Meldungen von Märkten, Handel und Vermarktern

Die Düngerpreise fallen – was tun? ++ Die Frachtraten bleiben künstlich hoch ++ Wer hat die meisten Rinder und Schweine im Land?

 

Die Düngerpreise fallen – was tun?

Seit dem letzten Herbst stiegen die Düngerpreise unaufhörlich. Durch den Ukraine-Krieg bekamen sie noch zusätzlich Auftrieb. Der wichtigste Stickstoffdünger Kalkammonsalpeter (KAS) explodierte geradezu von ca. 250 € je Tonne im Sommer 2021 über 650 Euro vor Weihnachten auf 950 €/t im März – fast das Vierfache. Seit April hat sich der Wind gedreht. Seitdem ist KAS um 300 Euro gesunken auf „Vorkriegsniveau“. Die Preise für Harnstoff sind ebenfalls abgestürzt. Am Spotmarkt wurde der Flüssigdünger AHL mit ca. 640 €/t notiert gegenüber 880 Euro im März.

Dagegen sind Phosphordünger und Kornkali unverändert hoch bewertet. Kali steigt sogar noch, obwohl er bei uns ausreichend vorhanden ist. Weltmarktpreise lassen grüßen.   

Der Handel ist der Meinung, dass damit ein neuer Bodensatz erreicht ist. Viele Landwirte hoffen jedoch auf weitere Abschläge. Was ist zu tun? Kaufen oder noch länger warten?

Grund für den (teilweisen) Absturz ist der gesunkene Gaspreis, der wichtigste Kostenfaktor zur Stickstoffproduktion. Zwar ist er im langjährigen Vergleich immer noch sehr hoch, aber 20-25% niedriger als im April. Entscheidend ist aktuell die Rolle Russlands, des wichtigsten Düngerproduzenten mit 13% Weltanteil. Die russischen Unternehmen würden nach eigenen Aussagen zwar ihre Exportverträge erfüllen wollen, aber die Sanktionen lassen es nicht zu. Immerhin haben sie nach US-Angaben einen Anteil an den globalen Ausfuhren von 23% bei Ammoniak, 14% bei Harnstoff und 21% bei Kali.

Krise gebiert Krisengewinnler

Ein weiterer Grund für die fallenden Düngerpreise ist nach Aussagen von Marktanalysten die Kaufzurückhaltung der Landwirte angesichts der Rekordpreise. Der „Käuferstreik“ in der EU, aber auch in Brasilien und den USA drückt die internationale Nachfrage.

Wahrscheinlich wäre der Preis noch eher oder auch stärker gefallen, analysieren die Experten der Rabobank, wenn der Markt nicht nur von ganz wenigen Unternehmen beliefert würde, die an wenige Importeure verkaufen und maximale Kontrolle über die volatilen Preise ausüben.

Zumeist hängen die Düngerpreise mit dem Preisniveau der Agrarrohstoffe zusammen. Die globale Düngemittelindustrie sei gut positioniert, sagen die Analysten, und geschickt genug, Landwirten die Margen zu „stehlen“, wenn mal die Rohstoffe wie Getreide ansteigen. Die Düngemittelindustrie erhöhe dann einfach den Düngemittelpreis.

Die Versorgung mit Kali und Phosphat werde in einer sehr kleinen Gruppe von Lieferanten zusammengefasst, und die Preise würden durch bilaterale Verhandlungen festgelegt, da es keinen zentralen und transparenten Markt gäbe. Auch bei Stickstoff fehle ein zentraler Marktplatz.

Sicherlich ist die aktuelle Situation nicht normal und von großer Unsicherheit geprägt. Aber das ist immer die Stunde von Spekulation und Risikogeschäften.  Jedenfalls nutzt das zurzeit die Industrie bereitwillig aus, wenn man die Rekordspannen von Yara oder K+S sieht (s. Nachricht v. 2.5.22). Auch in den USA berichten Konzerne wie Nutrien Ltd. von „herausragenden Gewinnen“ trotz höherer Energie- oder Logistikkosten. Sie profitieren vor allem von den Sanktionen gegen ihre Konkurrenten und stopfen die Lieferlücken – natürlich mit kräftigen Preissprüngen.

Der Marktbeobachter meint, für die Bäuerinnen und Bauern bleibt nichts anderes als aufzupassen. Kaufen, abwarten oder Risiko splitten. Oder noch besser – die Abhängigkeit vom unkontrollierbaren Märkten reduzieren. Das ist doch in der gesamten Wirtschaft das Gebot der Stunde.

 

Die Frachtraten bleiben künstlich hoch

Für die trotz sinkender Nachfrage weiterhin hohen Container-Frachtraten haben deutsche Nonfood-Manager wenig Verständnis. Es besteht der Verdacht der künstlichen Verknappung seitens der Reedereien, berichtet die Lebensmittelzeitung (LZ) als Nachlese ihres Nonfood-Kongresses.

