VZBV: Jetzt mit einem freiwilligen Tierwohl-Label starten

„Deutschland sollte jetzt mit einem freiwilligen Label starten, statt durch Endlosdiskussionen den Status Quo zu zementieren.“ Das erklärt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv), im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). In einem ersten Schritt müsse jetzt das freiwillige Tierwohllabel kommen. Dabei müsse die Bundesregierung aber einen Fahrplan vorlegen, wie das Label ambitionierter und verpflichtend gemacht werden kann. Und sie müsse sich in der EU für eine verbindliche Kennzeichnungspflicht starkmachen.

„Länder und Industrie dürfen den ersten Schritt nicht weiter verzögern. Wer jetzt auf einem sofort verpflichtenden Label beharrt, wird sich verheben. Das gleiche gilt für den Ruf nach verpflichtenden Herkunftsangaben. Wir sollten die Diskussionen nicht vermischen. Die Verbraucher warten seit Jahren auf ein transparentes, staatliches Siegel. Jetzt gibt es die Möglichkeit und die darf die Bundesregierung nicht verstreichen lassen“ so Müller in der NOZ.

Klöckners Label-Pläne sind für Müller ein „überfälliger erster Schritt“. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in einem Jahr sollte der Weg zu einer EU-weiten Kennzeichnungspflicht geebnet werden. „Überdies muss sich Julia Klöckner viel stärker dafür einsetzen, dass Europas Bauern gefördert werden, wenn sie für mehr Tierwohl sorgen. Das, was die Ministerin in Berlin erzählt, muss sie in Brüssel umsetzen“, so Müller.

„Oberste Priorität“ hatte Müller der Einführung des Tierwohl-Labels zuvor auch im Zusammenhang mit der Diskussion um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch eingeräumt, gleichzeitig aber auch eine verbindliche nationale Nutztierstrategie und hohe gesetzliche Mindeststandards für die Haltung von Nutztieren gefordert. „Bei einer Mehrwertsteuererhöhung auf Fleisch würden Verbraucher draufzahlen, ohne dass etwas für das Tierwohl gewonnen wäre. Viele Verbraucher sind bereit, mehr Geld für Fleisch auszugeben, das aus einer tiergerechten Haltung stammt. Aber Verbraucher wollen sicher sein, dass das Geld dann auch dort ankommt, wo es hin soll. Die oberste Priorität der Bundesregierung sollte es sein, das staatliche Tierwohllabel auf den Weg zu bringen, damit Verbraucher erkennen können, welche Produkte aus besonders tierfreundlicher Haltung stammen. Daneben braucht es eine verbindliche nationale Nutztierstrategie und hohe gesetzliche Mindeststandards für die Haltung von Nutztieren. Damit die Landwirte und Tierhalter die hohen Standards umsetzen und in tierfreundliche Haltungssysteme investieren können, müssen die politischen Vorgaben von einer verlässlichen und langfristig ausgerichteten Förderpolitik begleitet werden“, erklärt Müller.