Abschuss-Freigabe für Problemwolf

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Schleswig-Holstein hat am 31.01.2019 einen Antrag auf Entnahme eines Problemwolfes genehmigt. Diese Ausnahmegenehmigung erfolgt auf der Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes. Das teilt das dortige Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung mit. Nach Eingang von Anträgen aus der Region und intensiver rechtlicher Prüfung habe das Ministerium schließlich einen eigenen Antrag gestellt, weil in diesem Fall ein koordiniertes staatliches Handeln notwendig sei. „Nach intensiver Prüfung halten wir dieses Vorgehen im vorliegenden Fall für erforderlich, um die Last von den Betroffenen vor Ort zu nehmen und eine bestmögliche Koordination sowie fachliche hohe Expertise der mit der Entnahme betrauten Personen zu erreichen, die über einen Jagdschein verfügen müssen. Diese Aufgabe ist doppelt schwer – weder schön, noch einfach“, sagt der grüne Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht.

Nach der Bestätigung von mittlerweile acht Wolfsrissen auf Flächen, die über einen empfohlenen Herdenschutz verfügten, sind mehrere Anträge auf Entnahme des betreffenden Wolfes (GW924m) gestellt worden. In sechs der acht Fälle wurde bisher durch DNA-Analysen bestätigt, dass GW924m der Verursacher der Risse war. Zum Ergebnis der Prüfung sagt Albrecht: „Der Entscheidung ging eine umfassende fachliche und rechtliche Prüfung voraus. Trotz des strengen Artenschutzes sind im vorliegenden Fall angesichts der umfassend ergriffenen Präventionsmaßnahmen und der drohenden, erheblichen wirtschaftlichen Schäden Umstände gegeben, die einen ausnahmsweisen Abschuss dieses Wolfes erlauben. Es besteht zudem die Gefahr, dass der Wolf sein Verhalten an Nachkommen weitergibt und damit die Risszahlen trotz umfassender Herdenschutzmaßnahmen deutlich steigen. Das wäre letztlich auch ein Problem für die Akzeptanz des Wolfes und den Artenschutz.“

Der Bundesverband der Milchviehhalter (BDM) in Schleswig-Holstein sieht den Entschluss von Minister Albrecht zur Entnahme des Wolfes als gutes Zeichen, dass sich die Regierung dafür einsetzen will, dass in Schleswig-Holstein auch in Zukunft noch Kühe, Rinder und Schafe auf den Weiden zu finden sind. Allerdings sei es damit noch nicht getan. Seit einigen Wochen gebe es auch in anderen Regionen des Landes fast täglich einen oder sogar zwei Übergriffe auf Schafherden mit getöteten und verletzten Tieren. Beteiligt sei hier wohl nicht der „Problemwolf“ aus dem Süden, sondern mindestens ein weiteres Tier, das sich auf Schafe als seine Beute spezialisiert hat.

Das bereitet den Tierhaltern wieder neue Sorgen. Sie verstehen die Forderungen einiger Gruppen nicht, die Tiere nicht mehr so viel wie möglich draußen weiden zu lassen, sondern sie nachts zum Schutz in den Stall zu stellen, wenn ein Wolf in der Nähe ist. Die Forderung, die Zaunhöhe auf 1,20 m zu erhöhen, löst ebenfalls Unverständnis bei den Milchviehhaltern aus: „Es sind gerade die feuchteren Flächen, auf denen unsere Jungtiere weiden. Wie man dort die langen Weidepfähle mit vier Litzen unter norddeutschen Windverhältnissen auf hunderte von Metern fest bekommen soll, muss uns noch mal jemand vormachen“, erklärt Kirsten Wosnitza, Sprecherin des BDM in Schleswig-Holstein.

„Bisher hieß es immer, möglichst viel Weide sei für den Naturschutz, das Klima und das Tierwohl wichtig und daher von der Gesellschaft gewünscht. Dies soll nun angesichts einiger Problemwölfe nicht mehr gelten? Wir erwarten vom Ministerium Antworten, wie wir die Weidehaltung von Milchkühen, Rindern und Schafen praktikabel gewährleisten können. Minister Albrecht wird jetzt darüber nachdenken müssen, wie er mit den anderen Wölfen umgeht, die momentan in Schleswig-Holstein täglich Schafe reißen. Und er wird überlegen müssen, wie er dafür sorgen kann, dass sich Milchbauern auch in diesem Frühjahr guten Gewissens entschließen können, ihre Jungtiere und Kühe wieder auf die Weiden zu lassen“, so Wosnitza.

06.02.2019
Von: FebL/PM

Der grüne Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein Jan Philipp Albrecht hat einen Antrag auf Entnahme eines Problemwolfes gestellt. Foto: MELUND