Der internationale Fleischkonzern Vion hat für einen weiteren seiner deutschen Standorte einen Käufer gefunden: Den Rinderschlachthof Buchloe im schwäbischen Ostallgäu wird die ABP Food Group aus Irland übernehmen – wenn alle Bedingungen für den Abschluss erfüllt sind und das Vorhaben kartellrechtlich genehmigt wird. In Buchloe werden jährlich rund 90.000 Rinder geschlachtet, der Standort beschäftigt etwa 270 Mitarbeitende. ABP ist nach eigenen Angaben einer der führenden europäischen Fleischverarbeiter, vor allem im Rinderbereich, mit 50 Standorten in Irland, Großbritannien und in weiteren europäischen Ländern. Mit der Übernahme verschafft sich der Konzern Zugang zum deutschen Rindfleischmarkt und verspricht „Business as usual“ für den Betrieb Buchloe.
Zuvor waren schon Mitte April Vereinbarungen für den Verkauf der Vion Standorte in Crailsheim und Waldkraiburg getroffen worden: Der Rinder- und Schweineschlachthof in Crailshaim im nord-östlichen Baden-Württemberg soll an die nordrhein-westfälische, familiengeführte Boeser Frischfleisch GmbH übergehen. Dieses im Kaufinteressentenkreis vergleichsweise kleine Unternehmen ist auf die Grob- und Feinzerlegung von Schweinefleisch für Handel und Lebensmittelindustrie spezialisiert. In Crailsheim werden mit 593 Mitarbeitenden jährlich rund 1 Million Schweine und 95.000 Rinder geschlachtet.
Den Rinderschlachthof im oberbayrischen Waldkraiburg will die international tätige OSI Europe Foodworks GmbH unter ihrem Geschäftszweig Fleischverarbeitung für Gastronomie und Handel weiterführen. Nach Angaben der Lebensmittelzeitung ist OSI vor allem als Produzent von Burger-Patties für McDonald's bekannt. Hauptsitz der OSI Group ist Chicago in den USA; OSI Europe ist schon an Standorten in Deutschland tätig. In Waldkraiburg werden laut Vion mit 338 Mitarbeitenden jährlich rund 163.000 Rinder geschlachtet.
Der Fleisch- und Lebensmittelkonzern Vion, mit Hauptsitz in den Niederlanden, hatte 2024 als die Nummer 1 im deutschen Rindfleisch- und Nummer 2 im Schweinefleischmarkt bekanntgegeben, sich weitgehend aus der bisherigen Geschäftstätigkeit in Deutschland zurückzuziehen – um sich stärker auf die Benelux-Region zu konzentrieren. Die drei oben genannten Standorte hatte zunächst die Tönnies-Gruppe, die Premium Food Group, als deutscher Marktführer übernehmen wollen. Dieses Vorhaben hatte das Bundeskartellamt im Juni 2025 untersagt, weil es dadurch regional und bundesweit zu einer marktbeherrschenden Stellung kommen würde.
Zwei bisher schon auf anderen Wegen erfolgte Standortübernahmen straucheln oder sorgen für Gesprächsstoff: So übernahm Anfang 2024 das westfälische Familienunternehmen Uhlen den Vion Schweineschlachthof in Perleberg im brandenburgischen Kreis Prignitz. Ende des Jahres wurde jedoch schon die Zerlegung eingestellt; Ende 2025 wurde der Betrieb komplett geschlossen. Auf Grund des zeitlichen Verlaufs übernahm das Bundeskartellamt in diesem Fall Ermittlungen. "Es ist dabei dem Verdacht nachgegangen worden, dass die beteiligten Unternehmen auf den Märkten für die Schlachtung von Schweinen und Sauen zusammenarbeiten und sich koordiniert haben, eine Schlachtstätte zu schließen und dabei Kundenbeziehungen auf sich umzuleiten", hieß es auf Nachfrage des rbb – bis zu einem Ergebnis gilt die Unschuldsvermutung.
In Süddeutschland hatte die Erzeugergemeinschaft Südbayern im Sommer 2024 die Vion Schlachthöfe in Vilshofen und Landshut übernommen, an denen sie schon Anteile hielten. Doch der Standort in Landshut wurde mittlerweile geschlossen. Laut dem Bayerischen landwirtschaftlichen Wochenblatt werden jedoch aussichtsreiche Gespräche mit einem Investor geführt, die auch von der Stadt und von den Erzeuger:innen unterstützt werden.
