Gespaltene Biomärkte: Biomilch stabil gut, Bioschweinefleisch unter wachsendem Druck

Marktbeobachtungen von Hugo Gödde +++ Für Betriebe, die auf Bio umstellen wollen, ist es momentan besonders schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen. Denn der Biomarkt, der lange Zeit gute Aussichten bot, hat sich zuletzt sehr unterschiedlich, ja konträr entwickelt, so dass Planungssicherheit und klare Zukunftsperspektiven kaum gegeben sind. Dabei ist aber längst nicht alles so schlecht, wie es manchmal dargestellt wird. So ist der Bio-Milchpreis seit Monaten stabil hoch, was für den überwiegend grünlandbasierten Biosektor und bäuerliche Betriebe (vorwiegend in Süddeutschland) große Bedeutung hat. Auch Bio-Eier werden gesucht. Getreide und Kartoffeln müssen nach der Ernte noch ihren Markt finden. Andererseits stehen die Rindfleischpreise unter Druck und die Schweinepreise sinken seit dem Frühjahr kontinuierlich.

Biomilch mit guten Aussichten  

Am erfreulichsten für die Erzeuger stellt sich der Bio-Milchmarkt dar. Anders als der konventionelle Milchpreis, der seit Herbst dramatisch um ein Viertel abgestürzt ist, liegt der Bio-Milchpreis im ersten Halbjahr mit 65 ct/kg weiterhin auf Vorjahreshöhe. Immerhin brachte 2025 mit 65,9 ct/kg im Schnitt ein absolutes Rekordniveau, so dass die Milcherzeuger, die seit längerem einen Vertrag mit einer Molkerei haben, nicht unzufrieden sind – auch wenn keine völlige Kostendeckung erreicht ist. Der Abstand von Bio zu konventionell beträgt historisch hohe 25 Cent. Dieses Ergebnis ist umso erstaunlicher, als bei Bio bis Mai 7,3% mehr Milch abgeliefert wurde als im Vorjahr. Während ähnliche Mehrmengen bei der konventionellen Milch den Preis zum Absturz geführt haben, bleibt Bio hochpreisig. Der Anteil der Biomilch an der gesamten Milcherzeugung liegt unverändert bei 4,6% mit Bayern (9%) und Ba-Wü (8,6%) als Spitzenreiter. Von der vielbeschriebenen Konsumflaute für hochwertige Produkte ist Biomilch bisher verschont geblieben. Aktuell nehmen die Molkereien zwar kaum Neueinsteiger auf, aber die Marktexperten der Verbände und der Kammern erwarten für die nächsten Monate eine stabile Entwicklung. Sorgen bereiten den südlichen Erzeugern dagegen die verschärften Auflagen zur Weidehaltung, die demnächst kommen sollen (Übergänge?). Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. In der Luft hängen zurzeit die Umsteller.      

Bio-Schweinemarkt intransparent und turbulent

Gänzlich anders verläuft der Bio-Schweinemarkt. Nachdem über viele Jahre Ökoschweine knapp und gefragt waren und der Preis von 3,70 €/kg (Anfang 2020) nach und nach auf 4,74 €/kg im März 2026 gestiegen war, brach zur Überraschung vieler Experten im Frühjahr mit der Preissenkung einzelner Handelsketten der Markt ein. Seitdem sind „plötzlich“ Bioschweine im Überfluss vorhanden. Besonders nicht über Verträge (Erzeugergruppen) preislich abgesicherte Tiere finden kaum noch Absatz, vagabundieren auf dem Markt und drücken das gesamte Preisniveau. Die Sommerferien verfestigen die Absatzkrise, zumal die Tiefkühlläger voll sind und die schlachtreifen Schweine sich stauen. Auch der Preis für die lang gesuchten Ferkel verfällt zusehends. Wie lange und wie heftig der Absturz weitergeht, ist unter Experten umstritten – von drei bis zwölf Monaten reichen die Vorhersagen. Mit aktuellen 4,40 €/kg scheint der Boden noch nicht erreicht.

Als besonders problematisch stellt sich in dieser Phase die mangelhafte Transparenz des Marktes heraus. Einzig die AMI als führender Berichterstatter der Szene hat einen gewissen Einblick in die Preisbildung, indem sie die Erzeugerorganisationen und Schlachthöfe auf freiwilliger Basis abfragt. Damit werden aber nur gut die Hälfte der Schweine erfasst. Außerdem ist die Differenz selbst in der gleicher Qualitätsklasse enorm hoch. Schweine der Kategorie „E“ werden zurzeit zwischen 4,00 und 5,00 Euro bezahlt, was an der Glaubwürdigkeit der Zahlen zweifeln lässt.

