Die Dürre 2018 hat sich bei mir eingebrannt. Vom 25. Mai bis weit in den November fiel bei uns in Franken praktisch kein nennenswerter Niederschlag mehr. Ein Drittel unseres Waldes ist abgestorben, der Rest erholt sich bis heute nur mühsam. Das war kein „besonderes Jahr“ – es war ein Vorgeschmack.
Und trotzdem handeln wir politisch noch immer so, als wäre Wasserknappheit ein Randthema. Während sich die Realität auf den Flächen längst verändert hat, steckt die Wasserpolitik vielerorts noch im Denken der vergangenen Jahrzehnte fest: entwässern, ableiten, beschleunigen. Hauptsache, das Wasser ist weg.
Das Ergebnis ist absurd: Nach langen Trockenphasen kommt endlich Regen – und wir sorgen mit den über Jahrzehnte in deutscher Gründlichkeit entwickelten Entwässerungssystemen dafür, dass er möglichst schnell wieder verschwindet. Nicht aus bösem Willen, sondern weil Gräben, Drainagen und wasserwirtschaftliche Vorgaben genau darauf ausgelegt sind. Wer Wasser zurückhalten will, steht alleine da.
"Wer Wasser zurückhalten will, steht alleine da."
Ich habe das selbst erlebt. Nach 2018 wollte ich Wasser auf meinen Flächen halten – und fand keine Beratung, keine Ansprechpartner, kein Konzept. Also habe ich selbst angefangen: Zwei Gräben leiten heute Wasser von einem oberhalb verlaufenden Weg auf meine Plantage. Improvisiert und sicher nicht optimal – aber besser, als das Wasser weiter ungenutzt abfließen zu lassen. Dass landwirtschaftliche Betriebe bei diesem Thema weitgehend auf sich allein gestellt sind, ist ein politisches Versäumnis.
Die Lage spitzt sich weiter zu. Aus dem Winterhalbjahr 2025/26 resultiert in Bayern ein Niederschlagsdefizit von rund 33 Prozent. Rund 90 Prozent der Fließgewässermessstellen sowie 67 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen liegen derzeit im niedrigen Bereich. Das ist keine vorübergehende Schwankung mehr, sondern ein strukturelles Problem.
"Wir brauchen ein flächendeckendes Programm für dezentralen Wasserrückhalt"
Dabei gibt es längst Ansätze, die zeigen, dass es anders geht. Die „Grünen Gräben“ in Franken sind ein erster Schritt: Wasser wird kontrolliert zurückgehalten statt sofort abgeleitet. Doch solche Projekte bleiben bislang Ausnahmen.
Was fehlt, ist ein echter politischer Kurswechsel. Wir brauchen ein flächendeckendes Programm für dezentralen Wasserrückhalt: Mulden, Sickergräben, kleine Weiher, Agroforst – allesamt Rückhaltestrukturen, die Betriebe selbst anlegen und pflegen können. Dafür müssen Hürden abgebaut und Zuständigkeiten endlich klar geregelt werden.
Vor allem aber braucht es Beratung. Viele Maßnahmen wären heute bereits möglich – doch in der Praxis scheitert es oft an Unsicherheit, fehlenden Ansprechpartnern und unklaren Verfahren.
"Die alte Entwässerungspolitik passt nicht mehr zu den Bedingungen der Klimakrise."
Wasser zu managen bedeutet, Überschüsse zurückzuhalten und Trockenzeiten abzufedern – und zwar so, dass auch Starkregen und Überschwemmungen in der Fläche kontrolliert oder abgepfuffert werden können. Genau daran scheitern wir derzeit. Die alte Entwässerungspolitik passt nicht mehr zu den Bedingungen der Klimakrise.
Wenn wir weiter jeden Niederschlag möglichst schnell aus der Landschaft ableiten, verlieren wir genau das, wovon Landwirtschaft und funktionierende kleine Wasserkreisläufe abhängen: Wasser in der Fläche. Es geht längst nicht mehr nur um Wasserwirtschaft – es geht um die Zukunft unserer Landwirtschaft und unserer Gesellschaft.
