Biogasanlagen statt Großkraftwerke

Deutliche Kritik an den vom Bundeswirtschaftsministerium kürzlich vorgestellten Eckpunkten für die geplante Kraftwerksstrategie hat Dr. Thomas Griese, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energie NRW (LEE NRW), anlässlich eines Besuches auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Gut Brockhof im Kreis Soest/Nordrhein-Westfalen geübt. „Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lässt die Biogastechnologie weitgehend unberücksichtigt, obwohl Biogasanlagen als Reservekraftwerke wesentlich preiswerter, umweltweltfreundlicher und schneller in Betrieb sind,“ erklärt Griese und sieht sich durch die Ergebnisse eines von seinem Verband im vergangenen Sommer bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt: „Danach ist die für die Versorgungssicherheit notwendige Flexibilität der Erzeugungsanlagen zu großen Teilen mit dem Ausbau von dezentralen Motoren und stromgeführten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) möglich, die mit Biogas gefeuert werden. Durch den Einsatz von Wärmespeichern kann die Wärme von der Stromerzeugung auch zeitlich entkoppelt werden. Kleine Gasmotoren lassen sich zudem schneller installieren und bei Bedarf auf grünen Wasserstoff umrüsten. Weil diese kleinen Kraftpakete dezentral eingesetzt werden, wird das Stromnetz sogar entlastet.“

Für die künftige Versorgungssicherheit lautet die Botschaft von Thomas Griese „brauchen wir mehr statt weniger Biogasanlagen, und zwar Biogasanlagen, die genauso gemanagt werden wie auf Gut Brockhof. Der von Katherina Reiche verfolgte Weg führt in eine neue fossile Abhängigkeit, die private und industrielle Kunden noch teuer bezahlen werden.“

Thomas Griese besuchte das Gut, um für die dort betriebene Biogasanlage die vom LEE NRW und dem Fachverband Biogas ausgelobte Auszeichnung „Biogasanlage des Monats“ an die Betreiber, die Biogas Brockhof GmbH & Co.KG, zu übergeben. Die Anlage ist fast fünffach überbaut, sprich die ursprüngliche Leistung ist verfünffacht worden.

Auf dem Gut wird der Ökostrom nur noch stundenweise bedarfsgerecht eingespeist, wenn Sonne und Wind nicht genug liefern – dann aber mit fünffacher Leistung. Die anfallende Wärme wird für die Hähnchenställe, die Wohnhäuser und das Betriebsgebäude auf dem landwirtschaftlichen Betrieb genutzt. Derzeit überlegen die Anlagenbetreiber einen weiteren Gasspeicher zu bauen, um die Anlage noch fitter für die Zukunft aufzustellen.
Sehr vorbildlich ist laut LEE NRW außerdem die Aufbereitung des Gärproduktes, durch eine Gärrestverdampfungsanlage, zu Stickstoffdünger, einem gefragten natürlichen Dünger für die Landwirtschaft.
Die Biogasanlage auf Gut Brockhof ist für den LEE NRW eine Blaupause, wie künftig Biogasspeicherkraftwerke landes- und bundesweit betrieben werden müssen.

Das Ministerium hatte kürzlich die Einigung mit der EU-Kommission in Brüssel verkündet, wonach in einem ersten Schritt neue große Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 12.000 Megawatt Leistung ausgeschrieben werden können. Diese Reservekraftwerke sollen in Zeiten sogenannter Dunkelflauten in Betrieb gehen, sprich immer dann, wenn während der Wintermonate nur wenig Wind weht und die Sonne nicht scheint, es aber gleichzeitig einen hohen, kältebedingten Strombedarf gibt.