entwicklung der Erneuerbare-Energien-Branche, die sich weltweit auswirkt. Warum sollten wir nicht auch so eine Vorreiterrolle an Wissen und Technik bei der tiergerechten Schweinehaltung aufbauen?“
