AbL NRW ruft wegen der klimawandelbedingten Dürre zur Einhaltung und Nachschärfung der Klimaziele auf

Dürre, extreme Hitze, Waldbrände in vielen Ländern Europas - der Wassermangel ist existenzbedrohend für Landwirtschaft, Menschen und Tiere und die drückende Herausforderung in diesem Sommer. Rund um den Jahrestag der verheerenden, tödlichen Flutkatastrophe an Ahr, Erft etc. sind wir in diesem Jahr mit dem anderen Extrem konfrontiert. Darauf weist der nordrhein-westfälische Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL NRW) hin. Neben der Dürre verursachen Extremwetterereignisse wie zum Beispiel Hagel große Schäden in der Landwirtschaft.

In Süddeutschland und weiten Teilen Ostdeutschlands ist die Situation bereits extrem, in NRW sehr bedenklich, so die AbL NRW. Bäche und Flüsse haben Wassertiefstände, Wasserentnahme in Ruhr, Lenne und Sieg ist verboten, der Rhein ist nur noch eingeschränkt schiffbar. Bäuerinnen und Bauern leiden massiv unter den klimawandelbedingten Veränderungen Dürre, Extremregen, Überschwemmungen.

Für die AbL NRW ist klar: "Nur wirksamer Klimaschutz kann unsere Lebensgrundlagen schützen. Die Klimaziele müssen eingehalten und der Realität der eskalierenden Klimakrise entsprechend nachgeschärft werden", so Ulf Allhoff-Cramer, Vorstandsmitglied der AbL NRW. Jedes Aufweichen des notwendigen Klimaschutzes ist nach Ansicht der AbL NRW ein unverantwortbares Vergehen und gefährdet unsere Höfe, unsere Ökosysteme, unsere Wälder und die Versorgungssicherheit. Leider handele die Politik genau anders - die EU-Kommission weicht im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (ETS) die Klimaziele auf, Großunternehmen beantragen Wasserentnahmerechte für Millionen Kubikmeter.

"Die Energiewende und die Transformation in eine fossilfreie Wirtschaft und Gesellschaft müssen ambitioniert weiter vorangetrieben werden," so Ulf Allhoff-Cramer weiter. "Nur dann wird es uns gelingen eine resiliente Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft zu erhalten. Wir als AbL stehen für Klimaschutz mit bäuerlicher Landwirtschaft!" 

Deutscher Wetterdienst: großes Niederschlagsdefizit

Laut einer am 18. Juli veröffentlichten „hydrologischen Zwischenbilanz“ des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zur Halbzeit des Sommers 2026 zeichneten - besonders im Südwesten Deutschlands ausgeprägte - Hitzewellen und teils schwere Gewitter das Bild des bisherigen Sommers aus. Vor allem im Südwesten Deutschlands gibt es demnach ein großes Niederschlagsdefizit. An den Pegeln von Rhein und Donau wurden für Juli so niedrige Abflüsse registriert wie noch nie.  Überregionale Niederschlagsereignisse waren die Ausnahme. Ein Blick auf die Karte des bisherigen Niederschlags seit dem 1. Juni (siehe Abb.) zeigt die Regionen, in denen bisher kaum Regen fiel. Dies sind vor allem Gebiete im Südwesten und Osten des Landes. Gebietsweise fielen dort erst 30 bis 50 mm. Besonders nasse Regionen waren der Alpenrand und dessen Vorland mit örtlich mehr als 250 mm sowie die Gebiete nahe der Nordsee und im Dreiländereck Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit gebietsweise nahe 200 mm. Grundsätzlich fallen auf kleinem Raum teils große Unterschiede in der Bilanz auf. Diese sind auf kleinräumige, aber kräftige Schauer und Gewitter zurückzuführen.

VEREINIGTE HAGEL: 50 Millionen Euro Schaden innerhalb von 48 Stunden

Nachdem schwere Unwetter mit Hagel, Starkregen und teils schweren Sturmböen am Montagabend, den 13. Juli, vor allem die Nordhälfte Deutschlands getroffen hatten, wurde nur 24 Stunden später der Süden heimgesucht.  Der Spezialversicherer VEREINIGTE HAGEL rechnet mit einer Entschädigung von mindestens 50 Millionen Euro allein für diesen Zeitraum.

An beiden Tagen zogen laut einer Mitteilung des Versicherers die Unwetter in Nordwest-Südost-Richtung. Der erste Strich schloss sich genau an die abgezogenen Unwetter an: Von Calden im Landkreis Kassel über das thüringische Bad Langensalza bis ins Vogtland. Etwas weiter südlich reichten die Unwetter vom Großraum Frankfurt über Würzburg und Nürnberg bis nach Regensburg. Weitere schwere Schäden ereigneten sich auf der Linie Tübingen, Münsingen/Ehingen bis in den Landkreis Ostallgäu.

In Summe stehen laut dem Versicherer in den zwei Tagen über 100.000 ha geschädigte Fläche zu Buche. Neben den besonders empfindlichen druschreifen Weizen- und Rapsbeständen wurden demnach nahezu alle Kulturen getroffen. Klassische Ackerbaukulturen wie Mais, Rüben oder Kartoffeln, aber auch Sonderkulturen wie Wurzel- und Knollengemüse, Zwiebeln, Hopfen oder Wein. Der Versicherer spricht von teils verheerenden Totalschäden. Rapsbestände sähen teilweise aus wie gedroschen, die Pflanzen seien jedoch von Hagel und Sturm regelrecht abrasiert worden.