AbL-Tag der Landwirtschaft diskutiert „Energie versus Lebensmittel vom Acker“

Der Photovoltaik-Ausbau auf Ackerflächen geht unvermindert weiter und wirft Fragen auf. Daher veranstalteten Bauern und Bäuerinnen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland ihren traditionellen Tag der Landwirtschaft in Holzdorf bei Weimar/Thüringen unter dem Motto „Energie versus Lebensmittel vom Acker – oder geht auch beides?“ Mehr als 50 Interessierte aus Landwirtschaft, Verwaltung und Politik diskutierten mit Thüringer Politiker:innen über die Frage, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien gelingen kann, sodass nachhaltige Systeme geschaffen werden und Bäuerinnen und Bauern sowie Kommunen und nicht Investoren hauptsächlich davon profitieren.  

Reiko Wöllert, Landesgeschäftsführer der AbL Thüringen und Bauer aus Haina (Thüringen), erklärt: „Die größte Gefahr des aktuellen Ausbaus von Photovoltaik-Anlagen in der Freifläche besteht nicht im Verlust von landwirtschaftlichen Flächen – für einen großen Verlust von Flächen sorgen weiterhin der Ausbau von Straßen, Autobahnen, Wohn- und Gewerbegebieten. Die Gefahr des PV-Ausbaus besteht im weiteren Anstieg von Pacht- und Kaufpreisen auf landwirtschaftlichen Flächen. Der Anreiz, in landwirtschaftliche Fläche zu investieren, steigt mit dem Photovoltaik-Ausbau weiter an. Es ist bereits jetzt vielen Landwirt:innen nicht mehr möglich, dem Konkurrenzdruck kapitalstarker Investoren auf dem Bodenmarkt standzuhalten.“

Um diesem Problem beizukommen, plant die AbL Mitteldeutschland auch ein Volksbegehren in Thüringen „Heimische Landwirtschaft vor Investoren schützen“. Zudem wurde auf der Veranstaltung auch den Fragen nachgegangen, wie Bäuerinnen und Bauern vom PV-Ausbau profitieren können, wie möglichst wenig Ackerflächen durch PV-Flächen versiegelt werden und wie Agri-PV-Anlagen besser gefördert werden können. Ein Positiv-Beispiel lieferte der Landwirt Henning Kruse aus der Nähe Bremens, der eine Agri-PV-Anlage auf etwa 18 Hektar in Betrieb genommen hat. Zudem wurde auf der Veranstaltung mit verschiedenen agrarpolitischen Vertreter:innen des Thüringer Landtags diskutiert, welche agrar- und energiepolitischen Pläne sie verfolgen.

Reiko Wöllert ergänzt hierzu: „Die Notwendigkeit des Ausbaus von PV-Anlagen für die dringend notwendige Energiewende steht außer Frage. Doch negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft müssen vermieden werden. Dafür gibt es unterschiedlichste Steuerungsmöglichkeiten. Beispielsweise sollten Anreize verstärkt werden, sodass PV-Anlagen insbesondere auf versiegelten Flächen und Dächern installiert werden, um den Druck vom landwirtschaftlichen Boden zu nehmen. Integrierte PV-Anlagen wie Agri-PV sollten gleichzeitig mehr gefördert werden. Die Politik sollte zudem landwirtschaftliche Belange bereits auf der Raumordnungs- sowie später auf kommunaler Ebene in den Planungsprozessen deutlich stärker berücksichtigen.“

Die AbL fordert die politischen Entscheidungsträger:innen dazu auf, ihre Handlungsspielräume und die im Papier „Landwirtschaft & Energiewende - Für einen landwirtschafts- und umweltverträglichen Photovoltaik-Ausbau“ vorgeschlagenen Maßnahmen konsequent zu nutzen.