Wenn ich an Wasser in der Landwirtschaft denke, dann denke ich als erstes an fehlenden Niederschlag. Dieses Frühjahr bis zum Frühsommer hat es fast gar nicht geregnet. Besonders hier auf den Sandböden in Brandenburg haben wir schnell die Folgen davon gemerkt.
Wir fingen an die Kühe auf den Weiden zuzufüttern, weil auf den Wiesen nichts mehr wuchs. Das Gras war braun. Einzig die Luzerne war noch grün, aber auch die machte stellenweise schlapp. Überall staubte es heftig. Die Blätter der Sonnenblumen hingen herab. Die Waldbrandgefahr war groß. Die Kartoffeln mussten wir die ganze Zeit beregnen. Immerhin haben wir hier die Möglichkeit dazu. Beregnung gehört natürlich auch zum Wasserverbrauch in der Landwirtschaft. Aber Kartoffeln ohne Beregnungsmöglichkeit anzubauen, ergibt hier in der Region in den meisten Jahren keinen Sinn.
Austausch über Erfahrungen, Sorgen und Lösungen
Kurz vor Beginn der Ernte veranstalteten wir einen Stammtisch der AbL Nordost und tauschten unsere Gedanken und vor allem Sorgen zum Thema Wasser und Wetterextreme aus. Über Folgen, die wir jetzt schon spüren und das Wissen, dass die Wetterextreme in Zukunft noch mehr zunehmen werden.
Aber wir haben uns auch mit Lösungen beschäftigt. Auf dem Hof, auf dem wir uns trafen, werden nämlich schon verschiedene Ansätze ausprobiert, um besser mit den Starkwetterereignissen umzugehen. Da geht es um Hecken, Agroforst am Hang im Keylinedesign, aktives Managen der Drainageleitung und Mulchanbau.
Die Ansätze sind ja da. Nur meistens ist es nicht so einfach, diese umzusetzen, sei es, dass es an Eigentumsflächen fehlt oder an den finanziellen Mitteln, die Maßnahmen umzusetzen, die ja zunächst wirtschaftlich nichts einbringen.
Dazu kommt auch die Art der Bewirtschaftung. Besonders auf den großen, sandigen Äckern sind nahezu dauerhafter Bewuchs und Direktsaat zur Vermeidung von Erosion gegenüber intensiver Bodenbearbeitung im Vorteil.
Arbeiten verschieben sich, Ernte wird beschwerlich - auch politisch braucht es mehr als Wegducken
Nachdem die Gerste geerntet war, kam Mitte Juli endlich der lang ersehnte Regen. Innerhalb von sieben Tagen regnete es beständig 150 Liter. Die Freude war riesig.
Nur – dann regnete und regnete es weiter. Ja, der Boden braucht noch mehr, die ganzen Sölle, der Wald, all das hat viel aufzuholen. Langsam wurden die Wiesen wieder grün und wir konnten mit dem Zufüttern der Rinder wieder aufhören. Wir nutzten die Zeit, um die Ställe zu misten und sonstige liegen gebliebene Arbeiten zu erledigen. Aber der Regen hörte nicht auf und fiel genau mit der Erntezeit vom Getreide zusammen, was nun wirklich ungünstig war. Es war ein total komisches Gefühl, auf einmal nicht mehr auf Regen, sondern auf trockene Wetterperioden zu hoffen, nachdem wir uns die ganze Zeit genau danach gesehnt hatten.
Das Wetter machte die Ernte beschwerlich und die Qualität einzelner Sorten litt. So hatte der Weizen eine zu niedrige Fallzahl und kann jetzt nicht als Backweizen vermarktet werden. Ganz schön frustrierend und das zieht natürlich auch finanzielle Auswirkungen mit sich.
Und jetzt hat es schon wieder seit drei Wochen nicht geregnet ... Aber für das Ende der Woche ist wieder Regen gemeldet.
In der Landwirtschaft merken wir die Folgen der Klimakrise schon jetzt deutlich, aber in der Politik wird dieses Thema gerade ganz hintenangestellt, weil im gesellschaftlichen Diskurs andere Themen mehr aufkochen. Damit ist das Problem aber nicht gelöst.
