Bayern fördert laufende Mehrkosten für tierwohlgerechtere Haltungsformen - AbL fordert Gleiches vom Bund

Das bayerische Tierwohlprogramm "BayProTier", mit dem gezielt die laufenden Mehrkosten ausgeglichen werden sollen, die durch eine tierwohlgerechtere Haltung zum Beispiel durch Kosten für zusätzliche Arbeit oder Einstreu entstehen, geht in die nächste Runde. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt die Fortsetzung des Programms für die bayerischen Tierhalter, kritisiert jedoch die damit verbundene Ungleichheit mit Blick auf die Betriebe in den nicht so finanzstarken Bundesländern und fordert die Bundesregierung und das Bundeslandwirtschaftsminister auf, für die laufenden Mehrkosten Mittel aus dem Kernhaushalt bereitzustellen.

Seit dem 1. Juni 2026 können landwirtschaftliche Betriebe in Bayern wieder „BayProTier“-Anträge stellen. Alle bisherigen Maßnahmen werden auch in diesem Jahr mit unveränderten Anforderungen fortgeführt. Im laufenden Förderzeitraum 2025/26 unterstützt der Freistaat laut einer Mitteilung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums besonders tierwohlgerechte Haltung für knapp 25.000 Sauen, rund 35.500 Ferkel, knapp 73.500 Mastschweine und gut 65.000 Rinder. Dafür stehen rund 15,6 Millionen Euro für insgesamt 1.214 Betriebe bereit – rund 320 Betriebe und 3,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. "Tierwohl hat für uns weiterhin höchste Priorität. Unser Programm gleicht die laufenden Mehrkosten moderner Tierwohlställe aus und wird von den Betrieben sehr gut angenommen. Das zeigt: Wir unterstützen genau dort, wo die Landwirtschaft verlässliche Partner braucht", sagt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Kaniber betont, dass Bayern den Umbau der Tierhaltung trotz angespannter Haushaltslage konsequent weiter begleitet: "Jeder neue Tierwohlstall ist ein Gewinn für die Tiere und für die Zukunft unserer heimischen Landwirtschaft. Deshalb unterstützen wir die Betriebe nicht nur bei Investitionen, sondern auch bei den laufenden Mehrkosten besonders tierwohlgerechter Haltung." Zugleich fordert die Ministerin vom Bund endlich langfristige Planungssicherheit für die Betriebe: "Wer mehrere hunderttausend oder sogar Millionen Euro in einen neuen Stall investiert, braucht Verlässlichkeit und keine ständig wechselnden Vorgaben. Deshalb setzen wir uns weiter für einen echten Bestandsschutz von mindestens 20 Jahren bei genehmigten Stallbauten ein. Nur so werden Bäuerinnen und Bauern den Umbau der Tierhaltung auch tatsächlich anpacken."

AbL: Extrageld aus dem Kernhaushalt

Die AbL begrüßt die Fortführung des Programms. "Für die tierhaltenden Betriebe in Bayern ist es positiv, dass im finanzstarken Bayern das Tierwohlprogramm auch der laufenden Mehrkosten weitergeführt wird. Im eigenen Bundesland erkennen die bayerischen Agrarpolitiker offensichtlich an, dass die Finanzierung eben der laufenden Mehrkosten - neben der Investitionsförderung - notwendig ist“, sagt Berit Thomsen, AbL-Referentin für Tierhaltung und Marktpolitik. Auf Bundesebene habe der bayerische Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer allerdings genau diese Förderung im Bundesprogramm Umbau Tierhaltung (BUT) ersatzlos und viel zu kurzfristig gekürzt. „Damit lässt er die tierhaltenden Betriebe, allen voran die sauenhaltenden, in den tierstarken Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder im sehr finanzschwachen Schleswig-Holstein im Regen stehen. In diesen Ländern ist eine Kompensation des BUT nach wie vor ungeklärt. Für die tierhaltenden Betriebe außerhalb Bayerns bedeutet das weiterhin existenzbedrohende Unsicherheiten und massive Ungleichheiten zwischen den Bundesländern. Die AbL fordert die Bundesregierung und das Bundeslandwirtschaftsminister auf, bei den derzeitigen Haushaltsverhandlungen Extrageld aus dem Kernhaushalt für die Weiterführung des BUT auch für laufende Mehrkosten einzustellen", so Thomsen.