Butterpreise unter einem Euro

Der Discounter Lidl hat als erster den Preis für ein Päckchen Butter auf unter einen Euro gesenkt und damit nach eigenen Worten Butter so günstig wie zuletzt vor fast zehn Jahren gemacht. Reaktionen darauf blieben nicht aus. Der Landesbauernverband Schleswig-Holstein fordert, dass der Preiskampf der Discounter auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern umgehend beendet werden muss. Der LsV kündigt Proteste bei Lidl an. Nachvollziehbar und unterstützenswert findet die AbL Protest von Bäuerinnen und Bauern, kritisiert aber auch die Haltung des Bauernverbandes, der sich Veränderungen an den marktpolitischen Rahmenbedingungen regelmäßig widersetzt und auch jetzt lediglich den LEH zum Handeln auffordert. Nicht an den angekündigten Protesten beteiligen will sich der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, der nicht den LEH sondern die Politik in der Pflicht sieht und das unter anderem mit einem Argument zu Übermengen, das der Bauernverband „haltlos“ nennt (siehe gesonderte Meldung).

Mit Blick auf die Preissenkung teilt Lidl mit: „Für diese Preissenkung verzichtet Lidl bewusst auf Marge, um durch eine höhere Absatzmenge die Milchbauern zu unterstützen. Damit gibt Lidl sinkende Rohstoffpreise weiterhin konsequent und direkt als Preisvorteil an seine Kunden weiter - ohne Nachteile für die Milchbauern.“ Seit Jahresbeginn hat der Discounter den Butterpreis nach eigenen Angaben von ursprünglich 2,25 Euro um rund 56 Prozent reduziert.

Lucht: Verschleudern nicht nachvollziehbar

„Der Preiskampf der Discounter auf Kosten unserer Bäuerinnen und Bauern muss umgehend ein Ende finden,“ fordert der Präsident Landesbauernverbands Schleswig-Holstein, Klaus Peter Lucht. „Es ist für uns Landwirte nicht nachvollziehbar, wie ein hochwertiges Produkt wie Milch und die daraus gewonnenen Lebensmittel Butter, Sahne und Käse derart verschleudert werden können. Mit einem Preis aktuell von weniger als 1 Euro für das 250 Gramm Päckchen Butter ist der Preis innerhalb eines Jahres um rund 1,40 Euro gesunken. Dies mit einem Überangebot und sinkenden Rohstoffpreisen zu rechtfertigen, ist ein haltloses Argument.“ In den zurückliegenden Monaten ist die angelieferte Milchmenge laut Lucht nur um 0,6% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (Zeitraum 1. Januar bis 23. November 2025 im Vergleich zu 1. Januar bis 23. November 2024). „Unsere Landwirte wollen in moderne, tierwohlkonforme Ställe investieren, doch bei den aktuellen Auszahlungspreisen rücken diese Pläne in weite Ferne. Der Lebensmitteleinzelhandel muss diese Abwärtsspirale auf Kosten unserer Landwirte und ihrer Tiere beenden und gerade in diesen unsicheren geopolitischen Zeiten auf die Sicherung regionaler Lieferketten setzen. Eine starke heimische Landwirtschaft sichert unsere Ernährungssouveränität“, so der Verbandspräsident.

LSV: „Wir treffen uns bei Lidl.“

Auf Social Media nennt LSV Deutschland anlässlich der Butter-Preissenkungen im Lebensmitteleinzelhandel die Argumentation des Handels „skandalös“ und kündigt an: Wir sind bereit für friedlichen, legalen Protest – auch an Zentrallagern und Logistikstandorten –, wenn es keine ernsthaften Verhandlungen und kostendeckende Preise gibt. „Wir treffen uns bei Lidl.“

AbL: Beispielsweise eine Vertragspflicht für Milch als erster wichtiger Schritt

"Für die AbL ist absolut nachvollziehbar und unterstützenswert, dass die Bäuerinnen und Bauern protestieren wollen. Die Milchpreise drohen stark abzustürzen, der Wert der bäuerlichen Arbeit wird dadurch vernichtet“, erklärt Berit Thomsen, AbL-Referentin für Tierhaltung und Marktpolitik mit Verweis auf die Monopolkommission, die erst kürzlich festgestellt habe, dass Erzeuger:innen und Verbraucher:innen das schwächste Glied in der Wertschöpfungskette sind. „Marktpolitische Rahmenbedingungen wie eine Vertragspflicht für Milch und alle anderen landwirtschaftlichen Erzeugnisse wären ein erster wichtiger Schritt, um die Erzeuger:innen zu stärken und ihnen zu ermöglichen, Preise vor der Lieferung auszuhandeln und neben Laufzeiten auch Mengen dazu festzulegen. Die EU-Kommission bringt wichtige Reformschritte auf den Weg, wird derzeit allerdings von Deutschland ausgebremst. Die Deutsche Politik darf nicht länger dem Deutschen Bauernverband folgen und sich gegen marktpolitische Rahmenbedingungen stemmen", so Thomsen.