AbL: Wochenmärkte für Lebensmittel sind systemrelevant und müssen geöffnet bleiben!

Der Freistaat Sachsen hat mit Hinweis auf eine Allgemeinverfügung vom 22.März die Durchführung von Wochenmärkten verboten. „Die heute verfügte Schließung aller Wochenmärkte in Sachsen ist ein Schritt in die falsche Richtung“, sagt Claudia Gerster, stellvertretende Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL Sachen/Thüringen/Sachsen-Anhalt)). „Sie leisten einen überaus wichtigen Beitrag zur Nahversorgung der Bevölkerung mit gesunden, regionalen Lebensmitteln und bieten einen weitaus höheren Schutz vor Infektionen, als die üblichen Supermärkte, wenn alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Deshalb ist die Schließung aller Wochenmärkte in Sachsen auch fachlicher Unsinn und muss sofort wieder rückgängig gemacht werden!“, so Gerster weiter, die seit vielen Jahren ihre Produkte auf dem Wochenmarkt auf dem Domplatz in Erfurt/Thüringen vermarktet.

„Gerade in diesen Krisenzeiten zeigt sich, wie anfällig hochspezialisierte und auf Globalisierung ausgerichtete Betriebe sind. Dies betrifft in der Landwirtschaft sowohl die Exportorientierung, als auch die Abhängigkeit von Saisonarbeitskräften in Größenordnungen. In diesem Punkt werden scheinbar alle Vorsichtsmaßnahmen zum Infektionsschutz außer Kraft gesetzt und die Saisonarbeitskräfte nach wie vor in einfachsten Massenquartieren mit minimalen Hygienestandards zusammengepfercht. Vor diesem Hintergrund wirkt es doppelt sarkastisch, nun vielen bäuerlichen Betrieben unter eben diesem Vorwand des Infektionsschutzes ihre Vertriebsmöglichkeit zu schließen und sie damit in extreme wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen. Wir fordern den Sächsischen Landwirtschaftsminister in aller Dringlichkeit auf, diesem Unsinn ein Ende zu bereiten!“, so Gerster abschließend.

In anderen Bundesländern verzeichnen Wochenmärkte zum Teil einen deutlich höheren Zulauf infolge der Corona-Pandemie, sie werden „größer und luftiger“.

Der über 800 Mitglieder zählende Verband für handwerkliche Milchverarbeitung (VHM) e.V., in dem überwiegend ökologisch aber auch konventionell wirtschaftende Hofkäsereien, aber auch Privatpersonen und Verbände organisiert sind, schreibt zum Thema Wochenmärkte an seine Mitglieder:
- Im Gegensatz zu Supermärkten, kann die Verkaufsfläche auf Wochenmärkten bei größerem Besucherandrang meistens vergrößert werden. Nutzen Sie die Plätze und Nachbarstraßen, um die Fläche bei Bedarf auszuweiten. Marktstände können dadurch weiter auseinander platziert werden.
- Marktbeschicker können wie in Supermärkten Hinweisschilder und Kundenstopper aufstellen, damit der Sicherheitsabstand zwischen Kunden gewahrt bleibt.
- Einige Städten und Gemeinden weiten das Marktangebot aus, indem weitere Markttage angeboten werden. Auch so lässt sich der Besucherandrang reduzieren.

26.03.2020
Von: FebL/PM

Kreative Lösung zum Umgang mit dem Coronavirus auf dem Wochenmarkt gezeigt im Schleswig-Holstein Magazin des NDR.