Ein Blick auf Märkte, Preise und „Marktpartner“

Marktbeobachtungen von Hugo Gödde +++ Das Osterfest steht vor der Tür, ein Fest auch für viele Verbraucher-Familien. Auf den Märkten erhöht sich die Anstrengung, um die Konsumentenwünsche zu erfüllen. Ostern bzw. der Frühling überhaupt ist aber für viele Produktsortimente eine Art Markt-„Wetterscheide“ zwischen Winter und Sommer. Die Preise werden neu justiert und die Mengen in Erzeugung und Vermarktung neu sortiert. Bei Fleisch dreht die Konsumkurve von Rind auf Schwein. Bei der Milch nehmen mit der Vegetationszeit die Mengen zu, aber auch der Absatz. Bei Getreide schaut man schon mal auf die neue Ernte und bei Eiern ist der Höhepunkt überschritten. Normalerweise!

Milchpreis weiter abgestürzt, aber mit Bodenbildung?

Der Milcherzeugerpreis ist auch im Februar weiter abgestürzt auf im Schnitt 37,9 ct/kg und damit deutlich unter die befürchtete 40 Cent-Schwelle. Im Norden (DMK), Westen (Arla) und Osten (Sachsenmilch) liegt die Auszahlung um die 35 ct/kg, nur der Süden hält die Fahne hoch. Aber auch hier zahlen fast alle Molkereien unter 40 Cent. Die Anliefermenge ist weiterhin mit plus 6% ungewöhnlich hoch. Als kleinen Hoffnungsschimmer verkünden Marktkenner, dass die Weltmarkt- und die Großhandelspreise langsam anziehen und auch der Rohstoffwert von Butter und Milchpulver wieder über 40 ct/kg steigt. Daher erwartet man, dass die Erzeugerpreise im März einigermaßen stabil bleiben – aber eben auf dem katastrophal niedrigen Kurs. Die Politik und die Milchwirtschaft sehen keinen Grund zum Handeln, sagt der Minister und die Länderministerkonferenz. Schließlich hätten die Erzeuger in den letzten Jahren gut verdient und müssten eine Durststrecke nun verkraften. Außerdem seien sie die Verursacher der Milchüberschüsse.

Fleisch: Rind hoch; Schwein niedrig, mit Aufwärtstendenz?

Beim Fleisch gibt es seit Monaten eine gegenläufige Tendenz. Rindfleisch befindet sich seit einem Jahr auf Rekordniveau, weil die Mengen auch EU-weit rückläufig sind. Die Angebotsmenge ist knapp und auch durch hohe Preise oder Importe nicht so schnell änderbar. Zwar ist der Abverkauf deutlich zurückgegangen (ca. minus 15%) und die „rote Seite“ (Schlachthöfe) versuchen seit Monaten, die Preise zu drücken – aber bisher ohne Erfolg. Üblicherweise kippt der Rindfleischabsatz nach Ostern, aber zurzeit sind auch Experten mit ihrer Prognose zurückhaltend. Im April werden die Abnehmer den nächsten Versuch des Preisdrucks starten.

Bei Schweinefleisch ist der Preis seit Herbst in den Keller gegangen, von 2,00 €/kg (September) auf 1,45 €/kg im Januar. In den letzten Wochen ist er auf 1,70 €/kg gestiegen – trotz Warnung der Schlachthöfe, deren Fleischgeschäfte erst allmählich anziehen. Trotzdem schreiben die Schweinehalter weiter rote Zahlen. Besonders die Sauenhalter haben die Marktkrise zu zwei Drittel bezahlt. Von 75 € (Juni) über 62 € (September) auf 35 € brach der Ferkelpreis ein. Aktuell ist das Ferkelangebot eher knapp und der Preis stieg auf 58 € (20.3.). Damit treibt der Ferkelpreis den Schweinepreis - gegen den Willen der „roten Seite“, die erst einen möglichen Absatzschwung durch wärmeres Wetter und die Grillzeit erhoffen. Es wird sich zeigen, wie groß der Einfluss der Erzeugergemeinschaften (VEZG) bei der Preisempfehlung („Notierung“) in nächster Zeit ist.

