Scherbenhaufen vor dem Bundeskanzleramt

Mit einem Scherbenhaufen vor dem Bundeskanzleramt hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM e.V.) auf die anhaltende Krise im Milchmarkt und die Folgen jahrelanger politischer Versäumnisse aufmerksam gemacht.

Im Rahmen der Aktion wurde symbolisch Porzellan zerschlagen und ein Scherbenhaufen gebildet. Jeder einzelne Wurf stand für die Wertschöpfungsverluste in einem Bundesland, die den Milchviehbetrieben infolge wiederkehrender Marktkrisen entstanden sind. Der BDM wollte damit sichtbar machen, welche wirtschaftlichen Schäden die Milchkrise in den Regionen Deutschlands hinterlassen hat.

„Politische Untätigkeit hinterlässt Scherbenhaufen“, lautete die zentrale Botschaft der Aktion. Er steht für Milliarden Euro verlorener Wertschöpfung und vitaler Strukturen in den ländlichen Räumen Deutschlands. Zugleich steht er für zerstörtes Vertrauen vieler bäuerlicher Familien in die politischen Rahmenbedingungen, für zahlreiche Betriebsaufgaben und den Verlust landwirtschaftlicher Existenzen, so der BDM.

„Die wiederkehrenden Krisen auf dem Milchmarkt sind kein Naturereignis. Die Entwicklungen waren auch diesmal wieder absehbar, dennoch wurde weder rechtzeitig gegengesteuert noch auf die Krise wirksam reagiert. Statt die strukturellen Ursachen anzugehen, wird die Verantwortung den Milchviehhaltern zugeschoben“, kritisiert BDM-Vorstandsvorsitzender Karsten Hansen.

Sein Vorstandskollege Manfred Gilch erklärt: „Die Betriebe handeln innerhalb der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die ihnen vorgegeben werden. Wer von den Erzeugern ein anderes Marktverhalten erwartet, muss ihnen auch die notwendigen Instrumente an die Hand geben, um ihre Position im Markt zu stärken. Genau hier aber sehen wir ein zentrales politisches Versäumnis.“

Keine Bereitschaft zur Korrektur

Obwohl die strukturellen Schwächen des Milchmarktes seit Jahren bekannt sind, fehlt nach Ansicht des BDM weiterhin die Bereitschaft, die bestehenden Machtungleichgewichte in der Wertschöpfungskette wirksam zu korrigieren. Maßnahmen wie eine verbindliche Vertragspflicht ohne Ausnahmen für Genossenschaften, die die Verhandlungsposition der Milcherzeuger stärken würde, wurden auf Lobbydruck der Ernährungsindustrie bekämpft, verwässert und abgeschwächt.

„Einen Fehler kann man machen. Wer denselben Fehler aber immer wieder macht und die Folgen als Dauerzustand akzeptiert, darf sich nicht wundern, wenn das Vertrauen schwindet“, betont Karsten Hansen „Viele Milchviehhalter erleben seit Jahren, dass Krisen kommen, Schäden entstehen und Betriebe aufgeben müssen, ohne dass die politischen Rahmenbedingungen grundlegend verändert werden. Der Scherbenhaufen vor dem Bundeskanzleramt steht deshalb nicht nur für verlorene Wertschöpfung, sondern auch für verlorenes Vertrauen in politischen Gestaltungswillen.“

Mit der Aktion richtet der BDM nach eigenen Worten einen klaren Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz und die Bundesregierung. Für einen großen Teil der wirtschaftlichen Schäden, die die aktuelle Milchmarktkrise verursacht hat, komme politisches Handeln bereits zu spät. Wertschöpfungsverluste in Höne von 5 Milliarden Euro haben sich allein in Deutschland längst realisiert, Betriebe geben auf und Vertrauen ist verloren gegangen.

„Noch immer besteht die Möglichkeit, die aktuelle Krise zu verkürzen und eine Markterholung zu beschleunigen. Gleichermaßen wichtig ist, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich ähnliche Entwicklungen künftig nicht in gleicher Weise wiederholen“, erklärt Manfred Gilch. „Jetzt kommt es darauf an, die notwendigen Reformen endlich anzupacken, damit aus dem heutigen Scherbenhaufen nicht die Blaupause für die nächste Krise wird.“

Der BDM fordert deshalb ein Maßnahmenpaket aus akuten Krisenmaßnahmen und strukturellen Reformen:
• Aktivierung des Freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene: Reduzierung nicht nachgefragter Mengen zur sofortigen Stabilisierung des Milchmarktes.
• Verbindliche Verträge vor Lieferung: Klare Vereinbarungen zu Preis, Menge, Qualität und Laufzeit vor der Anlieferung – keine Lieferung ins Blaue hinein.
• Echte Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und Gemeinsamen Marktordnung (GMO).