Biomilch bleibt der Renner

Der Bio-Anteil bei Frischmilch hat 2020 die Marke von 20 Prozent übersprungen und wird weiter wachsen. Zwar sind die Wachstumsraten etwas zurückgegangen, aber die Biomolkereien rechnen langfristig mit Wachstum. Die Konkurrenz um den Rohstoff nimmt zu. Selbst größere Molkereien buhlen um Bio-Milcherzeuger.

Aber nicht alle versprechen sich von den Qualitätsmärkten Vorteile. Vor allem die Großen der Branche tun sich schwer.

Dem Deutschen Milchkontor (DMK), Deutschlands Nummer eins, ist der Bio-Markt zu klein und zu kompliziert. Müller Milch beschränkt sich auf wenige Millionen Liter unter der Marke Weihenstephan. FrieslandCampina erfasst nur, verarbeitet aber nicht. Für Markenartikler wie Zott, Bauer, Ehrmann, Meggle oder Danone spielt Bio keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Von den internationalen Konzernen ist einzig Arla in die Nische groß eingestiegen. Mit 800 Mio. kg sind die Dänen laut Lebensmittelzeitung Europameister, die Menge in Deutschland beziffern sie auf über 100 Mio. kg. Der Rohstoff wird teilweise aus der Eifel bis ins mecklenburgische Upahl gefahren, das Gros kommt aus Dänemark und den Niederlanden. Wegen der langen Wege bei der Milcherfassung und zur Verarbeitung „verlieren die Bio-Milchverarbeiter viel Geld auf der Straße“, wie es ein Vorstand ausdrückt.

Wachstumsgewinner ...
Andere wie die Privatmolkerei Gropper steigen auf der Basis von festen Vereinbarungen verstärkt in den Markt ein. Der als Handelsmarkenspezialist bekannte Lieferant von Aldi, Lidl und Co. steigert in 2022 seine Verarbeitungsmenge um 50 Prozent und stößt mit 120 Mio. kg Jahresmenge unter die größten Bio-Milchverarbeiter in Deutschland vor. Gropper zielt auf den wachsenden norddeutschen Markt. Dort war die Nachfrage nach Bio-Milch vor Corona noch bescheiden. Während in Bayern und Baden-Württemberg fast 8 Prozent der Milcherzeugung als Bio zertifiziert ist, schrumpft dieser Anteil weiter nördlich auf 3 bis 4 Prozent und im milchreichen Osten auf unter 2 Prozent.

Auch die Molkerei Ammerland in Niedersachsen kündigt an, die Bio-Milchverarbeitung bis 2025 zu verdoppeln. Bisher sind dort von 2 Mrd. kg Jahresanlieferung nur 28 Mio. kg Bio-Milch. Aber schon diesen Herbst wollen die Ammerländer neben Frischmilch auch Käse und Butter in Bio-Qualität produzieren.

... auch im Naturkostmarkt
Mit 350 Mio. Euro Jahresumsatz (EVP) hat Frischmilch 2020 im Lebensmittelhandel nach Daten des Marktforschungsunternehmens Nielsen eine Bedeutung erreicht, die sich nicht mehr ignorieren lässt. Der gesamte Bio-Milchmarkt kommt auf etwa 600 Mio. Euro. Etwa zwei Drittel der Bio- Frischmilch wird unter Handelsmarken abgefüllt. Das ist auch ein Grund, dass fast ein Drittel der Bio-Milch hierzulande aus Österreich kommt.

Gut im Rennen ist bei Milch, aber auch bei Milchprodukten der Naturkost-Fachhandel. Die Andechser Molkerei Scheitz ist damit groß geworden und heute mit 134 Mio. kg Bio-Milch (davon 10 Mio. Ziegenmilch) die Nummer eins auf dem Markt. Die Upländer Bauernmolkerei, ein weiteres Urgestein des Bio- Milchmarktes baut gerade für 19,5 Mio. Euro einen neuen Betrieb, der die Kapazitäten vom kommenden Jahr an von 40 Mio. auf 60 Mio. kg vergrößert.

Dass Bio- Milch gesucht wird, schlägt sich auch im Erzeugerpreis nieder. Erstmals haben mehrere Molkereien im Juni die Grenze von 50 ct/kg übersprungen.

19.07.2021
Von: hg

Arla: Bei Frischmilch groß in der Bio-Nische, im Lebensmittelhandel eher klein beim Biomilch-Preis wie hier im aktuellen real-Prospekt.