Die aktuelle Situation am Milchmarkt bleibt angespannt, da die Anlieferungsmengen weiter über den Vorjahreslinien liegen, die Erlösentwicklung auf globaler Ebene stagniert und die Talfahrt der konventionellen Milcherzeugerpreise von den politisch Verantwortlichen noch nicht als besorgniserregend angesehen wird.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Zukunft kommt allerdings aus Brüssel: Ein Ergebnis der Trilog-Verhandlungen zur gemeinsamen Marktordnung auf EU-Ebene ist, dass Verträge über die Lieferkonditionen nach Art. 148 der GMO zwischen milcherzeugenden Betrieben und Molkereien verbindlich und die genossenschaftlichen Milchverarbeitungsbetriebe zu Änderungen in ihren Satzungen hinsichtlich demokratischer Entscheidungsprozesse bei der Preisbildung verpflichtet werden sollen.
Natürlich ist das Instrument der Verträge nicht das Wundermittel, mit dem alle Probleme des Milchmarktes auf einen Streich gelöst werden, aber es kann ein erster Schritt sein, hin zu einer stärkeren Marktstellung für uns Milcherzeuger und -erzeugerinnen, auch wenn die Widerstände inner- und außerhalb der Bauernschaft gegen eine solche Regelung noch sehr groß sind.
"Wir Milcherzeuger und -erzeugerinnen sind im System bisher >Restgeldempfänger<"
Das System, in dem wir uns seit Jahrzehnten befinden, schnürt uns immer mehr die Luft ab, da bei der Preisgestaltung – von verschwindend wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht transparent von den Erzeugungskosten aus gerechnet wird, sondern wir lediglich „Restgeldempfänger“ sind, die im Nachhinein bezahlt werden. Die Erklärung, dass man da nichts machen könne, weil der Milchpreis eben am Weltmarkt entstehe, und den Rat, doch einfach an der Kostenschraube zu drehen, wenn es nicht reicht, gibt es ebenfalls seit Jahrzehnten gratis dazu.
In Zeiten schnell und teilweise extrem steigender Kosten klingt das wie Hohn, zumal die Preissteigerungen, die wir beim Einkauf von Produktionsmitteln erleben, stets mit Kostensteigerungen begründet werden und sowohl Molkereien als auch Handel ihre Kosten immer in Abzug bringen.
Ebenso desinteressiert und herablassend wirkt die Aufforderung, doch einfach weniger zu produzieren, wohl wissend, dass dies ohne Rahmen oder Regeln und v. a. ohne Informationen über den Markt und die Mengen, um die es gehen soll, noch dazu in einer bereits kritischen Situation wie zurzeit, nicht funktionieren wird. Natürlich sind die Übermengen der Kern des Problems, aber genau deshalb ist es doch sinnvoll, bereits vor der Produktion aus Gründen der Planbarkeit – und damit auch Wirtschaftlichkeit – über die Menge Bescheid zu wissen.
"Wir müssen endlich anfangen, uns gemeinsam Schritt für Schritt zu einer Lösung vorzuarbeiten."
Es ist klar, dass wir als milchproduzierende Betriebe in einem solchen System mehr Verantwortung übernehmen müssen. Für manche mag das ungewohnt oder anstrengend klingen, aber es bietet auch mehr Planbarkeit, mehr Selbstwirksamkeit und damit mehr Lust auf Zukunft. Letzteres ist für mich einer der wichtigsten Aspekte, wenn ich an die jungen Menschen denke, die in die Betriebe einsteigen wollen.
Wir müssen endlich anfangen, uns gemeinsam Schritt für Schritt zu einer Lösung vorzuarbeiten. Dazu müssten aber alle Beteiligten an der Situation der Bauern und Bäuerinnen etwas ändern wollen, was ich bei einigen Vertretern der Verbände und der Politik immer noch nicht sehe.
Möglich ist es. Das zeigen die derzeitigen Diskussionen und Aktivitäten rund um den Benzinpreis.