Demnach rechneten Metro-Manager Michael Ciesielski und Social-Chain-AG-Mitinhaber Ralph Dümmel an Beispielen großvolumiger Artikel wie Gartenmöbel vor, dass die hohen Transportkosten den Verkauf unwirtschaftlich machen. Die Spotmarkt-Raten für 40-Fuß-Container waren von ca. 2 000 Euro in 2019 auf zwischenzeitlich bis 15 000 Euro gestiegen und liegen aktuell zwischen 8 000 und 10 000 Euro. Die Lieferströme sind wegen der Zero-Covid-Politik Chinas, der vor Shanghai wartenden Schiffe und der Staus vor europäischen Häfen bereits gestört. Schon das bedeute Verspätungen von 17 bis 32 Tagen.

Für zusätzlichen Unmut sorgen laut LZ aber in der vergangenen Woche bekannt gewordene Ankündigungen großer Reedereien, bis zu einem Drittel ihrer Kapazitäten vorübergehend aus dem Angebot zu nehmen. Maersk, MSC, CMA CGM und die anderen in drei globalen Allianzen verbundenen Reedereien betreiben laut dem Shipping Media Portal Splash sogenanntes Blank Sailing, schreibt die LZ. Eine Strategie, durch Kapazitätsreduzierung die Raten hoch zu halten.

Während Importeure und Händler laut LZ unter der Situation weiter leiden und Mehraufwand betreiben müssen, sind die Reeder global Gewinner. Der deutsche Großreeder Hapag Lloyd hat nach einem schon glanzvollen Jahr 2021 mit 22,3 Mrd. Euro Umsatz und 9,4 Mrd. Euro Gewinn die Quote im ersten Quartal 2022 noch steigern können. Von 7,98 Mrd. Euro Umsatz (+10 Prozent gegenüber Vorquartal) blieben 4,17 Mrd. Euro Gewinn übrig – mehr als 50%.

In den USA untersucht die Federal Maritime Commission (FMC) die Entwicklung unter Kartellgesichtspunkten. Offiziell heißt es, dass die zehn größten Carrier, die 85 Prozent des Weltmarktes beherrschen, 2021 zusammen 150 Mrd. US-Dollar Gewinn erzielt haben, neunmal mehr als im Jahr zuvor. Auch EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager beobachtet die Reeder, die nach EU-Recht derzeit eine Gruppenfreistellung genießen, die vor kartellrechtlichem Einschreiten schützt.

 

Wer hat die meisten Rinder und Schweine im Land?

Dafür braucht man heute kein Spieglein mehr zu befragen. Ein Blick in die Statistiken reicht. So ist mit Abstand die größte Rinderhalternation Indien mit 305 Mio. Tieren vor Brasilien mit 252 Mio. Rindern. Es folgen China mit 95 Mio. vor den USA mit 94 Mio. Rindern. Auf Rang 5 ist Argentinien mit 53 Mio. eingestuft, weit vor Australien mit 23 Mio. Deutschland liegt mit 11 Mio. Tieren auf Platz 10, dazwischen stehen noch Russland, Mexiko und als größtes EU- Land Frankreich mit 17 Mio.

Weltweit leben etwa 1 Mrd. Rinder auf der Erde. Wieviele davon wirklich auf der Weide grasen, sagt die Statistik nicht.

Bei den Schweinen sieht es anders aus. China ist nach Berechnungen der EU für 2021 mit großem Vorsprung Weltspitzenreiter mit 407 Mio. Schweinen. Bedenkt man, dass etwa 750 Mio. weltweit gleichzeitig gehalten werden, wird deutlich, dass mehr als jedes zweite Schwein im Reich der Mitte lebt. Es lässt sich leicht erkennen, dass China den globalen Markt für Schweinefleisch dominiert. Kränkelt das China- Schwein oder ist es „frohwüchsig“, reagiert der globale Schweinepreis.

Aber aus den Ställen für gut 400 Mio. Schweinen kommen nur etwa 530 Mio. Schweine zur Schlachtung, während in Europa und den USA gut zwei Tiere pro Stallplatz im Jahr gemästet werden, weil die Wachstumsleistung je Tier hier deutlich höher liegt. Sollten die Chinesen eines Tages (und daran wird intensiv gearbeitet) internationale Leistungsstandards erreichen, wird die Schweinemarkt noch einmal anders aussehen. Aber erst einmal ist Pekings Planziel in der Schweinehaltung erreicht, so dass die Einfuhren in diesem Jahr stark einbrechen – in den ersten vier Monaten um 60%.

Hinter China belegen die USA mit 77 Mio. Schweinen auf Rang 2 vor Brasilien mit 37 Mio. und Spanien mit 34 Mio. Tieren. Deutschland liegt mit 24 Mio. hinter Russland 26 Mio. auf dem sechsten Platz.

Noch vor kurzer Zeit war die hiesige Produktion Schweinefleisch-Europameister und zeitweise gar Exportweltmeister. Aber diese Zeiten sind vorbei und gehören schon zur Geschichtsschreibung.