"Gentechnik im Bier? Manipuliert - patentiert – undeklariert – Willst Du das wirklich?“ – mit dieser Frage auf einer überdimensionalen Maß Bier wurden die Besucher des politischen Aschermittwochs der CSU in Passau überrascht. Delegierte eines breiten Bündnisses forderten sie auf, sich für gentechnikfreies und patentfreies Bier einzusetzen.
„Haben CSU-Chef Markus Söder und die vielen Besucher des politischen Aschermittwochs der CSU in Passau heute das letzte Mal gentechnikfreies bayerisches Bier getrunken?“ Dies mutmaßt Josef Schmid, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Landesverband Bayern e.V., wenn die EU-Pläne zu den Neuen Gentechniken Realität werden.“ Diese sehen vor, dass es für die allermeisten Neuen Gentechnik-Pflanzen keine Risikoprüfung mehr gäbe, keine Schutzmöglichkeiten vor Gentechnik-Verunreinigungen bei der Saatgut- und Lebensmittelerzeugung und keine Kennzeichnungspflicht auf den Produkten. „Dies würde unsere wertvollen gentechnikfreien konventionellen und ökologischen Märkte und Wettbewerbsvorteile zerstören. Wir alle haben dann keine Wahlfreiheit mehr – wie wir Saatgut und Lebensmittel erzeugen – und auch nicht mehr, was wir essen und trinken. Deshalb fordert die AbL die CSU auf, sich in Brüssel dafür einzusetzen, dass das bayerische Bier und die bayerische Lebensmittelerzeugung gentechnikfrei und patentfrei bleiben müssen!“
Abschließend nimmt Josef Schmid am Aschermittwoch eine aktuelle Lieblingsforderung des CSU-Chefs aufs Korn: „Markus Söder soll doch seine geforderte Stunde Mehrarbeit selbst umsetzen und sich politisch für gentechnikfreies und patentfreies Essen und Trinken in Bayern und Europa einsetzen!“
Auf die Rolle der Konzerne weist Josef Schmidt, Landesvorstand Bioland Bayern, Bio-Landwirt und Metzgermeister hin: „Unter dem Etikett des Fortschritts verbergen sich neue Risiken, wachsende Abhängigkeiten und der Einfluss großer Konzerne – auf unsere Felder und letztlich auf unsere Lebensmittel. Aus der Vergangenheit wissen wir, wie schwer es ist, sich aus solchen Abhängigkeiten zu befreien – diese Erfahrung haben wir bei der digitalen Infrastruktur oder der Energieversorgung schmerzlich gemacht. Warum glauben wir, dass dieses Mal gut geht? Wenn Konzerne erst einmal die Kontrolle über Saatgut, Patente und damit über zentrale Teile unserer Ernährungssouveränität erlangt haben, wünscht man sich dann wieder vergeblich die gute alte Zeit mit seinem reinen bayerischen Bier zurück. Wir fordern die bayerischen CSU-Abgeordneten im Europa-Parlament auf, sich nicht von den vagen Versprechungen einer neuen und noch wenig erforschten Technologie blenden zu lassen, sondern standhaft für Transparenz, Tradition und den Schutz regionaler Betriebe einzutreten.“
Thorsten Block vom Biokreis kommentiert: „In diesen geopolitisch schwierigen Zeiten sprechen viele von strategischer Souveränität. Wenn wir das ernst meinen, dürfen wir die Grundlage unserer Ernährung – Saatgut und seine Vermehrung – nicht in die Hände einiger weniger großer Konzerne legen. Außerdem muss die Kennzeichnung erhalten bleiben – Verbraucher und Verbraucherinnen haben ein Recht auf Transparenz & Wahlfreiheit. Erst 2019 hat Bayern gehandelt und den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verboten – die CSU muss sich jetzt dafür einsetzen, dass der Entwurf so nicht durch das europäische Parlament Ende April kommt.“
Das sieht auch Andreas Felsl, Landesvorsitzender der Katholischen Landvolk Bewegung (KLB) Bayern, so: „Der Gesetzentwurf ist so, wie er aktuell vorliegt, untragbar! Er ist aus naturwissenschaftlicher, ökonomischer und ethischer Sicht nicht zustimmungsfähig. Wir erwarten, dass die Abgeordneten des Europaparlaments dieses Gesetz ablehnen!“
Und Thomas Lang, 1. Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ), erklärt: „Ökologische Landwirtschaft arbeitet gentechnikfrei. Wir sind überzeugt, die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft angesichts von Klimawandel, Artensterben und degenerierten Böden steht, auf nachhaltige Weise bewältigen zu können – anstatt durch eine Aufweichung des bestehenden Gesetzes den Profit großer Saatgutkonzerne zu maximieren und neue Abhängigkeiten zu schaffen. Die bayerischen VertreterInnen in Brüssel müssen sich dafür einsetzen, dass die ökologische sowie die konventionelle, gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft in Bayern weiter bestehen können! Bäuerinnen und Bauern wollen nicht von Agrarkonzernen abhängig sein, Verbraucherinnen und Verbraucher genauso wenig. Echte Wahlfreiheit und keine Patente, das fordern wir.“
Folgende Organisationen waren in Passau dabei: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Landesverband Bayern e.V., Biokreis e.V., Bioland Bayern, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. Landesteam Bayern, BUND Naturschutz in Bayern e.V., Demeter Landesverband Bayern e.V., Greenpeace München, Interessengemeinschaft Nachbau, junge AbL Bayern, Kein Patent auf Saatgut!, Katholische Landvolk Bewegung (KLB) Landesverband Bayern, Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) e.V., NaturFreunde Bayern, Rapunzel Naturkost, Slow Food München, TAGWERK e.V., Zivilcourage.
