Öko-Regelungen 2026 erneut stärker nachgefragt – Signal für die GAP ab 2028

Die jetzt publik gewordenen Zahlen zur Antragstellung der Öko‑Regelungen in 2026 (siehe nebenstehend) zeigen eine erneute Steigerung gegenüber 2025. Die Landwirtschaft beweist damit nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dass sie bereit ist, ökologische Leistungen auszubauen – wenn diese politisch anerkannt und fair honoriert werden. Diese Erkenntnisse müssen für die Weiterentwicklung der GAP genutzt werden. Auch für den NABU zeigen die Zahlen, dass die Öko-Regelungen in der landwirtschaftlichen Praxis zum Erfolgsmodell werden und in den kommenden GAP-Förderperioden Berücksichtigung finden müssen. Und für Bioland sind die Zahlen ein klares Signal, dass das Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen" richtig ist – und dass die Politik jetzt nicht hinter bereits Erreichtes zurückfallen darf.

Angesichts der neuen Zahlen erklärt Ottmar Ilchmann, agrarpolitischer Sprecher der AbL und Milchbauer aus Niedersachsen: „Mit den erneut gestiegenen Antragszahlen bestätigt sich der Grundgedanke der Öko‑Regelungen: Weg von pauschalen Flächenprämien – hin zu einer einkommenswirksamen Qualifizierung der Mittel. Die Zahlen zeigen: Dieser Ansatz funktioniert. Betriebe reagieren positiv, wenn eine ökologische Wirkung auch an eine attraktive Honorierung gekoppelt ist. Gleichzeitig stellt sich immer mehr die Frage, wie die Politik mit diesen Erkenntnissen für die GAP ab 2028 umgehen will. Die Bundesregierung muss sich jetzt an die Seite der Betriebe stellen und eine Weiterführung der qualifizierten GAP-Mittel einfordern."

Die Erkenntnisse aus dieser Förderperiode dürfen nach Ansicht der AbL nicht ignoriert werden – sie müssen die Grundlage für die Weiterentwicklung der GAP bilden. Ein festgelegtes und ambitioniertes Ausgabenziel für Agrarumweltaktionen in der neuen GAP ab 2028 ist daher eine dringende Notwendigkeit. Gleichzeitig müssen Öko-Regelungen betrieblich machbar aber auch ökologisch wirksam gebaut sein, so die AbL.

Vor diesem Hintergrund gewinnt für die AbL auch die Diskussion um die Öko-Regelung Weide erneut an Bedeutung. Weidehaltung liefert Klima‑, Biodiversitäts‑ und Tierwohlleistungen, die keine andere Wertschöpfungsform auf Grünland in dieser Breite erbringt. Sie müsse in der kommenden Förderperiode endlich verlässlich bundesweit unterstützt werden. Die Bundesregierung könne schon heute tätig werden und die bisher noch gesetzlich vorgesehenen Öko-Regelungen zur Weidehaltung und zum Biotopverbund in 2027 umsetzen.

NABU: Betriebe setzen immer stärker auf Öko-Regelungen

Für den NABU zeigen die neuen Zahlen, dass die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland in der GAP immer stärker auf Öko-Regelungen setzen. Berechnungen des NABU zeigen zudem, dass inzwischen auf über 55 Prozent der Agrarfläche Deutschlands Öko-Regelungen umgesetzt werden. Gegenüber dem Start der Förderperiode im Jahr 2023 ist die Nachfrage um mehr als 41 Prozent gestiegen.

Aus Sicht des NABU-Agrarexperten Phillip Brändle steht diese Entwicklung im deutlichen Kontrast zur Agrarpolitik der Bundesregierung: „Während die Öko-Regelungen in der landwirtschaftlichen Praxis zum Erfolgsmodell werden, will Bundesagrarminister Rainer genau hier der Rotstift ansetzen und die bereits gesetzlich verankerten Öko-Regelungen für die Forderung der Weidehaltung und den Biotopverbund streichen."

Aus Sicht des NABU bestätigen die Antragszahlen zudem die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft. Diese hatte bereits 2021 empfohlen, den Anteil der Öko-Regelungen in den kommenden GAP-Förderperioden bis 2034 schrittweise auszubauen. „Während die politischen Verantwortlichen jede Vision für die Zukunft der Agrarförderung vermissen lassen, zeigen die Bäuerinnen und Bauern, wo die Reise hingehen muss. Wenn die GAP nicht obsolet werden soll, müssen alle öffentlichen Agrargelder konsequent und wirtschaftlich attraktiv an konkrete Leistungen von landwirtschaftlichen Betrieben im Umwelt-, Klima- und Tierschutz gebunden werden.

Erstaunt zeigt sich der NABU über die Art und Weise der Veröffentlichungen der Antragszahlen. In den vergangenen Jahren wurden diese jeweils Ende Juni oder Anfang Juli aktiv kommuniziert. Diesmal erschienen sie ohne begleitende Pressearbeit auf der Internetseite des Ministeriums. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium verhindern wollte, dass die erfreulichen Antragszahlen genau zu dem Zeitpunkt größere Aufmerksamkeit erhalten, an dem das Bundeskabinett die Streichung weiterer Öko-Regelungen beschlossen hat“, sagt Brändle.

