Obst- und Gemüsebau in Wert setzen

Die Oktoberausgabe der Unabhängigen Bauernstimme ist da! Auf den Schwerpunktseiten geht es diesmal um die Situation der Obst- und Gemüsebaubetriebe in Deutschland. Die Strukturen in diesem Bereich sind super heterogen, die Preise hängen stark vom Handel und auch den Preisen von Importware ab. Die Bedingungen sind herausfordernd für die Bäuerinnen und Bauern, die heutzutage oft genug an der Rentabilitätsgrenze wirtschaften und stets auf der Suche nach passenden Vermarktungswegen sind.

In ihrem Kommentar schauen Karin Jürgens, Agrarbündnis Projektleitung, und Bernd Voss, Vorstand im Agrarbündnis e. V., kritisch auf den großen Unterschied aus Potential und Wirklichkeit für bäuerliche Betriebe in diesem Sektor. Die Entwicklungen der letzten Jahre werden greifbar, wenn etwa Gemüsebauberater Holger Buck über die Veränderungen im Biobereich berichtet und Parallelen zum konventionellen Markt und Ländern wie Dänemark zieht. Dieter Renner mit seinem Obst- und Gemüsebaubetrieb in der Pfalz schildert die Situation für seinen Betrieb und die mögliche außerfamiliäre Hofnachfolge. Aus der Perspektive einer Existenzgründerin mit Gemüsebaubetrieb blickt Maria Natt aus Brandenburg auf den Markt. Sarah Baumgartner hat den Aufbau einer Initiative zur Regionalvermarktung in Bayern mit begleitet und für ihren eigenen Betrieb gute Erfahrungen damit gemacht. Einen ungewöhnlichen Weg im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel ist der Discounter Penny seit 2016 mit seinen Bio-Helden gegangen – statt mit makellosem Obst und Gemüse geht es da mit Verformtem und Verfärbtem ins Marketing. Erklärtes Ziel: Lebensmittelverschwendung durch Sortieranforderungen senken. Wir haben Einkaufsleiterin Patricia Hirsch zu den Entwicklungen und Erfahrungen befragt.

Fast noch einen Schwerpunkt hat diese Ausgabe zum Thema Bodenmarkt zu bieten: Den Zugang zu Land gerecht zu gestalten ist Grundlage für eine vielfältige Agrarstruktur – mit einem zeitgemäßen Umgang tun sich in Deutschland Politik und Verwaltung noch schwer. In Niedersachsen ist aktuell das Parlament am Zuge über einen neuen Anlauf für ein eigenes Agrarstrukturgesetz zu diskutieren und zu entscheiden. Bei einem sogenannten Share Deal, also eine Unternehmensübernahme inklusive Landkauf in ganz großem Stil durch australisch-japanische Investoren hätte die Bundesregierung einschreiten können. Auf Nachfrage der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft wird deutlich, dass der Fall weder auf Bundes- noch auf Länderebene ernsthaft in Frage gestellt wurde, bei dem es immerhin um 20.000 ha bewirtschaftete Fläche ging - wieviel davon als Eigentum ist unklar. Gleichzeitig schlagen sich zwei junge Existenzgründer für knapp 6 ha Ackerfläche in zweiter Instanz vor Gericht mit der Frage herum, ob gemeinschaftliche Landkäufe mit Hilfe von Organisationsformen wie der Kulturlandgenossenschaft agrarstrukturell sinnvoll und gewünscht sind – oder nicht.

Weil Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer aktuell Förderprogramme gekippt hat, steht das gesellschaftliche Projekt einer zukunftsfähigen Nutztierhaltung auf der Kippe, zu dem es eigentlich schon seit Jahren eine breit abgestimmte Wegskizze gibt. Marktbeobachter Hugo Gödde fasst die Fassungslosigkeit der gesamten (!) Branche in Worte und unterzieht die alternativen Versprechungen einer kritischen Betrachtung.

Die Oktoberausgabe der Unabhängigen Bauernstimme.