Förderhöhe für Agroforstsysteme verdreifacht

Die Prämienhöhe für die Öko-Regelung 3 "Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Acker- und Dauergrünland" soll bei der Anpassung der nationalen Regelungen für den GAP-Strategieplan 2026 von 200€/Hektar auf 600€/Hektar angehoben werden. Für den Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFaF) „ein weiterer großer Schritt“ auf dem Weg der kontinuierlichen Optimierung der Förderkulisse für Agroforstsysteme. Es müsse allerdings noch nachgebessert werden, indem auch Planung und Pflanzung eine Förderung erhalten. Ähnlich formuliert es auch die BaumLand-Kampagne.

Die Öko-Regelung (ÖR) soll durch die Prämienerhöhung zur Skalierung der Agroforstflächen beitragen und damit die Bemühungen Deutschlands, den Klimaschutz auch bei den ÖR zu fördern, unterstreichen.

Nachdem der DeFAF bereits im Rahmen eines gemeinsamen offenen Briefes an die Politik, der im Namen der DeFaF-Mitgliedsorganisation auch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und dem Bundesverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) unterzeichnet wurde, im Mai 2023 mit Hinblick auf den Beitrag für den Klimaschutz und die Biodiversität eine Anpassung von 60€ auf 600€/Hektar forderte, ist dieses Szenario nun eingetreten.

Das nun bekannt gewordene positive Signal aus der Agrarministerkonferenz ist nach Ansicht der DeFaF ein weiterer Schritt auf dem Weg der kontinuierlichen Optimierung der Förderkulisse für Agroforstsysteme. Die Einigung der Minister auf die neue Prämienhöhe für die Öko- Regelung 3 sei eine angemessene Unterstützung in der Bewirtschaftung von einfach zu pflegenden Agroforstsystemen. Der davor nötige Planungs- und Pflanzaufwand, d.h. die Anlage, werde allerdings immer noch nicht hinreichend gefördert. „Hier müssen alle Entscheider in der Politik und den Gremien nachsteuern, um unkomplizierte und attraktive Förderprogramme zur Anlage von Agroforstsystemen zu etablieren. Denn eine noch so hohe  Prämie zur Beibehaltung kann nicht effizient wirken, wenn die kostenintensive Planung und Pflanzung nicht auskömmlich unterstützt wird“, heißt es seitens des DeFaF auch mit Verweis auf die Initiative „Agroforst jetzt“. Dort heißt es unter anderem: „Für viele Betriebe ist das initiale finanzielle Investitionsrisiko nach wie vor zu hoch, um Agroforst als wirtschaftlich tragfähige Option in Erwägung zu ziehen.“

Gemeinsam mit dem „Agroforst Jetzt!“-Bündnis setzt sich auch die BaumLand-Kampagne aktiv für bessere Förderbedingungen von Agroforstsystemen ein. Julia Ritsche, Gehölz-Referentin bei der BaumLand-Kampagne, erklärt: „Die Erhöhung ist ein wichtiger Schritt und ein tolles Zeichen, dass die Politik die Bedeutung von Agroforst anerkennt. Doch sie gleicht weder das Informationsdefizit noch die fehlende Rechtssicherheit aus.“ In diesem Zusammenhang sollte auch eine Staffelung der Ökoregelung nach Aufwand und Komplexität erfolgen. Einfache Systeme, wie Pappelanpflanzungen, erfordern deutlich weniger Pflege als komplexere Systeme, wie beispielsweise Obstbäume, die eine Kronenerziehung benötigen, oder Wertholzbäume, die aufgeastet werden müssen. Eine besondere Herausforderung stellen Waldgartensysteme dar, deren Bewirtschaftung einen hohen Arbeitsaufwand erfordert. Zugleich bieten komplexere Systeme oft eine höhere Biodiversität und leisten damit einen größeren Beitrag zum Gemeinwohl. Damit sich mehr Landwirt:innen an anspruchsvollere Systeme trauen, sollten gezielt Anreize geschaffen werden, die diesen Mehrwert belohnen, so die BaumLand-Kampagne.

„Damit die beschlossene Erhöhung ihre volle Wirkung entfalten kann, müssen die Bundesländer jetzt nachziehen und gezielte Beratungs- sowie flächendeckende Investitionsförderungen bereitstellen. Gleichzeitig sollte die neue Bundesregierung das aktuelle Gelegenheitsfenster nutzen und die Mittel für das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) erhöhen. Das ist die Chance, dauerhaft ein unbürokratisches, nationales Sofortprogramm für Agroforst zu schaffen. Andernfalls ist die Umstellung auf Agroforstsysteme für viele Landwirt:innen wirtschaftlich nicht realisierbar“, heißt es seitens der BaumLand-Kampagne.

Ihre Forderungen an die sich bildende Bundesregierung hat die Initiative "Agroforst Jetzt!", bestehend aus mehreren Organisationen aus Landwirtschaft und Zivilgesellschaft, in einem gemeinsamen Aufruf für verbesserte Rahmenbedingungen der Agroforstwirtschaft zusammengefasst, der von Interessierten weiterhin unterzeichnet werden kann.

Termin-HINweis: Am 9.04.2025 von 19:00 Uhr bis 21:30 Uhr findet der Offene Stammtisch der AbL AG Agroforst – mit Betriebsvorstellung, Input und politischer Diskussion – statt mit dem Thema und den Referenten: Agroforst im Grünland: Ran an die Weide- und Milchpolitik!, Betriebsvorstellung Hof Sonnenwald, Prof. Onno Poppinga (Mitgründer AbL, ehemals Universität Kassel) und Ottmar Ilchmann (Vorsitzender AbL Landesverband Niedersachsen).

Die AbL bietet mit der Arbeitsgruppe Agroforst eine kostenfreie Wissensplattform und Vernetzungsmöglichkeit. Interessierte melden sich bitte bei stammtisch[at]agroforst-abl.de an. Informationen zum Agroforstarbeitskreis gibt es auf der Website //www.abl-ev.de/themen/agroforst-und-gehoelze und über den E-Mail-Verteiler info[at]agroforst-abl.de.