Finanziell nicht zu stark abhängig sein, vieles selber machen - aber nicht jeden Wertschöpfungsschritt
Der Hof von Wilhelm und Karin Eckei ist ein konventioneller Gemischtbetrieb mit Neuland-Tierhaltung im nordrhein-westfälischen Fröndenberg östlich des Ruhrgebiets.
Unabhängige Bauernstimme: Beschreibe mal euren Betrieb, wie seid ihr aufgestellt?
Wilhelm Eckei: Wir haben einen mittleren Familienbetrieb, den ich zur Zeit mit meiner Frau und einem Mitarbeiter mit halber Stelle sowie einer Hilfskraft bewirtschafte. Unser jüngster Sohn Mathis möchte den Hof übernehmen und ist voraussichtlich noch ein Jahr im Studium. Der Arbeitskräftebesatz ist, so wie wir aktuell aufgestellt sind, anspruchsvoll. Unsere Tiere halten wir seit 1989 – seit es das Programm gibt – nach Neuland-Richtlinien. Unser Futter erzeugen wir fast komplett selbst, mahlen und mischen selbst bzw. nutzen eine mobile Mühle. Die Rinder bekommen nur Grasprodukte in Form von Heu oder Silage.
Neben der Neuland-Vermarktung haben wir eine kleine Direktvermarktung. Wir verkaufen jederzeit Eier und Kartoffeln über einen Selbstbedienungsstand. Fleisch gibt es auf Bestellung. Als wir angefangen haben, hat meine Frau Karin versuchsweise Fleisch täglich verfügbar in einer Kühltheke angeboten. Das hat nicht so gebrummt. Da hätten wir viel Energie reinstecken müssen, damit das läuft. Und ab der Geburt unserer Kinder hat sich Karin vor allem um die vier gekümmert. Nach wie vor stehen wir beide auf dem Standpunkt: Man muss nicht alles selber machen in der Wertschöpfungskette. Wir haben das arbeitsteilige System nicht so in Frage gestellt. Was wir brauchten, waren faire Preise für unsere Schlachttiere. Das war die Idee des Neuland-Programms, an dem ich von Anfang an teilgenommen und das ich mit entwickelt habe: Neuland versucht Marktpartner zu finden, die bereit sind, für die artgerechte Haltung und den Arbeitsaufwand vernünftig zu zahlen. Für uns hat das so funktioniert.
Wie hat sich euer Betrieb in den letzten zehn Jahren verändert?
In jüngster Zeit gab es erst wieder Veränderungen durch den Einfluss von Mathis. Ihn interessiert mehr die Geflügelhaltung. Da haben wir uns mit mehr Stallplatz und anderen Bauformen für Legehennen beschäftigt und letztlich 2022 drei Mobilställe gekauft, die ich jetzt schon da stehen habe. Das funktioniert gut. Die Betriebslegeleistung ist mit drei Gruppen noch gleichmäßiger als mit meinen zwei Gruppen davor. Und wir haben anders als vorher einzelne Ställe, die komplett frei werden, wenn die Tiere geschlachtet werden, und die dadurch viel besser grundgereinigt werden können.
Ein für unseren Betrieb erheblicher Schritt sind die 20 ha Land, die ich neu zugepachtet habe. Leider hat der Ferkelerzeuger aus dem Nachbarort, von dem ich 15 Jahre lang meine Ferkel bekommen habe, letztes Jahr aufgehört. Aber ich konnte das Land durch den guten Kontakt zu günstigen Bedingungen übernehmen. Das war eine einmalige Gelegenheit, denn da scharren dann alle schon mit den Hufen. Das hätte ich nicht gemacht, wenn ich nicht wüsste, ob jemand unseren Betrieb weitermacht.
Was ist dir wichtig bei betrieblichen Entscheidungen?
Heute ist das allerwichtigste an einer Entscheidung, dass der Nachfolger das trägt. Wir machen gar nichts mehr, ohne dass Mathis mitbestimmt. Bei mir sind es immerhin nur noch zwei Jahre bis zum Rentenalter.
Aber ich fand es immer wichtig, sich nicht soweit finanziell abhängig zu machen, dass man in Fällen, wo irgendwas über einen hereinbricht, in Existenznot gerät – z. B. bei Tierseuchen, eigener Krankheit oder Leistungseinbrüchen der Tiere. Die Hühnermobilställe haben auch Geld gekostet und wir mussten einen Kredit aufnehmen, aber das ist vom Rahmen her übersichtlich. Wir sind nicht über Jahrzehnte darauf angewiesen, dass das funktioniert.
