Kommentar: Wirken in Köpfen, Strukturen und Herzen!

Ganz enthusiastisch sind wir Anfang des UN-Jahres der Frauen in der Landwirtschaft gestartet.
Die Erklärung „Nicht nur ackern, auch entscheiden!“ wurde verfasst und von einem breiten Verbändebündnis und über Social Media „gespielt“. Die AbL Niedersachsen/Bremen schaffte es – in einer Kooperation mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und der Konföderation der evangelischen Kirchen – zwei tolle Tage bzw. Tagungen und ein Rahmenprogramm für internationale Gästinnen auf die Beine zu stellen. Aber hat das für die Bäuerinnen irgendwas verändert? Der Alltag mit all der Care-Arbeit auf dem Hof und für die Familie muss(te) weiterlaufen.

"Es geht um die stetige, vielleicht häufig gar nicht sofort erkennbare Veränderung"

Mir ist durch diverse Gespräche mit Menschen in Haupt- und Ehrenamt, diese intensiven Tage mit den afrikanischen Bäuerinnen und auch durch meine Situation auf einem viehlosen Bioland-Betrieb mit Direktvermarktung, Bauernhofpädagogik, Konfliktpotential rund um Generationsthemen und noch vielem mehr klar geworden, dass es um die stetige, vielleicht häufig gar nicht sofort erkennbare Veränderung geht. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Immerhin hat sich 2026 sogar das Landvolk Niedersachsen bemüßigt gefühlt, eine imaginäre, recht klischeehafte Bäuerin mit langen, blonden Zöpfen und Latzhose in Umlauf zu bringen und sprechen zu lassen; allerdings KI-generiert, wohl mangels sogenannter weiblicher „Role Models“ in der Führungsebene?! Oder schauen wir auf die Landwirtschaftskammer hier, die häufig doch nicht unbedingt bekannt ist für gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungsebenen. Dennoch hat sie es geschafft, ein „Sommerfest für Frauen, die Landwirtschaft bewegen“ zu organisieren.
Aber dann kommen mir doch einige Zweifel … Kommentare zu den letzten Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin lassen mich darüber nachdenken, ob der Fokus nicht mehr auf das Thema Demokratie stärken oder gar verteidigen gelegt werden sollte, wenn ich möchte, dass politische Entscheidungen zukünftig nicht von wenigen – wirklich nicht der Gleichberechtigung gegenüber positiv eingestellten Menschen – getroffen werden.
Und auch all die anderen so wichtigen Themenfelder wie Klimakrise, Dürresommer, schlechte Erzeugerpreise in eigentlich allen Bereichen sollten bearbeitet werden…

"Die Stärkung von Frauen ist eine Grundvoraussetzung für soziale Teilhabe, starke Demokratie und wirtschaftliches Wohlergehen im ländlichen Raum!"

Aber ich „kümmere“ mich jetzt erstmal um dieses Thema: Sichtbarkeit von Frauen in Gremien auf kleiner und größerer Ebene und versuche dabei die weibliche Sicht einzubringen und hoffe, damit einen essentiellen Beitrag für offene, vielfältige und attraktive ländliche Räume sowie regionale Wertschöpfungsketten und ausreichende ländliche Infrastruktur zu leisten. Finanzielle Mittel zur Entwicklung des ländlichen Raumes, z. B. in der GAP, und zur Stärkung der Demokratie müssen gesichert und ausgebaut werden. Ja, und da schließt sich der Kreis: Die niedersächsische Herbsttagung im Emsland am 22. November zu genau diesem Thema muss organisiert werden.
Also das eine tun und das andere nicht lassen – die Stärkung von Frauen ist eine Grundvoraussetzung für soziale Teilhabe, starke Demokratie und wirtschaftliches Wohlergehen im ländlichen Raum!