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Rinderpreise im Aufwind ++ Immer mehr Mais nach Mais ++ Deutscher LEH weiterhin Europas Spitzenreiter ++ Schweine für China, Gülle für Argentinien

 

Rinderpreise im Aufwind
Während die Schweinepreise sich weiterhin auf existenzbedrohend niedrigem Niveau bewegen, haben sich die Rinderpreise überrascherweise in den letzten Monaten auf recht hohem Level stabilisiert. Für Bullen des Standards R3 konnten im ersten Halbjahr im Schnitt 3,90 €/kg erzielt werden. Selbst in den eher rindfleischschwächeren Sommermonaten blieben die Preise fest, übertrafen jetzt sogar die 4 Euro. Auch die Kuhpreise (Klasse O3) liegen mit knapp 3,50 €/kg auf einem Rekordniveau. Damit könnte erstmals seit 8 Jahren über 3,00 € im Jahresmittel erreicht werden. Für die Milchkuhhalter ein kleiner Trost, da die Milchpreise trotz leichter Verbesserung immer noch unter Erzeugungskosten verharren.

Im letzten Jahr hatten alle Experten die Coronaauflagen (Gastronomie, Kantinen) als Ursache der schlechten Rinderpreise ausgemacht. Schließlich lagen die Kuhpreise im Juli 2020 etwa 25% unter heute. Aktuell erfreuen sich die deutsche Preise trotz Corona- Beschränkungen nach Aussagen der EU- Kommission eines Spitzenplatzes in Europa, nur hinter den weit führenden Schweden.

Die guten Preise haben nach Meinung von Marktbeteiligten wenig mit den geringen Exporten aus Südamerika zu tun. Europa ist viel problematischer als Argentinien, so ein Westfleisch- Einkäufer. Und für die Zukunft sorgt er sich, dass inzwischen auch das französische Programm „Chateau Boeuf“ beim LEH als Haltungsform 3 gelistet wird, bei dem die Rinder erst auf der Weide und dann im Stall gemästet werden.

Der Marktbeobachter fragt, ob Programmfleisch aus dem Ausland im deutschen Tierwohlmarkt eine Perspektive sein kann. Dabei soll doch im Rindfleischmarkt die 4x D-Regel gelten (in Deutschland geboren, gemästet, geschlachtet, verarbeitet)?

 

Immer mehr Mais nach Mais
Der Anteil der Maisflächen ist in Deutschland auch 2020 wieder gewachsen, auf nunmehr 28% aller Flächen. Und der Prozentsatz der sogenannten „Selbstfolge“, also der Fläche, auf der Mais nach Mais angebaut wird, wachse stetig an, wobei es regional starke Unterschiede gibt. Das teilt das nach Eigenangaben weltweit führende Marktforschungs- und Consultingunternehmen für den Agrarsektor Kleffmann Group im westfälischen Lüdinghausen mit. Schleswig-Holstein sei mit 52% Selbstfolge an der Spitze. Absolut führe aber Niedersachsen mit 250.000 ha und rund 41% der Mais nach Mais-Flächen. Hauptgründe seien der höhere Futterbedarf und die relative Wetterverträglichkeit. In anderen Ländern wie Polen steige der Anteil sogar auf 48%. Das ist mit den Vorschlägen zum EU-Green Deal zu vereinbaren. Eine Erweiterung der Fruchtfolge ist zwingend notwendig.

 

Deutscher LEH weiterhin Europas Spitzenreiter
Was die Engländer für die Fußball-Champions League bedeuten, sind die großen deutschen vier Lebensmittelkonzerne in der Europameisterschaft des Einzelhandels. Absoluter Spitzenreiter ist die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, die europaweit 144 Mrd. Euro umsetzen vor Rewe mit 81 Mrd. und Aldi mit 75 Mrd. €. Hinter Tesco aus England (73 Mrd.) belegt Edeka mit 70 Mrd. € den fünften Platz. Dabei ist Edeka das einzige Spitzenunternehmen, das nahezu den gesamten Umsatz im Inland macht. Auf den weiteren Plätzen folgen die vier größten Franzosen Carrefour, Leclerc, Auchan und Intermarche vor dem holländisch-belgischen Ahold-Konzern („Albert Heijn“).

Noch vor 20 Jahren lagen die französischen Konzerne mit ihrem riesigen „hypermarkt“-Konzept an der Spitze, auch mit ihrer Ausweitung vor allem Richtung Osteuropa. Auch heute hat Carrefour noch 50% Umsatz im Ausland. Aber so richtig will der Export des Unternehmensformats nicht mehr laufen. Rückzüge aus verschiedenen Ländern sind nicht selten.

Die einzigen, bei denen die Internationalisierung wirklich funktioniert hat, sind die Schwarz-Gruppe, die nur noch gut 20% im Inland macht, und Aldi mit rund 40%. In vielen Ländern sind die deutschen Discounter der Konkurrent Nr. 1. Lidl und Aldi, und auch Kaufland greifen auch in der Coronakrise europaweit die Supermarktketten an.

 

Schweine für China, Gülle für Argentinien
Unter diesem Motto protestierten rund tausend Argentinier gegen den Bau von 25 Schweinemastanlagen vor der chinesischen Botschaft in Buenos Aires, berichtet die Tageszeitung aus Berlin. Chinesische Kapitalgeber wollen sie im Norden des südamerikanischen Landes bauen, um ca. 20 Mio. Schweine für den Export nach China zu erzeugen. Damit würde sich die Zahl der Sauen im Andenstaat verdreifachen und der Schweinefleischexport von 7.000 Tonnen auf 1,7 Mio. t ausgeweitet. Die Großmäster sind schon in froher Dollarerwartung, ebenso die Futtermittelindustrie, die ausreichend Soja und Mais zur Verfügung stellen will. Diese Exporterlöse sind für das Land mit einer notorischen Wirtschaftskrise das alles erschlagende Argument. Noch versucht die Klimabewegung zu erreichen, dass das Abkommen auf seine Umwelt- und Klimafolgen überprüft und nachgebessert wird. Aber die Regierung mauert.

Dass China im Rahmen seiner Außen- und Agrarpolitik neue Wege geht, ist keine Neuigkeit mehr. Auch nicht dass Peking vielfältige Lehren aus der katastrophalen Schweinepest von 2018/2020 mit dem Bau gewaltiger Schweineindustrieanlagen, ja ganzer Schweinestädte zieht. Jetzt geht man noch einen Schritt weiter. Man baut Produktionsstandorte im Ausland, um den Import zu reduzieren bzw. zu steuern.

Übrigens: 1,7 Mio. Tonnen ist genau das Volumen, das die gesamte EU im ersten Halbjahr 2021 nach China geliefert hat. Das sind keine guten Nachrichten für die deutsche Schweineexportwirtschaft.

30.08.2021
Von: hg

Dieses Bild zeigt sich beim Besuch der Homepage des chinesischen Schweinekonzerns Muyuan Foods.