Frauen leisten weltweit einen unverzichtbaren Beitrag zur Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Gleichzeitig mangelt es für sie an Zugang zu Land, Kapital, Förderung und unternehmerischer Verantwortung. Wie lassen sich diese strukturellen Benachteiligungen überwinden? Und was können Frauen aus Niedersachsen, Kenia und Tunesien dabei voneinander lernen?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt der vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen, der Konföderation der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und dem Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. anlässlich des von den Vereinten Nationen für 2026 ausgerufenen Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft organisierten Veranstaltung „FRAUEN. LANDWIRTSCHAFT. ZUKUNFT. Von Afrika bis Niedersachsen: Frauen gestalten das Land“ in Hannover. Neben Vertreter:innen der genannten Organisationen berichteten auch die Bäuerinnen Mary Obara aus Kenia und Souad Mahmoud aus Tunesien über die Situation von Frauen in der Landwirtschaft und darüber, welche politische Rahmenbedingungen notwendig sind, um diese zu verbessern.
„Frauen leisten einen unverzichtbaren Beitrag in der Landwirtschaft“, erklärt Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte. Gleichstellung ist für sie „keine zusätzliche Aufgabe neben der Agrarpolitik, sondern ein Bestandteil guter Agrarpolitik. Frauen müssen gleichberechtigt Zugang zu Land, Kapital, Förderung und Wissen haben und an Entscheidungen beteiligt sein. Das ist eine Voraussetzung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.“
Faire Rahmenbedingung fordert Anika Berner, Co-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen, und benennt auch konkrete Ansatzpunkt:
„Frauen übernehmen auf landwirtschaftlichen Betrieben Verantwortung und gestalten die Entwicklung der Höfe mit. Diese Realität muss sich auch bei Eigentum, Mitbestimmung und Hofübernahmen widerspiegeln. Dafür brauchen wir faire Rahmenbedingungen und gleiche Chancen.“ Es müssen Zugangsbarrieren beseitigt und Frauen unterstützt werden, Betriebe zu übernehmen und Führungsverantwortung zu tragen – ohne dass dies in Konkurrenz zu persönlichen Lebensentscheidungen steht. Dazu zählen z.B. eine besondere Berücksichtigung von Frauen bei den Direktzahlungen, bei der Existenzgründungsförderung, aber auch ein besserer Mutterschutz (im Falle von Selbstständigen) und eine gute Kinderbetreuung.
Für eine nachhaltige, gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft setzt sich laut Dr. Barbara Hartung vom Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. auch ihre Organisation sein. „Gerade in der Landwirtschaft ist die Produktions- und Innovationskraft von Frauen unverzichtbar. Deshalb ist es höchste Zeit, dass sie an Entscheidungen über Ressourcen und Prozesse gleichberechtigt mitwirken“, so Hartung.
Den Handlungsbedarf in Deutschland unterstreichen auch die aktuellen Zahlen: Untersuchungen zeigen, dass lediglich 24 Prozent der Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiten, einen Teil oder das gesamte Eigentum an Flächen und Gebäuden besitzen. Und nur rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe werden von Frauen geleitet.
Ähnlich sind die internationalen Zahlen. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sind weltweit rund 38 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Frauen. Gleichzeitig sind weniger als 15 Prozent der Landbesitzenden Frauen.
"Nur sehr wenige Frauen in Kenia besitzen Land. Dadurch können sie sich keinen langfristigen Wohlstand schaffen. Zudem fehlen ihnen Sicherheiten für Bankkredite", sagt Mary Obara aus Kenia. Sie ist Bäuerin und arbeitet zugleich als Programmkoordinatorin eines Projektes des Lutherischen Weltbundes in Kenia und Somalia. Sie baut Gemüse an und hält Rinder und Hühner.
Mehr als eine „formale Gleichstellung“ mahnt Souad Mahmoud aus Tunesien an: "Wir müssen über formale Gleichstellung der Frauen hinausgehen. Frauen brauchen Zugang zu Land, zu Kontrolle, zu Saatgut, zu Wasser, zu Macht und zu Krediten." Sie ist Kleinbäuerin und Agraringenieurin aus Tunesien und engagiert sich international für die Rechte von Bäuerinnen, Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltige Ernährungssysteme.
In der Veranstaltung ist deutlich geworden, dass Frauen in den verschiedenen Ländern (hier Tunesien, Kenia und Deutschland) ähnliche Probleme haben, wenngleich es auch Differenzen gibt. Frauen sind einer Dreifachbelastung ausgesetzt: landwirtschaftliche Arbeit, Hausarbeit und Sorgearbeit. In den Forderungen zu einer Verbesserung der Situation für Frauen in der Landwirtschaft geht es um Rechte, Ressourcen und Repräsentation. Erforderlich ist eine Transformation des Ernährungssystems nach den Grundsätzen der Ernährungssouveränität und mit Anwendung agrarökologischer Prinzipien.
Niedersachsen will, so heißt es aus dem Ministerium, die strukturellen Rahmenbedingungen für Frauen in der Landwirtschaft stärker in den Blick nehmen. Dazu gehört insbesondere der Zugang zu Land und Kapital, die Vereinbarkeit von Familie und Betriebsführung sowie die soziale Absicherung selbstständiger Unternehmerinnen. Auch bei der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik sollen die besonderen Bedarfe von Frauen stärker berücksichtigt werden.
