Wer Risikoprodukte auf den Markt bringt, muss bei Schäden zahlen. Das fordert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mit Blick auf die morgige virtuelle Bayer-Hauptversammlung, auf der unter anderem Bernd Schmitz, stellvertretender AbL-Bundesgeschäftsführer, zu den Aktionären sprechen wird.
„Bayer bringt viele Produkte auf den Markt und behauptet stets, sie seien sicher. Bayer behauptet auch, dass die Verantwortung für ihre Produkte im Zentrum ihres Handelns steht. Die AbL fordert Bayer auf, endlich ihren eigenen Ansprüchen nachzukommen“, erklärt Schmitz und nennt als Beispiel Parkinson. „Parkinson ist seit März 2024 auf der Liste der anzuerkennenden Berufskrankheiten aufgeführt. Der Ärztliche Sachverständigenbeirat bestätigt den eindeutigen Zusammenhang zwischen der beruflichen Pestizidexposition und der Entstehung einer Parkinson-Erkrankung. Die AbL fordert Bayer und andere Konzerne auf, die Parkinson-auslösenden Pestizide endlich vom Markt zu nehmen. Zudem muss Bayer die betroffenen Berufskolleg:innen unkompliziert und ohne lange Klageverfahren angemessen entschädigen – das heißt für uns Verantwortungsübernahme“, so Schmitz. Nach bestem Wissen und Gewissen haben laut Schmitz die Bäuer:innen die betreffenden Pestizide entsprechend der Angaben der Hersteller und Zulassungsbehörden zur gesundheitlichen Sicherheit angewendet. „Einen Hinweis auf mögliche Gefahren für eine Parkinsonkrankheit hat es nicht gegeben – auch heute findet man diese nicht. Auch bei Glyphosat ist Bayer aufgefordert, das als krebserregend eingestufte Mittel endlich vom Markt zu nehmen und die durch Glyphosat an Krebs erkrankten Berufskollegen angemessen zu entschädigen. Ihre Berufungsverfahren und Gesetzesänderungslobbyaktivitäten sind menschenunwürdig und einzustellen“, fordert Schmitz den Bayer-Konzern auf.
Während Bernd Schmitz zu den Aktionären auf der online stattfindenden Bayer-Hauptversammlung spricht, wird die AbL parallel mit Treckern und Bannern vor der Konzernzentrale stehen und dort mit der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) und anderen Organisationen eine Kundgebung abhalten. Eine der dortigen Redner:innen ist die AbL-Gentechnik-Expertin Annemarie Volling, die insbesondere die Aktivitäten von Bayer zugunsten einer Deregulierung neuer Gentechnik-Pflanzen kritisiert.
„Aktuell wird in der EU kontrovers darüber gestritten, ob neue Gentechnik-Pflanzen weiter nach bewährtem EU-Gentechnikrecht reguliert bleiben – oder ob, wie u.a. von der EU-Kommission geplant, ein Großteil der zu erwartenden neuen Gentechnik-Pflanzen komplett dereguliert werden sollen. Gentechnik-Konzerne wie Bayer lobbyieren massiv für die Deregulierung neuer Gentechnik-Pflanzen. Das wäre ein Freifahrtschein für die Gentechnik-Konzerne. Denn verpflichtende Risikoprüfung, Nachweisverfahren, Kennzeichnung bis zum Endprodukt und wirksame Schutzmöglichkeiten vor Gentechnik-Kontaminationen sollen ihrer Meinung nach für neue Gentechnik-Pflanzen abgeschafft werden. Auch Haftungsregelungen sollen vom Tisch, damit die Inverkehrbringer im Schadensfall keine Verantwortung für ihre Gentechnik-Risiko-Produkte übernehmen müssen. Für Risiken und Nebenwirkungen würden die Bäuer:innen und die Gesellschaft haften. Nicht mit uns! Wer auf die Risikotechnologie Gentechnik setzt, muss für Schäden bei Gesundheit und Umwelt sowie bei wirtschaftlichen Schäden in der Lebensmittelerzeugungskette aufkommen“, erklärt Volling. Im aktuellen EU-Gesetzgebungsprozess sind nach Ansicht von Volling Europaparlament und EU-Ministerrat aufgefordert, das Recht auf gentechnikfreie Erzeugung und die Sicherung unserer Wettbewerbsvorteile durchzusetzen. „Von der Gentechnik- und Pestizid-Industrie, die Risikoprodukte auf den Markt bringen, fordert die AbL einen Haftungsfonds, aus dem dann für Schäden bei Gesundheit, Umwelt oder wirtschaftlichen Schäden gezahlt wird, entsprechend dem Verursacherprinzip“, so Volling abschließend.
Die Kundgebung startet um 10.00 Uhr vor der Bayer-Zentrale in Leverkusen (Kaiser-Wilhelm-Allee 1). Ebenfalls um 10.00 Uhr startet die virtuelle Hauptversammlung ohne physische Präsenz der Aktionäre oder ihrer Bevollmächtigten. Die Versammlung kann hier online verfolgt werden.
