Auf dem Siebenäckerhof in Unterfranken ist zu viel Wasser schlimm, zu wenig eine wachsende Aufgabe.
Diesen Sommer hat Benedikt Böhm den Sprung in den Haupterwerb gewagt. Und das, nachdem Wetterbedingungen und Ernte im letzten Jahr denkbar ungünstig waren: „Da hatten wir zu viel Wasser im falschen Moment zur falschen Zeit. Wir hatten alle Probleme, die mit zu viel Wasser einhergehen. Das hier ist eine Region, wo es eigentlich nie regnet – da ist viel Wasser eine unvorhersehbare Katastrophe.“ Dieses Jahr präsentiert sich die Witterung für ihn und seinen auf Gemüse- und Obstbau ausgerichteten Betrieb passender. Der Siebenäckerhof liegt in Unterfranken, nordwestlich von Schweinfurt. Durchschnittlich fallen hier 450 mm Niederschlag im Jahr. „Das ist im Vergleich mit vielen anderen Regionen nichts“, erklärt Böhm. „Aber wir haben sehr fruchtbare Böden mit guter Wasserhaltefähigkeit.“
Existenzgründung mit Gemüse
Böhm ist auf dem Hof aufgewachsen, der nach dem Tod seines Großvaters in den 70er Jahren stillgelegt worden war. 2020 begann Benedikt Böhm zusammen mit seiner Frau Eva den Siebenäckerhof als ökologischen Betrieb wieder zu beleben. Für den Wiedereinstieg standen zunächst nur vier Hektar Fläche zur Verfügung. Um diese wirtschaftlich ertragreich zu nutzen, entschieden sie sich für den Anbau von Gemüsekulturen: Kartoffeln, Zwiebeln, Rote Bete, Kürbis. Zusätzlich können sie Streuobstwiesen von der Gemeinde pachten. Per Crowdfunding finanziert richteten sie 2021 einen Hofladen für den Direktverkauf ein. Beide waren nebenher voll berufstätig, Eva unterrichtet an einer Berufsschule und Benedikt ist Landmaschinenvertreter. 2023 gab es plötzlich zwei Betriebe in der Nähe, die ohne Nachfolger ausliefen: 10 km entfernt mit 30 ha Ackerfläche und direkt im Ort 2,5 ha Obstplantage inklusive Hoflädchen. „Mit intensivem Obstbau hatte ich bisher keine Erfahrungen, aber diesen Betrieb gab es schon immer und es wäre schade, wenn der aufhören würde. Irgendjemand sollte das weitermachen. Also warum nicht wir?“ Böhms nutzten beide Chancen. 2024 war das erste komplette Jahr mit der aktuellen Betriebsstruktur. Gerade im Obstanbau sieht der junge Existenzgründer das größte Potential, weil in dem Bereich die Absatzmöglichkeiten im regionalen Biomarkt und die Rentabilität am besten sind. Obwohl dort auch die höchsten Personalkosten entstehen, denn ohne Hilfe in der Saison geht es nicht; zwei feste Mitarbeiterinnen werden den Sommer über beschäftigt.
Wenn Wasser überrumpelt
Bei alldem machen sich Böhms immer wieder Gedanken zum Umgang mit den Anforderungen des trockenen Standorts und die sich verändernden Wetterbedingungen. Im überraschend nassen Jahr 2024 mit Regen von Mai bis Juli und im Spätsommer entschärfte die breit aufgestellte Anbaupalette die Ernteverluste zumindest etwas: Die Druschkulturen ordnet Böhm unter „Katastrophe“ ein. Die Kartoffeln bekam er aber im Oktober noch erstaunlich gut, wenn auch mit Lagerverlusten nach dem Abschlegeln im Juli, aus der Erde – anderen Betrieben waren sie einfach weggefault. Die Gemüseernte war bedingt durch rasant aufwachsendes Beikraut und massiven Schneckenfraß schlecht bis zum Totalausfall. „Mulchgemüse ist eben ein auf Trockenheit ausgelegtes Anbausystem, mit entsprechenden Nachteilen bei zu viel Feuchtigkeit.“ Das Obst brachte trotz früher Blüte mit geringer Bestäubungsleistung und anschließendem Spätfrost eine Ernte, die zumindest annähernd die Kosten deckte.