Bioland: Offen für Wandel, angewiesen auf Verlässlichkeit

Nach Ansicht von Bioland zeigen die aktuellen Zahlen, dass die Betriebe den Weg einer stärkeren Ausrichtung der GAP daran, wofür sie gesellschaftlich gebraucht wird, mitgehen: eine resiliente Landwirtschaft, die Klima, Biodiversität, Böden, Wasser und Tierwohl schützt und zugleich die Ernährungsversorgung Europas langfristig sichert.

In Deutschland werden inzwischen auf mehr als 55 Prozent der Agrarfläche Öko-Regelungen umgesetzt. Für Bioland ist das ein klares Signal, dass das Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen" richtig ist – und dass die Politik jetzt nicht hinter bereits Erreichtes zurückfallen darf.

Bioland-Präsident Jan Plagge unterstreicht: „Wenn auf mehr als der Hälfte der Agrarfläche Öko-Regelungen angewendet werden, zeigt das: Die Bäuerinnen und Bauern sind bereit, Verantwortung für Umwelt, Klima und Biodiversität zu übernehmen – wenn die Leistungen angemessen honoriert werden. Genau diesen Weg müssen wir jetzt unbedingt weitergehen."

Doch der Umbau der Agrarförderung hin zu einer leistungsorientierten GAP braucht Zeit. Auch deshalb sind Übergangsregelungen und eine verlässliche Finanzierung notwendig. „Umso unverständlicher ist es, dass die versprochenen Öko-Regelungen zur Weidehaltung und zur Förderung der Biodiversität nun doch nicht kommen sollen. Wenn sich die Nachfrage nach solchen Maßnahmen stetig erhöht, wie die Zahlen des BMLEH selbst belegen, muss die Politik die Angebote weiterentwickeln und attraktiver machen – statt bereits in Aussicht gestellte, sinnvolle Fördermaßnahmen vor der Einführung wieder einzukassieren", so Plagge.

Auch die aktuellen Entwicklungen bei der GAP auf EU-Ebene geben Bioland Anlass zur Sorge, denn der Kommissionsentwurf sieht das Ende kofinanzierungsfreier Umweltbudgets vor. Damit würde die EU hinter das Ziel zurückfallen, die Agrarförderung Schritt für Schritt auf konkrete gesellschaftliche Leistungen auszurichten. Die geopolitischen Krisen der jüngeren Vergangenheit haben zutage gefördert, wie sehr die EU-Landwirtschaft am Tropf fossiler Rohstoffe aus Ländern und Regionen wie Russland oder dem Nahen Osten hängt.

Eine vielfältige, regional verankerte Landwirtschaft mit starken, nachhaltigen Betrieben, die mit deutlich weniger fossiler Energie auskommen, setzt dem was entgegen: Durch mehr Bio in Europa werden Betriebsmittelabhängigkeiten reduziert, natürliche Ressourcen erhalten und Wertschöpfung in den Regionen gesichert. Eine GAP, die diesen Umbau unterstützt, ist deshalb in erster Linie eine Investition in die strategische Unabhängigkeit der Europäischen Union.

Bioland-Präsident Plagge: „Alle suchen aktuell nach Lösungen für mehr strategische Unabhängigkeit in unsicheren Zeiten. In der Landwirtschaft gibt es eine bewährte Maßnahme: Der Ökolandbau zeigt seit Jahrzehnten, wie sich Lebensmittel durch vielfältige Fruchtfolgen mit heimischen Leguminosen statt importierten Mineraldüngers deutlich unabhängiger und krisenfester erzeugen lassen. Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in der EU braucht es daher ein starkes GAP-Budget mit einer klaren Priorität für Umwelt, Unabhängigkeit und Resilienz."

Vier Punkte für eine GAP, von der alle profitieren 

Bioland fordert für die künftige GAP:

  1. Mehr Budget für mehr Leistung: ein hohes und weiterhin eigenständiges GAP-Budget mit klarem Fokus der Mittelverwendung auf die einkommenswirksame Honorierung konkreter gesellschaftlicher Leistungen
  2. Basis-Absicherung als Grundstock: sinnvolle Differenzierungskriterien, sodass die Flächenzahlungen zielgerichtet bei den Betrieben ankommen, keine Erhöhung der Basisprämie „DABIS" über den Mindestumfang hinaus
  3. Planungssicherheit für alle, die sich auf den Weg gemacht haben: ein ausreichend finanziertes Budget für Umweltleistungen im bisherigen Umfang (Umschichtung und Kofinanzierung) statt Mehrbelastung der Mitgliedstaaten sowie die Fortführung der 100-% EU-finanzierten, bundesweit angebotenen, attraktiven Umweltmaßnahmen (Öko-Regelungen)
  4. Mehr Bio für mehr Unabhängigkeit: Ökolandbau als höchste gesetzlich geregelte Form der nachhaltigen Landwirtschaft und als Premiumbeispiel für eine funktionierende, dauerhafte und gesamtbetriebliche Fördermaßnahme verankern.