Die Zukunft des Waldes beginnt im Boden

Anlässlich des von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Waldes ausgerufenen 21. März weist die Interessengemeinschaft gesunder Boden auf hohen Handlungsdruck hin und erklärt, dass die Zukunft des Waldes im Boden beginnt und lebendige Waldböden ein Schlüssel für die Klimaschutzanpassung sind.

Deutschlands Wälder stehen nach Ansicht der IG gesunder Boden vor großen Veränderungen. Steigende Temperaturen, längere Trockenphasen und großflächige Schäden setzen vielen Beständen zu. Gleichzeitig zeige sich, dass ein großer Teil der heutigen Wälder unzureichend an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst ist. Nach Auswertungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestehen derzeit 21,8 % der Waldfläche in Deutschland aus Kiefer und 20,9 % aus Fichte. Insgesamt sind über 70 % der Waldbestände von Baumarten geprägt, die die Bodenleistung nur begrenzt fördern. Dazu zählen vor allem Fichte, Kiefer, Lärche und Tanne, aber auch Buche und Eiche. Ein entscheidender Schlüssel für stabile und zukunftsfähige Wälder liegt für die IG gesunder Boden deshalb im Boden selbst.

Die Grundlage gesunder Wälder entsteht im Boden

Ein großer Teil der biologischen Aktivität im Wald findet laut IG nicht in den Baumkronen, sondern am und im Boden statt. Pilze, Mikroorganismen, Würmer, Insekten und andere Bodenlebewesen zersetzen abgestorbene Pflanzenreste und arbeiten organisches Material in den Oberboden ein. Der Waldboden ist damit ein hochkomplexer Bodenorganismus, dessen Aktivität entscheidend für die Entwicklung günstiger Humusformen ist. Nicht jede organische Auflage verbessert automatisch den Boden – entscheidend ist, dass sie durch ein aktives Bodenleben in günstige Humusformen überführt und in den Oberboden eingebunden wird. Erst dadurch entstehen Böden, die Nährstoffe speichern, symbiotische Prozesse fördern und eine lockere, gut durchwurzelbare Struktur aufbauen. Diese Struktur wirkt wie ein natürlicher Schwamm: Sie nimmt Niederschläge auf, speichert mehr Wasser im Boden und gibt es langsam wieder an Pflanzen und ins Grundwasser ab. Gerade in Zeiten zunehmender Trockenperioden ist diese Fähigkeit entscheidend für die Widerstandskraft des Waldes, so die IG gesunder Boden.

Viele Wälder sind bodenseitig nicht ausreichend angepasst

Der Handlungsdruck ist hoch: Seit 2017 wurden laut Auswertungen des DLR auf über 900.000 Hektar schwere Schäden durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer festgestellt. Eine Fläche etwa halb so groß wie Thüringen. Gleichzeitig ist bis 2050 in Deutschland ein Temperaturanstieg von mehr als einem Grad Celsius zu erwarten. Besonders anfällig sind Wälder, in denen Baumarten dominieren, deren Streu praktisch nicht in den eigentlichen Boden eingebaut wird. In vielen nadelholzgeprägten Beständen entsteht eine ausgeprägte Streuauflage: Nadeln und anderes organisches Material sammeln sich über Jahre und Jahrzehnte als dicke Schicht auf der Bodenoberfläche. Diese Auflage wird vom Bodenorganismus praktisch nicht in die Bodenmatrix integriert und bleibt weitgehend vom Mineralboden getrennt. Dadurch kann die organische Substanz weder zur Humusbildung noch zur Verbesserung der Bodenleistung beitragen. Diese Entwicklung ist in vielen Regionen auf jahrzehntelange Forstwirtschaft mit wenig Baumarten und einseitigen Altersstrukturen zurückzuführen. In solchen Beständen nimmt die Aktivität des Bodenlebens aufgrund der zunehmenden Bodenversauerung ab. „Die Lösung vieler Herausforderungen im Wald liegt unter der Oberfläche“, erklärt Revierförster Ludwig Pertl, Preisträger des Deutschen Waldpreises 2021. „Wenn wir den gesunden, lebendigen Waldboden wiederherstellen und die Vielfalt mit den richtigen Baumarten erhöhen, entstehen Wälder mit funktionierendem Bodenleben, die Wasser speichern, das Klima kühlen und langfristig stabil bleiben.“ 

Vielfalt macht Wälder zu natürlichen Klimaschützern

Wälder mit unterschiedlichen Baumarten, Altersstufen und Strukturen sind deutlich widerstandsfähiger gegenüber Stürmen, Schädlingen und Trockenheit. Im Mischwald fördern vor allem Edellaubhölzer wie Ahorn, Linde, Kirsche oder Hainbuche ein ausgeglicheneres Mikroklima und eine vielfältigere Bodenbiologie. Monotone Bestände reagieren dagegen häufig empfindlicher auf extreme Wetterereignisse, weil ihnen Stabilität und ökologische Vielfalt fehlen. Naturnah aufgebaute Dauerwälder mit lebendigen, humusreichen Böden können zudem große Mengen Kohlenstoff langfristig in Biomasse und Waldboden speichern und tragen damit maßgeblich zur Stabilisierung des Klimas bei.

Mitmachen beim Aufbau eines Zukunftswaldes

Wie ein solcher Wandel aussehen kann, zeigt die IG gesunder Boden am Beispiel eines Forstbetriebes in Niederbayern. Dort wird eine 0,3 Hektar große Fläche mit Kiefern auf sandigem Boden schrittweise in einen vielfältigen Dauerwald umgebaut. Geplant sei die Pflanzung unterschiedlicher Baum- und Straucharten, die sowohl die Bodenfruchtbarkeit fördern als auch langfristig stabile Erträge ermöglichen. Auf einer Teilfläche soll zudem ein hoher Anteil essbarer und standortangepasster Arten wie Esskastanie, Walnuss, Haselnuss oder Wildobst entstehen, ein sogenannter „Naschwald“, der ökologische Funktionen mit Nutzbarkeit verbindet. Wer erleben möchte, wie ein solcher Waldumbau praktisch funktioniert, kann sich an einer gemeinsamen Pflanzaktion mit Waldexperten der IG gesunder Boden am 11. April beteiligen.