Import steigt und wird billiger

Einig sind sich alle Marktkenner, dass der wachsende Anteil der importierten Ware der Hauptgrund für die Überschüsse bzw. den Preissturz ist. Die ausländische Ware wird aber weder mengenmäßig noch preislich in den Marktberichten erfasst. Da aus amtlichen (auch BÖLW-)Statistiken hervorgeht, dass schon in 2025 etwa ein Drittel des Schweinefleisches importiert wurde, verbleibt ein steigender Anteil nicht preisdefinierter Ware. Neben den langjährigen Lieferkontakten nach Holland und Dänemark drängen nun auch Spanien, Belgien, Frankreich oder Polen auf den größten EU-Biomarkt Deutschland – und zwar zu deutlich niedrigeren Preisen. Besonders die aktuelle spanische Bio-Offensive als Beifang der konventionellen Exportnotlage trägt zum Dumping bei. Die Exporteure der iberischen Halbinsel wildern nach dem Verlust eines erheblichen Teils ihres Chinageschäfts nun (besonders gern) in Deutschland – auch bei Biofleisch.

Beispiel Dänemark: vollständig ruinös

Bei den Einfuhren liegt Dänemark weit an der Spitze. Nach BLE-Angaben kamen im letzten Jahr etwa 70% (=7.000 t) der Importe aus dem nördlichen Nachbarland. Danish Crown, dort fast Monopolist mit ca. 80% der Schweineschlachtungen, organisiert den Biosektor über seine Tochter Friland. Laut Geschäftsbericht lag der Biopreis 2025 bei 3,40 bis 3,70 €/kg, im April 2026 bei 3,66 €/kg. Seitdem ist der konventionelle Preis in Dänemark völlig ins Uferlose auf 1,03 €/kg (Mitte Juli) gefallen, was laut ISN europaweit ein historischer Absturz ist.

Da der Bio-Preis bei Friland an den konventionellen Preis gekoppelt ist, dürfte aktuell der Bio-Schweinepreis bei 2,50 bis 3,20 €/kg liegen (Auskunft wird nur Vertragslandwirten erteilt!). Der Zuschlag für Bio schwankt, manche Beobachter reden jetzt von 1,80 €/kg, was ungewöhnlich hoch wäre – aber trotzdem natürlich vollständig ruinös. Ca. 3,00 Euro in Dänemark, 4,40 €/kg in Deutschland – da kann der Markt nur Purzelbäume schlagen.

Marktspaltung führt zu Doppelstrategie

Diese Zweiteilung des Marktes (heimische vertragsgebundene Ware gegen ausländische Billigware mit niedriger EU-Bio-Qualität) wird vor allem von Verarbeitern (Wurstherstellern), aber auch von einzelnen Handelsketten aufgenommen. Bisher konnten sie die Mischkalkulation aus (teurer) heimischer und (günstiger) Importware zur Margenverbesserung nutzen. Jetzt wird daraus ein überaus lohnendes Geschäftsmodell. Selbst die Bioverbände fragen sich, wieweit das langjährige Bekenntnis der Einzelhandelskonzerne zu deutscher Herkunft und zur Honorierung der Verbandsqualität noch zählt. Die Unübersichtlichkeit am Markt und die reale Zweiteilung befeuern offenbar den Prozess, eine Doppelstrategie zu fahren. Immer mehr gilt die Tendenz, dass Importware verbunden mit günstigem EU-Bio den Markt bedient und den Preis definiert: Hauptsache Bio, egal woher und wie erzeugt.

Den Marktbeobachter erzürnt zudem, dass – so der AMI-Verbraucherpreisspiegel auf Basis des Marktforschers YouGov – der Bio-Schweinefleischabsatz zuletzt sogar „deutlich Aufwind bekommen hat“, aber die günstigen Einkaufspreise nicht an den Verbraucher weitergegeben wurden. Selbst beliebte Aktionsangebote zur Absenkung der Überschüsse wurden zuletzt kaum gefahren. Jedenfalls sollten die Bio-Verantwortlichen angesichts der Erfahrung auf dem Bio-Schweinesektor (anders als bei der Biomilch, wo regelmäßig Preisvergleiche auf Molkereiebene veröffentlicht werden) schnellstens überdenken, die Markttransparenz zu verbessern sowie eine vereinheitlichende Erzeuger-Notierung zu institutionalisieren, getragen von den Erzeugergemeinschaften (ähnlich der konventionellen VEZG). Und zudem den Handel veranlassen, die 5xD-Regelung des konventionellen Schweinemarktes anzuwenden. Sollte das gelingen, hätten die Geschäftsbeziehungen mit dem Handel mehr gebracht als alle bunten Werbetermine.