Gezielte Bewässerung
Dieses Jahr hatte einen typischeren Verlauf: Mai und Juni waren trocken, im Juli gab es Regen. Böhms mussten außer im Gewächshaus nur wenig und punktuell das Feingemüse auf dem Feld per Tröpfchenbewässerung versorgen. „Die Jungpflanzen sind relativ teuer, da ist es wichtig, dass die durchkommen. Insbesondere zum Anwachsen braucht es Wasser, danach gelangen vor allem die Kürbisgewächse weit runter mit ihren Wurzeln und brauchen kein Wasser mehr von uns.“ Doch für die Zukunft sieht Böhm schon einen erhöhten Wasserbedarf, denn „die Anbaubedingungen werden durch zunehmende Wetterextreme nicht besser. Die Trockenphasen werden länger und mittlerweile ist es schon normal, dass wir längere Zeit 30°C und mehr haben. Sommergewitter zwischendurch gibt es dagegen kaum noch. Sommerkulturen werden zunehmend schwerer anzubauen.“ Hinzu kommen neue Herausforderungen: „Wir haben hier Probleme mit der Glasflügelzikade, die Schaderreger auf Kartoffeln überträgt und die sich durch veränderte Klimabedingungen auf einmal hier wohlfühlt.“
Wasser und Ideen sammeln
In Zukunft rechnet Böhm damit, nicht nur im Gemüsebau, sondern gerade auch im Obstbau mehr Wasser zu brauchen. Aktuell fährt er mit Spritztechnik in die Plantage und wird sich demnächst ein 4.000-Liter-Fass anschaffen, um Arbeitszeit und Fahrwege zu reduzieren. Um den Wasserbedarf decken zu können, möchte der Jungbauer mehr Regenrückhaltebecken schaffen. Bisher nutzt er eine alte Güllegrube aus Großvaters Zeiten: „Da passen nur 40.000 Liter rein. Das hilft zwar erstmal weiter, aber irgendwann ist es leer.“ Brunnen zu bauen ist in der Region kaum möglich, weil der Grundwasserspiegel sehr niedrig liegt und weiter sinkt – Genehmigungen sind da nicht mehr zu bekommen. „Weiter südlich in Unterpleichfeld gibt es große Gemüsebaubetriebe für den Würzburger Markt, da haben einige Schindluder getrieben, zu viel Wasser entnommen und bei den Verbrauchszahlen getrickst“, weiß Böhm um den Druck und den Wasserbedarf in der Intensivregion. Eine Möglichkeit für den Siebenäckerhof sieht Böhm darin, auf einer der ortsnahen Obstbaumwiesen ein Regensammelbecken zu bauen, in das die Dachflächen benachbarter Gebäude entwässert werden könnten – wenn das genehmigt wird. Wie es den findigen landwirtschaftlichen Existenzgründern oft zu eigen ist, sucht Böhm engagiert und voller Tatendrang nach eigenen Wegen und neuen Ideen. Seit Anfang August lebt er davon.
Betriebsspiegel Siebenäckerhof:
37 Hektar Anbaufläche:
25 ha Marktfruchtanbau – Weizen, Dinkel, Soja, Sommergerste, Erbsen;
0,5 ha Obst und Gemüse – Kürbis, Wassermelonen, Lauch, Sellerie, Kartoffeln;
Folientunnel – Tomaten, Gurken;
2,5 ha Obstbaumplantage – Äpfel, Birnen, Zwetschgen;
9 ha Grünland, davon 4,5 ha Streuobstwiesen;
120 Zweinutzungshühner (aus ökologischer Tierzucht) im Mobilstall;
Kleiner Hofladen, Selbstbedienungslädchen,
Marktstand, Belieferung Naturkostläden;
Erlebnisbauernhof für Kinder
