Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zeigt sich besorgt über die Haltung der Landesregierung Sachsen-Anhalts bezüglich des Verkaufs der Deutschen Agrar Holding an einen japanisch-australischen Investor und der Regulierung des Bodenmarkts. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt erklärt die Landesregierung, betsehend aus einer Koalition aus CDU, SPD und FDP, sie sehe keinen Handlungsbedarf zur Regulierung von sogenannten Share Deals – also dem Erwerb landwirtschaftlicher Betriebe inklusive ihrer Flächen über den Kauf von Unternehmensanteilen. Anlass der Kleinen Anfrage war der Verkauf der Deutschen Agrar Holding (DAH) mit rund 20.000 Hektar Agrarland an den australischen Infrastruktur-Investor Igneo Infrastructure Partners im Jahr 2023, bei dem auch Flächen in Sachsen-Anhalt betroffen waren.
Martin Zschoche, Sprecher der AbL Sachsen-Anhalt und Landwirt aus Köthen, kritisiert: „Die Landesregierung macht es sich zu einfach, wenn sie keinen Handlungsbedarf sieht. Share Deals umgehen bestehende Regelungen und ermöglichen den Ausverkauf unserer Landwirtschaft an außerlandwirtschaftliche Investoren. Wir landwirtschaftlichen Betriebe können nicht gegen kapitalstarke Investoren bestehen, die ihr Geld außerhalb der Landwirtschaft verdienen. Neugründungen von Betrieben und Hofnachfolgen sind unter diesen Bedingungen fast unmöglich. Damit setzt die Politik die Zukunft der Landwirtschaftsbetriebe und der Ernährungssouveränität in Sachsen-Anhalt aufs Spiel. Wir fordern von der Landesregierung, dass sie das Thema ernst nimmt und wirksame Gesetze gegen den Ausverkauf der Landwirtschaft an Investoren erlässt“.
Die AbL fordert seit Jahren ein Agrarstrukturgesetz, das eine vielfältige Agrarstruktur und landwirtschaftliche Betriebe schützt und den Einfluss renditeorientierter Investoren begrenzt. Der Fall der DAH zeigt nach Ansicht der AbL, wie global das Problem ist. Igneo Infrastructure Partners hat ein Anlagevolumen von 19,2 Mrd. US-Dollar, ist eine Tochter der australischen „First Sentier Investors“, die wiederum der „Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG)“ in Japan gehört. Mitsubishi besitzt wiederum Beteiligungen an Agrarfirmen in Brasilien und Japan.
Jessica Haby, Gärtnerin aus Halle und Geschäftsführerin der AbL Sachsen-Anhalt: „Land Grabbing ist ein globales Problem für uns Bäuerinnen und Bauern, aber auch für die Gesellschaft und die Ernährungssouveränität. Wir Bäuerinnen und Bauern stehen zusammen und fordern: Agrarflächen gehören in die Hände der Menschen, die vor Ort wirtschaften, die die regionale Ernährung sichern und sich um die Gesundheit der Böden und lebendige ländliche Räume kümmern – weltweit“.
Die AbL kritisiert daher auch vergleichbare Land-Deals durch deutsche Akteure in anderen Ländern. Agrarflächen sollten von vor Ort ansässigen Bäuerinnen und Bauern verantwortungsvoll bewirtschaftet werden. Das gelte selbstverständlich weltweit.
