Nur wenige der großen Molkereien vertreiben Milch aus Weidehaltung

Nur wenige der großen Molkereien in Deutschland vertreiben Milch aus Weidehaltung oder von Milchbetrieben, die auf ganzjährige oder saisonale Anbindehaltung verzichten. Das ergab eine Abfrage von Greenpeace bei 19 Molkereien, die zusammen zwei Drittel der hierzulande produzierten Milch verarbeiten. Kühe sind, so Greenepeace, eigentlich Weidetiere, die im Stall nicht ihrem natürlichen Verhalten gemäß leben können. Lediglich die Molkereien Hamfelder Hof (100 Prozent) und Andechser (85 Prozent) vertreiben mindestens überwiegend Milch aus Weidehaltung. Einen signifikanten Anteil Weidemilch weisen außerdem Berchtesgadener Land und Ammerland (50 bzw. 46 Prozent) sowie Arla und DMK (Deutsches Milch-Kontor) mit jeweils 30 Prozent und Gropper (25 Prozent) auf. Alle anderen Molkereien verarbeiten keinen oder einen zu vernachlässigenden Anteil an Milch von Kühen mit Weidegang.

„Hinter ihren PR-Märchen verstecken Molkereien, dass es den Kühen meist ziemlich dreckig geht. Wer Milch, Joghurt oder Käse kauft, muss leider davon ausgehen, dass diese oft von Kühen stammen, die tierschutzwidrig gehalten werden. Die Molkereien sollen zeitnah auf Milch aus Weidehaltung umstellen“, erklärt Lasse van Aken, Greenpeace-Landwirtschaftsexperte.

Abgefragt wurde auch, ob Zuschläge für Weide- bzw. Biomilch bezahlt werden. Kühe auf der Weide zu halten, wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Tiere aus. Milch von der Weide schont zudem das Klima: Laut Thünen-Institut speichert beweidetes Grünland 30 bis 40 Prozent mehr klimawirksamen Kohlenstoff im Boden als Ackerpflanzen. Derzeit haben in Deutschland laut Statistischem Bundesamt jedoch nur noch 31 Prozent der Rinder Weidegang.

„Kühe auf der Weide zu halten, kostet die Landwirt:innen viel Geld und muss von den Molkereien anständig bezahlt werden. Davon profitieren Kühe, Biodiversität und Klima. Langfristig sollten in Deutschland nur so viele Kühe gehalten werden, wie auf der Weide ernährt werden können“, so Lasse van Aken.

Einige der bekanntesten Molkereien wie Landliebe, Weihenstephan und Frischli wollten laut Greenpeace keine Angaben machen und sind daher auf den hinteren Plätzen gelandet. Bei Ehrmann, Hochwald (Bärenmarke) und Bauer ist der Anteil an Weidemilch nur sehr gering. Anders als bei Bio- oder Weidemilch bieten diese Molkereien zudem so gut wie keine Zusatzleistungen, etwa bei Tierwohl und fairen Preisen für die Milcherzeuger:innen.

„Die meisten Molkereien setzen auf Masse statt Klasse. Dafür nehmen sie offenbar in Kauf, dass die Kühe leiden, oft krank sind und sehr früh sterben“, erklärt Lasse van Aken.

Am 3. Juni informierten Ehrenamtliche von Greenpeace in 32 Städten, darunter Frankfurt, Berlin und Essen, vor Supermärkten über die Produktion von Milch und die Folgen für Kühe, Artenvielfalt und Klima. Auf einer zwei Meter hohen Milchtüte zeigten sie die Unterschiede zwischen Milch aus Weidehaltung und Stallhaltung. Interessierten stellten sie Informationen wie einen kürzlich von Greenpeace veröffentlichten Einkaufsratgeber zur Verfügung, der einen Überblick über die verschiedenen Standards von Milch-Siegeln gibt.

07.06.2023
Von: FebL/PM

Am 3. Juni informierte Greenpeace in 32 Städten vor Supermärkten über die Produktion von Milch und die Folgen für Kühe, Artenvielfalt und Klima. Foto: Greenpeace