AgrarBündnis fordert Rückenwind für nachhaltige Betriebe

Fünf Jahre nach Veröffentlichung der Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) fordert das AgrarBündnis e.V. mit seinen 25 Mitgliedsverbänden deren konsequente Umsetzung – und formuliert dazu fünf zentrale Forderungen an Politik und Gesellschaft.

Anlass ist ein gemeinsamer Round-Table-Workshop von AgrarBündnis und Akademie Schloss Kirchberg im April 2026 auf Schloss Kirchberg/Jagst zur Zukunft bäuerlicher Wertschöpfung. Vertreter:innen aus Landwirtschaft, Naturschutz, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten dort über neue Einkommens- und Wertschöpfungsperspektiven an der Schnittstelle von Landwirtschaft, Klima-, Umwelt- und Gemeinwohlleistungen.

Nachhaltige Betriebe geraten unter Druck

Deutlich wurde dabei: Gerade Betriebe, die bereits heute besonders nachhaltig sowie klima-, tierschutz- und umweltorientiert wirtschaften, würden durch die aktuellen Vorschläge zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erheblich unter Druck geraten. Statt die notwendige Transformation zu stärken, droht eine Schwächung zentraler Anreize für Biodiversität, Klimaschutz, Tierschutz und nachhaltige Bewirtschaftung.
Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe zur Zukunft der Landwirtschaft in schwierigen Zeiten bleibt bestehen. Ein Rollback löst keine Probleme. Das Verbändebündnis fordert die Umsetzung der Vorschläge der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) von 2021, die nichts an Aktualität eingebüßt haben.
Gerade in Zeiten internationaler Krisen, zunehmender Unsicherheiten in den Lieferketten, des schnellen Fortschreitens des Klimawandels und des fortgesetzten Verlusts an Biodiversität, sind die Vorschläge der ZKL zur Wahrung der Ernährungssicherheit aktueller denn je:

Fünf zentrale Forderungen des AgrarBündnis

1. EU-Agrarpolitik sichern und Umweltleistungen stärken
Die gemeinsame EU-Agrarpolitik muss in ihrem Kern erhalten bleiben und darf weder in ihrem Budget noch in ihren zentralen Instrumenten zugunsten anderer internationaler Herausforderungen geschwächt werden. Die Honorierung konkreter und wirksamer Um-welt-, Klima- und Tierschutzleistungen muss ausgebaut werden. Dies gilt insbesondere für die Förderung des Ökolandbaus sowie für die heutigen Öko-Regelungen, den kooperativen Naturschutz, den Vertragsnaturschutz und die Agrarumweltprogramme der Länder. Diese Leistungen sind verlässlich und ausreichend zu finanzieren und dürfen nicht Kürzungsplänen zum Opfer fallen. Gleichzeitig sollten die Direktzahlungen im Sinne der Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft schrittweise von pauschalen Flächenzahlungen hin zu einer leistungsbezogenen Honorierung weiterentwickelt werden. Kürzungen an die-ser Stelle untergraben die Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft und setzen die Ernährungssicherheit aufs Spiel. Ohne intakte Böden, Biodiversität und stabile Ökosysteme gibt es keine dauerhafte landwirtschaftliche Produktion und keine Ernährungssicherheit.

2. Faire Märkte statt Marktversagen
Eine zukunftsorientierte gemeinsame Marktorganisation muss weiterhin entwickelt wer-den. Die ZKL hat schon 2021 gefordert, einen Wettbewerbsraum zu schaffen, in dem zwischen landwirtschaftlichen Betrieben, Lebensmittelverarbeitung und Handel faire Ver-handlungen stattfinden. Direktzahlungen von der EU können Marktversagen nicht ersetzen. Faire Preise bleiben eine notwendige Voraussetzung zur Einkommenssicherung. Die von der EU aktuell beschlossene Deregulierung der Neuen Gentechnik wird den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe noch erhöhen: Patente auf Saatgut, Pflanzen und deren Eigenschaften sind ein Riesenproblem. Es droht eine Monopolisierung des Saatgutmarktes durch immer mehr Biopatente. Hier muss dringend und mit Nachdruck gegengesteuert werden.

3. Bürokratieabbau mit Augenmaß
Bürokratieabbau darf nicht mit einer Absenkung von Standards einhergehen, sondern er-fordert grundlegende Anpassungen in den Regelungswerken und im Verwaltungshandeln, da eine stärkere Zielorientierung und praktikable Umsetzung wesentlich für die Akzeptanz und Wirksamkeit agrarpolitischer Maßnahmen sind.