Eierknappheit zu Ostern

Osterzeit ist Eierzeit. Die Nachfrage strebt der Absatzspitze zu, ungeachtet dass die Preise in bislang unbekannte Höhen gestiegen sind - im Verhältnis zum Vorjahr um 25%. Hintergrund ist nicht nur der starke Einkauf bei Endkunden und Verarbeitern, sondern auch die fehlende Erzeugung in Folge der Seuchen. Besonders die Vogelgrippe hat fast 1 Mio. Hühner getroffen, jetzt kommen erste Auswirkungen der hochansteckenden Newcastle-Krankheit dazu. Obwohl die Geflügelverbände trotz einzelner Regallücken eine ausreichende Belieferung für Ostern zusichern, schlagen die Ausfälle schon jetzt erheblich zu Buche und die Auswirkungen werden die Branche noch länger in Atem halten. Auch bei den wichtigen Importen aus den Niederlanden sind die Lieferketten gestört. Vereinzelt kam es zuletzt zu Versuchen von „feindlichen Übernahmen“ durch größere Packstellen, die ihre Lieferverträge nicht erfüllen konnten.

Biomilch rekordverdächtig

Der Biomarkt sonnt sich zurzeit im 8%-Umsatzwachstum des letzten Jahres. Trotzdem sinken die Umstellerzahlen, obwohl die Preise für Milch, Schweine- und Rindfleisch auf Rekordkurs sind. Der Bio-Milchpreis liegt auch im Februar über 65 ct/kg. Im Gesamtjahr 2025 betrug er laut Bioland 65,7 Cent incl. Nachzahlungen und damit 7,5 ct/kg (=13%) über den bisherigen Spitzenjahren 2022 bis 2024. Damit bewegte sich Bio 14 Cent über konventionell, heute trennt sie gar unglaubliche 27 ct/kg. Der Biopreis konnte sich abkoppeln und hat bisher den Absturz der konventionellen Milch gefahrlos überstanden. In 2025 wuchs die Milchmenge wenig, aber seit November nimmt auch hier die Erzeugung deutlich zu. Die Deckung der Vollkosten ist dennoch nicht ganz erreicht, immerhin zeigt sich der Markt stabil mit anhaltend hoher und wachsender Nachfrage. Deshalb ist ein Preisnachlass, wie er nun vom LEH gefordert wird – wegen des zu großen Preisunterschiedes – (noch?) nicht marktnotwendig.

Biofleisch noch hoch, aber zunehmend unter Druck

Eine gewisse Unruhe entsteht aktuell auf den Biofleischmärkten. Besonders Schweinefleisch kannte seit Jahren nur den Weg nach oben. Der Preis stieg kontinuierlich und gradlinig von 3,77 €/kg im Januar 2020 auf 4,75 €/kg heute, gerät aber in den letzten Wochen unter Druck. Lange Zeit hieß es in der Branche, dass viel zu wenig Bio-Schweine am Markt wären und die wachsende Nachfrage nur aus dem Ausland (Holland, Dänemark) befriedigt werden könne. Tatsächlich stieg die heimische Produktion kaum an und die Importe nahmen auf ca. 30% Marktanteil zu. Da aber die Importe deutlich günstiger waren, konnten durch eine Mischkalkulation aus z.B. dänischer (ca. 3,60 €) und deutscher Ware (4,75 €) sowohl der LEH als auch die Schlachthöfe und Verarbeiter ihren Absatz steigern und den Preisanstieg begrenzen. Damit ist der Handel offensichtlich nicht mehr zufrieden und drängt auf deutliche Preissenkung. Haben die heimischen Erzeuger die Kraft gegenzuhalten oder enden erst einmal die guten Zeiten für Bioschweinehalter?

Ähnlich und doch anders ergeht es den Rinderhaltern. Sie hängen eng am aktuell guten konventionellen Preis und dessen Risiken der nächsten Zeit.   

Konzentration bei den „Marktpartnern“

Wenn man der Monopolkommission glaubt, ist es mit der Partnerschaft zwischen der Landwirtschaft und dem nachgelagerten Bereich nicht weit her. Sie beklagt eine wachsende Schere zwischen Erzeuger- und Endkundenpreisen. Die Landwirtschaft bleibt der „Preisnehmer“ und die Marktmacht ist ungerecht verteilt – auch weil die Konzentration bei Handel und Industrie ständig zunimmt. Aktuelles Beispiel ist die Übernahme der ca. 300 tegut-Märkte durch mal wieder Edeka. Die Kommission fordert das Kartellamt auf, die Übernahme „gründlich zu prüfen“, d.h. abzulehnen. Es geht zwar nicht um einen großen Marktanteil (unter 1%), aber jede Konzentration führt in die falsche Richtung.
Außerdem steht demnächst ihre Entscheidung zur Fusion von Arla/DMK und zur Übernahme von drei großen Vion-Schlachthöfen im Süden an. Das Kartellamt könnte Zeichen setzen und beweisen, dass es kein Papiertiger ist.
Wie sagt der Volksmund: Die Hoffnung stirbt zuletzt.