Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisiert die Ankündigung von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, die bedingungslosen Direktzahlungen in der GAP 2027 aufgrund der extremen Dürre im Sommer 2026 deutlich anzuheben. Die pauschale Aufstockung der Basisprämie für alle Flächen als Reaktion auf schlechte Ernten und Liquiditätsprobleme löst aus Sicht der AbL keine strukturellen Probleme – sie verschärft sie. Kritik an der Ankündigung des Ministers kommt auch vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).
„Es ist gut und richtig, dass betroffene Höfe in dieser Situation nicht alleine gelassen werden. Aber Millionen Euro pauschal auf die Fläche zu verteilen, ist der völlig falsche Weg“, erklärt Bernd Schmitz, stellvertretender Geschäftsführer der AbL und Milchbauer aus Nordrhein-Westfalen. „Neben kurzfristiger Hilfe braucht es Investition in langfristige Prävention. Die für 2027 vorhandenen Mittel müssen daher vorrangig genutzt werden, um Betriebe klimaresilient aufzustellen – durch konkrete Programme und qualifizierte Öko‑Regelungen. Die Notwendigkeit zur weiteren Qualifizierung der GAP wird immer augenscheinlicher. Die Gesellschaft und auch die landwirtschaftlichen Verbände waren hier schon einmal einen Schritt weiter und hatten dies im Jahr 2021 und 2024 bereits gemeinsam in der Abschlusserklärung der Zukunftskommission Landwirtschaft anerkannt. Diesen Weg gilt es weiterzugehen“, so Schmitz.
Die AbL erinnert daran, dass auch der Deutsche Bauernverband (DBV) den Beschluss der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) mitgezeichnet hat, der eine Abkehr von pauschalen Flächenzahlungen fordert. Dennoch hat der DBV nun Bundesminister Rainer darauf gedrängt, die zusätzlichen Mittel vollständig in die Basisprämie zu geben. Gerade dieser Sommer zeige, dass Betriebe sich langfristig auf extremere Klimabedingungen einstellen müssen – dafür brauche es qualifizierende GAP‑Programme statt pauschaler Prämien.
„Die Erfahrungen aus 2018 und den folgenden Dürrejahren zeigen klar: Die damals ausgeschütteten Hilfen galten ausschließlich der kurzfristigen Liquiditätssicherung und haben keine längerfristige Stabilität gebracht. Wer heute wieder ausschließlich Geld auf die Fläche kippt, wiederholt dieselben Fehler“, kritisiert Schmitz.
BÖLW: Das wird keinen Betrieb retten.
Auch der BÖLW kritisiert die Ankündigung des Ministers. „Das Verteilen der Mittel an alle Betriebe wird versickern wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Auf alle verteilt werden die Zahlungen je Hof so gering sein, dass es keinen von Dürre und Missernten gebeutelten Betrieb rettet. Dabei ist klar, dass notleidende Betriebe jetzt Hilfe brauchen! Für die Betriebe wiederum, die dieses Jahr gute Ernten hatten, führt der Zuschuss kaum zu mehr vorsorgendem Klimaschutz“, kommentiert Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Bio-Spitzenverbands, die Ankündigung.
Deutschlands Landwirtschaft brauche Investitionen in effektiven Klimaschutz und Klimaanpassung. „Der Ökolandbau ist eine solche Investition, weil er Wasser auf vielfältige Weise schützt: Er bewahrt es vor giftigen Einträgen. Er hält Wasser besser im Boden, weil Bio-Böden höhere Versickerungsraten haben. Dadurch schützt er sogar nachweislich vor der Überflutung von angrenzenden Siedlungen“, so Röhrig.