4. Tierhaltungsumbau verlässlich umsetzen
Der Umbau der Tierhaltung muss mit dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, dem Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung (BUT) sowie durch Erleichterungen im Genehmigungs- und Baurecht zügig umgesetzt werden, da nur so Planungssicherheit für landwirtschaftliche Betriebe geschaffen und zugleich den gestiegenen Anforderungen an den Tierschutz und den gesellschaftlichen Erwartungen entsprochen werden kann.

5. Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stärken
Es bedarf einer Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, da die anstehenden Transformationsaufgaben nur gemeinsam bewältigt werden können; dabei sollten geeignete Formate etabliert werden, in denen auch Parlamente und Ministerien verbindlich eingebunden sind. Die Borchert-Kommission und die Zukunftskommission Landwirtschaft haben ein gutes Beispiel gegeben, wie Gräben über-wunden werden und eine neue Kultur der Zusammenarbeit erreicht werden können.

Stimmen aus den Mitgliedsverbänden

Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sieht die ZKL deutlich weiter als die heutige Politik: „Die Zukunftskommission war deutlich weiter als heutige Politik, was gemeinsame Lösungen für Landwirtschaft, Arten- und Klimakrise angeht. 2021 haben wir gemeinsam eine gemeinwohlorientierte Ausgestaltung der GAP gefordert. In Zeiten knapper Finanzen bleibt es für die Betriebe, die schon heute besonders ressourcenschonend wirtschaften und für die Umwelt gleichermaßen umso wichtiger sind, gemeinsam für die dringend notwendigen Mittel für ländliche Räume und unsere Kulturlandschaft zu kämpfen. Nur so lässt sich auch in Zukunft ein ausreichendes, gesellschaftlich getragenes Budget für die GAP sichern.“

Claudia Gerster, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), betont die Notwendigkeit kostendeckender, fairer Preise: „Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft benötigen Bäuerinnen und Bauern kostendeckende, faire Preise sowie einen Rechtsrahmen, welcher die wirtschaftliche Sicherheit auf den Höfen gewährleistet. Die unsichere Marktposition von Erzeuger:innen sowie die kürzlich beschlossene Deregulierung Neuer Gentechnikpflanzen verschärfen die Situation auf den Höfen und sind mit den Zielen der Zukunftskommission nicht vereinbar. Deshalb braucht es dringend verbindliche Schutzregularien bei Risikotechniken sowie existenzsichernde Marktordnungsinstrumente.“

Peter Röhrig, Geschäftsführender Vorstand, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), unterstreicht die Bedeutung des Ökolandbaus: „Gerade jetzt, wo sich global und auf den Märkten viel verändert, brauchen die Höfe vor allem Planbarkeit und verlässliche Rahmenbedingungen. Der Ökolandbau macht Betriebe krisenfester und eröffnet wirtschaftliche Perspektiven. Das hat auch die Zukunftskommission Landwirtschaft erkannt. Doch wer als Betrieb nachhaltig wirtschaftet, muss davon leben können – und anständig honoriert werden. Dazu gehört auch, dass es keine unnötigen Doppelbelastungen geben darf für Betriebe, die bereits heute die höchsten Nachhaltigkeitsstandards erfüllen."

Jenny Schlosser, Vorstandssprecherin im AgrarBündnis und Leitung Abteilung Politik, Deutscher Tierschutzbund, sieht im Agieren der Bundesregierung das Gegenteil von nachhaltiger Tierschutzpolitik: „Die Ampel und auch die jetzige Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD hat immer noch keine Strategie erarbeitet, wie die Zukunft der tierhaltenden Landwirtschaft gestaltet werden soll. Vielmehr werden positive Entwicklungen wieder eingestellt, wie z. B. das Bundesprogramm Stallumbau oder die geplante Einführung einer Ökoregelung für die Weidetierhaltung. Die Vorschläge der Zukunftskommission Landwirtschaft werden nahezu komplett ignoriert oder einzelne Themen herausgepickt, die dann aber nur bruchstückhaft umgesetzt werden, wie z. B. die geplante Tierhaltungskennzeichnung. Das ist das Gegenteil von Planungssicherheit und das Gegenteil von nachhaltiger Tierschutzpolitik.“

Für Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), stellt die Nichtumsetzung der ZKL-Ergebnisse einen massiven Rückschlag für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes dar: „Die Zukunftskommission Landwirtschaft war nach der Kohlekommission erst die zweite Kommission, die sich mit der notwendigen Transformation in einem zentralen Bereich – der Landwirtschaft – auseinandersetzte. Die damit verbundenen Hoffnungen erfüllten sich: Es bestand weitgehender Konsens, dass die politischen Rahmensetzungen geändert werden müssen, um eine flächendeckende, nachhaltige Landbewirtschaftung zu ermöglichen. Die Nichtumsetzung dieser Ergebnisse ist ein massiver Rückschlag für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. “