Ein wichtiges Zeichen für eine gerechte Bodenpolitik und für einen verbesserten Zugang zu Land für bäuerliche Betriebe und Existenzgründer:innen hat der bundesweite Bodenkongress in Apolda/Thüringen gesetzt. Im Eiermannbau in Apolda kamen über 140 Vertreter:innen aus Landwirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um über Wege zu einer gemeinwohlorientierten Gestaltung des Bodenmarktes zu diskutieren. Anlass der von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland, dem Netzwerk Flächensicherung und dem Förderverein bäuerliche Landwirtschaft durchgeführten Veranstaltung ist der zunehmende Druck auf dem deutschen Bodenmarkt: Immer mehr Agrarflächen werden von nicht-landwirtschaftlichen Investoren gekauft, während sich für viele bäuerliche Betriebe und Existenzgründer:innen der Zugang zu Land zunehmend erschwert.
Dr. Jan Brunner, Geschäftsführer der AbL Mitteldeutschland, erklärt: „Wir setzen mit dem Kongress ein Zeichen, dass Bodenpolitik und der Zugang zu Land ein zentrales Thema für Landwirte, aber auch die gesamte Gesellschaft ist. Steigende Preise für Boden, der Ausverkauf der Landwirtschaft an Investoren wie Deutsche Wohnen oder Igneo oder Infrastrukturprojekte: all das gefährdet bäuerliche Betriebe, Existenzgründungen in der Landwirtschaft und letztlich die Ernährungssouveränität der Gesellschaft. Wollen wir auch in Zukunft eine gute Versorgung der Bevölkerung durch regionale bäuerliche Betriebe sicherstellen, muss die Politik handeln. Wir brauchen mehr Transparenz und eine strengere Regulierung des deutschen Bodenmarkts. Öffentliche Flächen etwa der BVVG sollten gemeinwohlorientiert verpachtet werden. Auch in der GAP müssen agrarstrukturelle und bodenpolitische Fragen mitgedacht werden. Instrumente gibt es mehr als genug. Jetzt liegt es an der Politik zu Handeln und eine zukunftsorientierte Bodenpolitik umzusetzen“.
Die AbL will für das Thema auf die Straße gehen, kündigt Reiko Wöllert, Landwirt aus Haina (Thüringen) und stellv. AbL-Bundesvorsitzender, an: „Wir Bäuerinnen und Bauern können nicht mit außerlandwirtschaftlichen Investoren konkurrieren, junge Existenzgründer ohne Land noch viel weniger. Die Konzerne erwirtschaften ihr Geld nicht aus der Landwirtschaft und können deshalb beliebig hohe Preise zahlen. Damit treiben sie die Bodenpreise nach oben und gefährden die Existenz bäuerlicher Betriebe deutschlandweit, aber speziell auch in Thüringen. Leider hat die Politik bislang nichts dagegen unternommen. Daher nehmen wir unser Schicksal nun selbst in die Hand und werden gemeinsam mit anderen Verbänden den Trägerkreis "Heimische Landwirtschaft vor Investoren schützen“ gründen. Wir wollen mit einem Volksbegehren in Thüringen die Regierung dazu bringen, den Ausverkauf der Landwirtschaft an Investoren wie Aldi oder die Münchener Rück zu unterbinden. Wir werden auf die Straßen Thüringens ziehen und Unterschriften sammeln. Wir zählen dabei auf jeden Thüringer und jede Thüringerin: unterschreiben Sie für eine regionale vielfältige Landwirtschaft“
