Gravierende Rückschläge bei der Hunger- und Armutsbekämpfung

Transformation zu einem nachhaltigen Ernährungssystem einleiten und den Welthandel gerechter gestalten

Die Vereinten Nationen (UN) kommen immer weiter von ihrem Pfad ab, Hunger und Armut bis 2030 weltweit zu beenden. Das geht aus dem jetzt vorgelegten UN-Bericht zur Umsetzung der Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs)  hervor, den die Mitgliedstaaten aktuell in New York beraten. Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) erwartet von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen, um der wachsenden sozialen Kluft zwischen und innerhalb der Länder entgegenzuwirken.  

„Der UN-Bericht zeigt, wie überaus notwendig es ist, zügig wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen, um die 17 Nachhaltigkeitsziele noch zu erreichen. Besonders dramatisch sind die Rückschritte beim Ziel 1, den Hunger zu beenden, und beim Ziel 2, Armut weltweit zu überwinden. Die Zahl der Menschen, die unter Hunger und Mangelernährung leiden, nahm schon 2020 zu. Durch den Krieg in der Ukraine droht diese Zahl deutlich anzusteigen“, erklärt Kayu Orellana, Vorstandsmitglied von VENRO. Er nimmt am Hochrangigen Politischen Forum der Vereinten Nationen (HLPF) teil, das derzeit in New York über den Stand der Umsetzung der Agenda 2030 berät.

„Kurzfristige Hilfsmaßnahmen für die Menschen, die an Hunger leiden, sind dringend notwendig. Gleichzeitig muss vom HLPF ein deutliches Signal ausgehen, dass alle Staaten endlich die Transformation zu einem nachhaltigen Ernährungssystem einleiten und den Welthandel gerechter gestalten“, fordert Orellana.

In Folge des Corona-Lockdowns hat sich die globale Einkommensungleichheit deutlich vergrößert. Dieses Jahr werden zwischen 75 und 95 Millionen Menschen mehr von extremer Armut betroffen sein als vor der Pandemie, darunter vor allem Frauen und Kinder. Frauen verloren überdurchschnittlich häufig ihre Jobs, und mehr als zwei Millionen wurden in die unbezahlte Sorgearbeit gedrängt. „Wir erwarten von dem Treffen in New York konkrete Verabredungen, um die globale Ungleichheit bis 2030 signifikant zu reduzieren,“ sagt Orellana. „Die Maßnahmen müssen insbesondere Frauen und Mädchen zugutekommen, um ihre Einkommens- und Bildungschancen deutlich zu verbessern. Im Sinne einer feministischen Entwicklungspolitik erwarten wir hier auch von der Bundesregierung beim HLPF entsprechende Vorschläge.“

Hintergrund
Nach zwei Jahren findet das HLPF vom 5. bis zum 15 Juli wieder in Präsenz statt. Dieses Jahr berichten 44 Staaten über den Umsetzungsstand der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) in ihren Ländern. Außerdem werden unter der Überschrift „Building back better from the coronavirus disease (COVID-19) while advancing the full implemenation of the Agenda 2030 for Sustainable Development“ folgende Nachhaltigkeitsziele überprüft: Hochwertige Bildung (SDG 4), Geschlechtergerechtigkeit (SDG 5), Leben unter Wasser (SDG 14), Leben auf dem Land (SDG 15) sowie Partnerschaften zur Erreichung der Ziele (SDG 17).

VENRO (www.venro.org) ist der Bundesverband entwicklungspolitischer und humanitärer Nichtregierungsorganisationen (NRO). Ihm gehören rund 140 deutsche NRO an, die in der privaten oder kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit, der Humanitären Hilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit tätig sind.