Ab dem 1. Januar 2025 zahlt das Unternehmen Tönnies für Schweine mit unkupierten Ringelschwänzen der Haltungsform 3 einen Aufschlag von 10 Euro pro Tier. Das verkündet Tönnies Ende Oktober und erhält dafür Lob von der Tierschutzorganisation ProVieh.
Anlässlich der Ankündigung heißt es seitens des Unternehmens: "Damit wollen wir die Tierhalter bei der Umsetzung des Kupierverzichtes unterstützen. Dies stellt hohe Anforderungen an das Management und an eine robuste genetische Veranlagung der Tiere“. Denn wissenschaftliche Studien zeigten einen starken Zusammenhang zwischen der Tiergesundheit, insbesondere der Atemwegs- und Darmgesundheit und der Umsetzung des Ringelschwanzes auf. „Um Erfahrungen zu sammeln, starten wir mit den Betrieben der Haltungsform 3. Die Prämie wird dann ausbezahlt, wenn die Tiere eine Woche vorher angemeldet werden und mindestens 90 % der Schwänze der einzelnen Partien intakt sind“, teilt das Unternehmen dazu mit. Mit den Maßnahmen geht Tönnies nach eigenen Worten einen bemerkenswerten Schritt. „Wir glauben fest daran, dass dies der richtige und wichtige Weg hin zu gesünderen und robusteren Tieren ist.“ Tönnies möchte mit diesem Vorgehen ein Zeichen in der Branche setzen und hofft auf ein breites, positives Echo. Nach einem halben Jahr soll die Maßnahme evaluiert und bei Bedarf nachjustiert werden.
ProVieh: Wichtiger Impuls zur rechten Zeit!
Die Bekanntgabe der unternehmensfinanzierten Ringelschwanzprämie kommt nach Ansicht von ProVieh zur richtigen Zeit. Die Schweinehalter und die gesamte Privatwirtschaft müssten sich endlich auf den Weg machen, um aus der jahrzehntelangen Praxis des Schwanzkupierens und dem Verkauf von tierschutzwidrig produziertem Schweinefleisch herauszukommen. Die parlamentarischen Verhandlungen über die Verschärfung des Tierschutzgesetzes liefen auf Hochtouren, der Druck aus der Europäischen Union wachse seit Jahren und die von ProVieh initiierte Ringelschwanz-Kampagne nehme wieder an Fahrt auf.
Umstellungsziele und Beendigung des Schwanzkupierens bis 2030
Die Verknüpfung der Ringelschwanzprämie an HF 3 begünstigt nach Ansicht von ProVieh auch die Einhaltung der von einigen großen Lebensmitteleinzelhandelsketten (LEH) formulierten Ziele: Zuerst gab ALDI im Juni 2021den kompletten Umstieg beim Schweinefleisch auf die HF 3 und 4 bis 2030 bekannt. Das ist auch die von ProVieh angestrebte Frist zum endgültigen Ausstieg aus dem Schwanzkupieren.
LIDL zog Stück für Stück nach. Im Juni 2024 gab der Discounter bekannt, 30 Prozent der Wurstwaren seiner Eigenmarke bis Ende dieses Jahres auf die höheren Haltungsstufen 3 und 4 umstellen zu wollen und erhöhte damit laut ProVieh schlagartig die Nachfrage nach Schweinen aus der HF 3. Bis Ende 2025 sollen es 50 Prozent sein – allerdings nur, „wenn eine ausreichende Warenverfügbarkeit gewährleistet ist“! Genau da liegt für ProVieh jedoch die Crux.
Ringelschwanzprämie senkt Umstellungshürden
Damit genug Betriebe mindestens auf HF 3 umstellen, brauchen sie Investitionssicherheit, so die Tierschutzorganisation. Die Discounter hätten in der Vergangenheit teilweise Verträge jedoch plötzlich wieder außer Kraft gesetzt, wenn die Nachfrage nach den höherwertigen Produkten schwächelte. Das verursache Unsicherheit. Die Baukosten seien in den letzten Jahren zudem stark gestiegen und die Umbaupläne würden oft von den Behörden boykottiert, indem sie die Genehmigungsverfahren als praktisch unüberwindbare bürokratische Hürdenläufe gestalten. Das verunsichere die umstellungswilligen Betriebe und behindere die Verbesserung des Tierschutzes in der Schweinehaltung zusätzlich. Die Ringelschwanzprämie biete daher einen wichtigen wirtschaftlichen Anreiz für die Umstellung.
Potenzial für einen Doppelwumms für die Schweine
ProVieh hofft, dass die von Tönnies eingeführte Ringelschwanzprämie bald zu einer Sektorlösung ausgeweitet wird, an der sich alle Unternehmen beteiligen. Zusammen mit dem Bundesförderprogramm, das nach Ansicht von ProVieh finanziell künftig besser ausgestattet werden muss, könnte die Ringelschwanzprämie den Weg zum Umbau der Tierhaltung zu höheren Haltungsstufen weisen. Ein bedeutender Meilenstein beim Ausstieg aus dem Schwanzkupieren ist sie für ProVieh jetzt schon.
