Ab Mitte Januar 2026 soll es bei Aldi Süd kein Frischfleisch mehr aus der Haltungsform 1 geben. Ausgenommen sind Markenartikel und internationale Spezialitäten. Umwelt- und Tierschützer:innen begrüßen die Ankündigung als weiteren Schritt zu mehr Tierwohl. Sie und Aldi Süd sehen übereinstimmend auch die Politik gefordert. Die Tiergesundheit in den Schweineställen fördern will auch Tönnies und kündigt ein entsprechendes Bonussystem an.
Zum Verzicht auf die Haltungsform 1 heißt es bei Aldi Süd: „Dieser Schritt ist in der Branche einzigartig und ein weiterer erreichter Meilenstein auf dem Weg zum großen Ziel #Haltungswechsel 2030. In gut vier Jahren wird der Discounter nur noch Produkte aus den höheren Haltungsformen 3, 4 und 5 anbieten und so maßgeblich die Weiterentwicklung der Tierhaltung hin zu mehr Tierwohl vorantreiben.“ Der Discounter bezieht sich dabei auf den Umsatz bei Aldi Nord und Aldi Süd in Deutschland mit Frischfleisch der größten Nutztiergruppen Rind, Schwein, Hähnchen und Pute; ausgenommen (internationale) Spezialitäten, mit Trinkmilch der Eigenmarken bzw. mit den Aldi-Eigenmarken aus den Bereichen gekühlte Fleisch-, Wurst- und Schinkenwaren sowie Frikadellen der größten Nutztiergruppen Rind, Schwein, Hähnchen und Pute.
„Mit dem Verzicht auf Frischfleischprodukte aus Haltungsform 1 setzen wir bei Aldi Süd ein klares Zeichen für mehr Tierwohl. Die Nachfrage nach Artikeln aus höheren Haltungsformen wächst stetig und belegt eindeutig: Diesen Weg zu mehr Tierwohl gehen unsere Kund:innen mit. Die Gesellschaft ist bereit für eine tierwohlgerechtere Nutztierhaltung“, sagt Dr. Julia Adou, Director Sustainability bei Aldi Süd.
ALDI SÜD setzt nach eigenen Worten den #Haltungswechsel seit Jahren konsequent um. Mit dieser Transformation und dem klaren Bekenntnis zur deutschen Landwirtschaft biete der Discounter tierhaltenden Betrieben marktseitig Planungssicherheit. Gleichzeitig ist laut Aldi Süd auch die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und zukunftssichere Nutztierhaltung zu schaffen. Dazu gehören für den Discounter die Weiterentwicklung und Ausweitung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG), die Einführung eines langfristigen Finanzierungsinstruments zur Unterstützung von Stallumbauten und damit eine angemessene Förderung für eine tierwohlgerechtere Haltung.
Supermärkte schneller als die Politik
Greenpeace sieht in der Ankündigung von Aldi Süd einen konsequenten ersten Schritt und forderte die gesamte Branche auf, dem Beispiel des Discounters zu folgen. „Die Supermärkte sind beim Tierwohl schneller und entschlossener als die Politik. Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung. Anstatt sich im Kulturkampf Fleisch zu verfangen, muss die Politik jetzt die notwendigen Weichen für den Umbau der Tierhaltung stellen“, erklärt Anne Hamester von Greenpeace.
„Billigfleisch hat keine Zukunft", verkündet der Deutsche Tierschutzbund und begrüßt die Aldi-Ankündigung als ersten wichtigen Schritt. „Er zeigt, dass sich der Handel zunehmend seiner Verantwortung für den Tierschutz bewusst wird. Umso wichtiger ist es, so schnell wie möglich auch Produkte aus der ebenfalls tierschutzwidrigen Haltungsform 2 aus den Regalen zu nehmen. Dieses Fleisch stammt aus denselben geschlossenen Stallsystemen ohne Auslauf und mit nur geringfügig mehr Platz für die Tiere. Aldi Süd, aber auch alle anderen Handelsunternehmen und Discounter, sollten hier konsequent handeln“, so der Tierschutzbund.
Die Entscheidung von Aldi Süd zeige zudem erneut, dass die Bundesregierung mit ihrem Plan für ein staatliches Tierhaltungskennzeichen auf dem falschen Weg ist. „Die Stallsysteme der Stufen ‚Stall‘ oder ‚Stall+Platz‘, die der Haltungsform 1 bzw. 2 entsprechen, dürfen nicht staatlich gesiegelt und damit legitimiert werden. Sie haben keine Zukunft. Was es braucht, sind verbindliche politische Rahmenbedingungen und eine echte Transformation der landwirtschaftlichen Tierhaltung – hin zu Systemen, die den Bedürfnissen der Tiere wirklich gerecht werden“, heißt es beim Tierschutzbund.
Die Tiergesundheit bei Schweinen will der Schlachtkonzern Tönnies fördern, indem Landwirte zukünftig einen Bonus erhalten sollen, wenn ihre Schweine keine Organschäden aufweisen. Ferner sollen ab Februar 2026 Landwirte für jeden intakten Ringelschwanz 10 € pro Tier bekommen.
