Imkermeister bittet um Unterstützung für Bundestagspetition „Pestizidkontrolle“

„Zum Schutz von Mensch und Biene brauchen wir dringend eine grundlegende Reform der bisherigen Zulassungsverfahren für Pestizide“, sagt der Imkermeister Thomas Radetzki und hat daher eine Bundestagspetition „Pestizidkontrolle“ gestartet, „um die Bundesregierung zu einer Diskussion über fachliche Details und Verfahren der Pestizidzulassung zu bewegen“.

„Mehrfach in der Vergangenheit musste die EU den Einsatz bereits zugelassener Pestizide verbieten oder einschränken, nachdem Forscher nachgewiesen hatten, dass diese Bienen lähmten und töteten. Ich selbst musste die Schädigung meiner Bienenvölker durch Pestizide erleben. Auch das europäische Gericht stellte »erhebliche Defizite« bei der Pestizid-Risikoprüfung fest. Dieser Zustand ist inakzeptabel angesichts der dramatischen Befunde zum Insektensterben“, erklärt der Imkermeister mit über 40 Jahren Berufserfahrung auf der Homepage zur Petition und bittet: „Bitte machen Sie von Ihrem Petitionsrecht nach Artikel 17 Grundgesetz Gebrauch. Unterzeichnen Sie meine Petition Pestizidkontrolle im Petitions-Forum des Bundetages. Mit 50.000 Unterschriften kommt es zu einer öffentlichen Anhörung im Bundestag“. Die Möglichkeit zur Unterzeichnung besteht bis zum 1. Mai.

Das Ziel ist „ein unabhängiges, transparentes Zulassungsverfahren von Pestiziden nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen“. Für Radetzki muss bei Pestiziden künftig das gesetzlich festgeschriebene Vorsorgeprinzip konsequent angewendet werden. Indirekte und langfristige Umweltbelastungen dürfen nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden, sondern müssen unter Realbedingungen untersucht und von unabhängigen Instituten bewertet werden.

Einige der zentralen Forderungspunkte seiner Petition lauten:
• Pestizid-Zusatzstoffe müssen in die Sicherheitsprüfung einbezogen werden;
• Wechselwirkungen der Pestizide untereinander müssen berücksichtigt werden;
• Pestizid-Anreicherungen in Grundwasser und im Boden müssen geprüft werden;
• Sicherheitsprüfungen sollen - anders als bisher - von unabhängigen Laboren und wissenschaftlichen Fachgremien auf Basis einer objektiven Betrachtung wissenschaftlicher Daten durchgeführt werden;
• Prüfungen von Pestiziden müssen unter realen Bedingungen, nicht nur im Labor stattfinden.

Die Petition hat zahlreiche Unterstützer und Unterstützerinnen, von denen einige ihre Gründe in Form einer Videobotschaft auf der Homepage der Petition mitteilen, darunter der TV-Moderator und Buchautor Max Moor, die Schriftstellerin Sibylle Berg, der international renommierte Bienenforscher Prof. Dr. Dr. h. c. Randolf Menzel und Jan Wittenberg von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Zur Person
Thomas Radetzki ist Imkermeister und hat 30 Jahre lang als Gründer und geschäftsführender Vorstand den Verein Mellifera e. V., die Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung, geleitet. Als Praktiker war er maßgeblich an der Entwicklung der Richtlinien für ökologische Bienenhaltung in Deutschland und der EU beteiligt und ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der deutschen bienenwissenschaftlichen Institute. Er hat immer wieder aufgabenbezogene Allianzen zwischen deutschen und europäischen Imkerverbänden, Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Organisationen entwickelt und in Zusammenarbeit mit Behörden, parlamentarischen Ausschüssen und Parteien erfolgreich gewirkt. Seit 2015 lebt er in Berlin und leitet dort die von ihm initiierte Aurelia Stiftung mit dem Motto „Es lebe die Biene!“.

05.04.2019

Der Imkermeister Thomas Radetzki hat die Bundestagspetition "Pestizidkontrolle" gestartet und bittet um Unterstützung. Foto: Tobias Gerber