Bauernhof in Hamburg muss bleiben: „Wir wehren uns“

Der Milchbauer Hauke Jaacks aus Rissen/Hamburg hat vor dem Verwaltungsgericht Hamburg Klage gegen die Entscheidung der Wirtschaftsbehörde eingereicht, die „seinen“ Hof an einen außerlandwirtschaftlichen Investor verkaufen will. „Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, dann werde ich meinen Bauernhof aufgeben müssen. Meine Frau und ich halten 340 Rinder, bewirtschaften 150 Hektar, davon ein Großteil als Weideland. Wir sind mit Leib und Seele Bauern und wollen das auch bleiben. Deshalb wehren wir uns“, sagt Hauke Jaacks.

Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hatte Anfang April den Widerspruch von Hauke Jaacks gegen den Verkauf zurückgewiesen. Im vergangenen Jahr wollte er den Bauernhof kaufen, den er seit 15 Jahren pachtet und bewirtschaftet. Als aktiver Landwirt hat er Vorkaufsrecht vor außerlandwirtschaftlichen Investoren, so besagt es das Grundstücksverkehrsgesetz. Deshalb war er sich sicher, dass er das Kaufrecht bekommt. Aber das ging an ein Hamburger Immobilienmaklerpaar, das ein Konzept in Form eines Pferdehofs vorgelegt hat.

„Von dieser Entscheidung hängt die Existenz einer Bauernfamilie ab und die regionale Versorgung mit Lebensmitteln wird geschwächt, die in der Corona-Pandemie als systemrelevant erklärt wird. Außerdem verdeutlicht uns die Trockenheit der letzten Wochen die bevorstehenden Folgen des Klimawandels und ausgerechnet jetzt schaut die Politik zu, wie ein Bauernhof verdrängt wird, dessen wertvolle Weidehaltung wichtig ist für Klimaschutz“, sagt Berit Thomsen, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Hamburg/Schleswig-Holstein. „Wir fordern die Politik auf, sich für den Erhalt dieses Hofes stark zu machen.“

Das Konzept für den Pferdehof, auf dessen Grundlage die Wirtschaftsbehörde ihre Entscheidung begründet, liegt weder der Bezirksversammlung Altona vor, die sich mit dem Fall beschäftigt hat, noch der Öffentlichkeit. „Diese Intransparenz ist zusätzlich skandalös“, sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL. „Ein Immobilienmakler wird auf Grundlage einer Skizze für einen Pferdehof, die geheim ist, gleichgestellt mit einem praktizierenden Milchbauern, dessen Familie seit Generationen Landwirtschaft betreibt. Das ist ein Freibrief für alle außerlandwirtschaftlichen Investoren bundesweit und verstärkt die stark angespannte Situation auf dem Bodenmarkt in Deutschland noch weiter. Wir werden die Entscheidung gegen Bauernfamilie Jaacks und gegen den Erhalt bäuerlicher, regionaler sowie klimaverträglicher Landwirtschaft nicht einfach hinnehmen und unterstützen deshalb die Klage vor dem Verwaltungsgericht.“

06.05.2020
Von: FebL/PM

Milchbauer Hauke Jaacks hat Klage gegen die Hamburger Wirtschaftsbehörde eingereicht. Foto: Thomsen