Noch vor der für Dezember geplanten Unterzeichnung des EU-Mercosur Freihandelsabkommens wenden sich Landwirtinnen und Landwirte aus Frankreich und Deutschland mit einem gemeinsamen offenen Brief an die Landwirtschaftsminister:innen beider Länder. Mit ihrem Appell senden sie ein deutliches Signal gegen eine politische Entscheidung, die aus ihrer Sicht die Zukunft bäuerlicher Betriebe bedroht und die dringend notwendige sozial- und umweltgerechte Transformation der Landwirtschaft erschwert. „Es geht nicht darum, sich abzuschotten, sondern darum, unsere Zukunft gestalten zu können“, heißt es in dem Brief.
Der Brief wurde von einer bäuerlichen Initiative in Frankreich angestoßen und wird in Deutschland von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) koordiniert und weitergetragen. Seit Jahren positioniert sich die AbL klar gegen das Abkommen. Die unterzeichnenden Landwirtinnen und Landwirte betonen, wie wichtig es jetzt sei, faire Rahmenbedingungen zu schaffen, die wirtschaftliche Perspektiven für bäuerliche Betriebe sichern und gleichzeitig die Erreichung der europäischen Ziele in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Klima- und Biodiversitätsschutz sowie Tierwohl ermöglichen. Dafür braucht es politische Kohärenz: Eine nachhaltige Landwirtschaft kann nur gelingen, wenn sie durch einen fairen und schützenden Handelsrahmen unterstützt wird.
Claudia Gerster, AbL-Vorsitzende und eine der Unterzeichner:innen, betont: „Die EU muss jetzt klare Signale für die Landwirtschaft senden und bäuerliche Betriebe konsequent dabei unterstützen, nachhaltig zu wirtschaften. Unsere Höfe dürfen nicht im unfairen Wettbewerb stehen, während sie gleichzeitig mehr Klimaschutz und besseres Tierwohl umsetzen sollen. Die EU muss eine klare Perspektive für die Landwirtschaft schaffen, indem sie Rahmenbedingungen sichert, die eine resiliente und zukunftsfähige Landwirtschaft ermöglichen.“
Abschließend heißt es in dem von 50 namentlich genannten Landwirt:innen aus Frankreich und Deutschland unterzeichneten Brief: „…appellieren wir gemeinsam an Sie: Deutschland und Frankreich haben die Gelegenheit und die Verantwortung, der Europäischen Union den Weg zu einem gerechteren Handel, einem sozial- und umweltgerechten landwirtschaftlichen Zukunftsprojekt und realistischen Transformationszielen zu weisen. Wir, deutsche und französische Landwirtinnen und Landwirte, sind bereit, aktiv Verantwortung auf unseren Höfen zu übernehmen. Jetzt ist jedoch eine klare politische Entscheidung gefragt: Lehnen Sie die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur ab.“