Wie bist du mit anstehenden baulichen Veränderungen umgegangen, die ja meist einiges kosten?
Als ich ab 1983 auf dem Betrieb eingestiegen bin, habe ich zwei Hallen gebaut, eine als Rinderstall, die andere als Hühnerstall. Das waren keine Spezialställe, sondern eher Lagerhallen, die für alles Mögliche nutzbar gewesen wären. Für die Hühner brauchte ich einen Grundriss, mit dem ich 1.000 Tiere in zwei Gruppen halten konnte. Die Einrichtung mit u. a. Legenestern und Sitzstangen habe ich günstig selber gebaut. Nur eine Anlage zur Kettenrohrfütterung habe ich noch gekauft und bei den Hühnern und auch bei den Schweinen in den Altgebäuden eingebaut. Den Schweinestall konnte ich für Neuland-Anforderungen ansonsten gut umbauen. Zum Einstreuen habe ich hier in der Gegend als erster von Kleinballen auf Rundballen umgestellt. Die konnte ich in den Altställen in der oberen Etage auf der Zwischendecke lagern und damit von oben bei den Tieren einstreuen. Das war eine richtig gute Entscheidung. Das hat alles nix mit Computertechnik zu tun, aber es erleichtert die tägliche Arbeit.
Wie hältst du es mit „selber machen“ oder „Lohnunternehmen beauftragen“?
Wir sind so Selbermacher. Bis auf den Mais, den wir vom Lohnunternehmer legen und ernten lassen, machen wir auf dem Acker alles selbst. Wir haben alle Maschinen, auch einen eigenen Mähdrescher. Die sind alle alt, aber sie laufen – und sonst werden sie repariert. Und unser Mitarbeiter kann zwar alles, aber am liebsten schraubt er. Wenn es nötig ist, kaufen wir gebraucht.
Du hast einen Hofnachfolger – welche Auffassung hat er zur künftigen Betriebsentwicklung?
Ich bin richtig froh, dass Mathis keine Riesenschritte plant. Unsere Altställe sind nicht modern, aber was die Handarbeit betrifft, haben wir es uns so bequem wie möglich gemacht. Der Vorteil ist: Die Ställe sind bezahlt, bis auf die Feuerversicherung gibt es keine Kostenbelastung. Er wird den Betrieb so übernehmen und dann überlegen, was er verändern möchte. Da sind alle Wege offen, die Freiheit ist da, auch weil ich die letzten zehn Jahre nicht noch irgendwo riesig investiert habe. Ich habe ihm gesagt: „So, wie es jetzt läuft, kannst du deinen Lebensunterhalt verdienen. Du wirst nicht steinreich, aber du kannst sorgenfrei einsteigen.“
Wenn man den Mindestlohn (26 665,56 Euro Jahreseinkommen) als Marke nimmt, wie würdest du dein Einkommen einordnen?
Deutlich mehr als Mindestlohn. Wir haben ohne Nebenerwerbstätigkeit vier Kinder großgezogen, alle haben studiert. Auch für die Hofübergabe haben wir vorgesorgt, damit die drei weichenden Erben etwas mitkriegen können. Man muss auch mal zufrieden sein: Wir haben vier Kinder, die alle ihren Weg gut machen. Die Hofnachfolge ist natürlich schön. Wir haben aber keinen dazu angehalten und wir hatten niemanden mit „Treckergen“ dabei. Alle haben sich für vieles anderes interessiert. Interessant ist, dass alle Geschwister heilfroh sind, dass der Hof weitergeführt wird.
Vielen Dank für's Gespräch!
Betriebsspiegel:
70 ha Acker,
30 ha Grünland,
davon etwa 30 Prozent Eigenland;
Kulturen: Getreide, Mais, Kartoffeln, Raps, Ackerbohnen;
knapp 300 Mastschweine,
40 Mastrinder, weibl. Färsen,
1.800 Legehennen,
800 Masthähnchen;
Vermarktung über Neuland West
plus Direktvermarktung am Selbstbedienungsstand: Kartoffeln und Eier
sowie mehrmals im Jahr Fleisch auf Bestellung
